UNICUM hört: The Darkness "Hot Cakes"

Die englische Rockband meldet sich mit ihrem neuen Album zurück!

von Holger Wendt
The Darkness | Foto: Presse

Mütter dieser Welt bringt eure Töchter in Sicherheit! The Darkness sind zurück! Aber so was von. Mit im Gepäck haben die vier Briten nicht nur schlechte Witze und furchtbar trashige Klamotten, sondern auch ihr neues Album "Hot Cakes" (VÖ: 17.08.2012).

Der Rock'n'Roll frisst seine Kinder

Man kennt die Mär vom Aufstieg und Fall einer Rockband. Zuerst werden ein paar talentierte Jungs aus der Provinz aufgelesen. Diese steckt man in getigerte Spandexanzügen, reicht ihnen ein paar chemische Substanzen und verspricht ihnen die Welt. In manchen Fällen folgt dann eine kometenhafte Karriere, an deren abrupten Ende die Provinz-Boys in der Umlaufbahn des Planeten Erde verglühen.

The Darkness wurde ein ähnliches Schicksal zuteil. Die Band um die beiden irrlichternden Brüder Justin und Dan Hawkins gelang 2003 mit ihrem Debüt "Permission To Land" ein phänomenaler Durchbruch. Bis heute verkaufte sich das Album allein in ihrer Heimat England 1,5 Millionen Mal.

2005 wird eilig der Nachfolger "One Way Ticket to Hell ...and Back" nachgeschoben. Es folgen eine Welttournee und viele kleine Skandälchen, um Frauen, Drogen und kaputte Fernseher. Interne Quereleien werden im Zuge dessen in die Öffentlichkeit gezerrt und von vielen als Reinkarnation der "guten, alten" Rock-Exzesse interpretiert. Dass Justin, der Bandleader und Sänger, zu dem Zeitpunkt wirklich fertig mit der Welt und vor allem sich selbst war, ging im ganzen Ironiegewäsch vollkommen unter. Es kam, wie es kommen musste: Die Band löste sich 2006 nach ihrem zweiten Album auf. Am Ende fiel Justin den gleichen Klischees zum Opfer, über die er sich in seinen Songs ständig lustig gemacht hat. Der Rock'n'Roll frisst seine Kinder.

Unterhaltung auf niedrigstem Niveau

2012 soll wieder ein gutes Jahr für The Darkness werden. Dafür werden das neue Album Hot Cakes und ein cleaner Justin sorgen. Hot Cakes wurde mit der Ursprungsbesetzung eingespielt, was sich glücklicherweise im tighten Basssound des Albums wiederspiegelt. Die elf Stücke bedienen sich wie gewohnt an abgehangen Hard Rock-Standard, die dann und wann um ein paar Noten und etwaige Bombast-Soli aufgebohrt werden. Hot Cakes erreicht zwar nicht den Glanz von "Permission To Land", haut aber immer noch jede andere Glam- bzw. Hard Rock-Band links und rechts eine rein, die sich heutzutage "erfolgreich" schimpft.

Auf der Bühne geht’s wie gewohnt flippig zu (Darf man das wieder sagen?). Davon konnte man sich in den ersten Gigs nach der Reunion 2011 überzeugen. Justin hat sich einen Schnäuzer stehen lassen und zwängt sich wieder in den alten Catsuit. Die obligatorischen Marshall-Verstärker-Wände dürfen natürlich auch nicht fehlen. Videos und Songs sind wie gewohnt ironisch und waten im Sumpf aus Spott und Ehrerbietung vor den eigenen musikalischen Einflüssen.

Als potenter Mann gibt sich Justin in den Texten natürlich wieder der Frauenwelt hin und preist den weiblichen Körper. Bevor man das als offengründigen Sexismus kritisiert, sollte man sich die Texte genauer ansehen. Das Frauen-Bild wird an vielen Stellen durch die Selbstbeschreibung der männlichen Figuren gebrochen. So schimpft Justin über seine viel zu hohe Stimme ("Every Inch of You"). Wir erleben hier Unterhaltung auf niedrigstem Niveau. Und das ist ein Kompliment.


 

The Darkness

Hot Cakes

PIAS/Rough Trade

VÖ: 17. August 2012

Für Freunde von AC/DC, Spinal Tap, T Rex, Queen, Thin Lizzy und Russ Meyer-Filmen


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