UNICUM hört: Two Gallants "The Bloom And The Blight"

Die Picking-Wunderkinder versuchens mit raubeinigem Fuzzrock: Neues Album am 7.9.

von Holger Wendt
Two Gallants "The Bloom and the Blight"
Foto: Presse

Two Gallants sind aus der Zeit gefallen. Dubstep und Drummachines sind ihnen fremd. Sie greifen lieber zu Cash und Faulkner. Danke dafür.

Ein Emaillebecher streift über die rostigen Stangen einer Gefängniszelle. Ihm folgt ein metallischer Klang. Als niemand auf diesen Ruf antwortet, folgt eine krächzende Stimme: "Well, I spent last night in Las Cruces Jail / rain & hail, born to fail / nobody come for to go my bail / sun don't you rise no more. I shot one man on the county line / took his dime & i blew his mind / now I'm just sittin' here doin' time, / sun don't you rise no more." (Two Gallants "Las Cruces Jail")

Wir schreiben das Jahr 2012 und der Sänger dieser Verse – Adam Stephens – zählt gerade mal zweiunddreißig Lenzen. Im Gegensatz von seinen Protagonisten ist er weit davon entfernt, sein Leben hinter schwedischen Gardinen zu fristen. Mit in der Zelle – das Bild muss ja weiter gesponnen werden – sitzt sein bester Freund Tyson Vogel und trommelt sich die Seele aus dem Leib. Zusammen sind sie Two Gallants, zwei Vagabunden, die sich so anhören, als wären sie einem Roman von William Faulkner entsprungen. Sie könnten jedoch auch uneheliche Kinder von Johnny Cash sein. Wie ihre beiden Vorbilder singen sie über die Talsohle des Lebens: vom Suff und von der Arbeitslosigkeit. Hin und wieder gibt es ne Prügelei. Dann und wann auch Tote. Und zwischendurch natürlich jede Menge Herzeleid. Hätten sie sich nicht für Gitarre, Schlagzeug und Mundharmonika entschieden, würden sie vermutlich Kurzgeschichtenbände veröffentlichen.

„Wir haben in den letzten Jahren eine Menge persönlicher Krisen durchlebt und uns deshalb eine Auszeit gegönnt. Jeder für sich. Das hat uns Kraft gegeben.“


Leider erschaffen sie nicht nur ihre Figuren. Sie erleben ihre Geschichten auch am eigenen Leib. Auf „Decay“ verarbeitet Vogel einen Unfall, der dazu führte, dass er lange Zeit keine Gitarre mehr spielen konnte. Eine schreckliche Zeit, wie er resümiert: „Manche Dinge kannst du nicht vorhersehen, selbst wenn sie dir das Herz brechen.“ Auch mit kaputtem Arm versuchte Vogel Songs zu schreiben - scheiterte jedoch, weil er die Bünde der Klampfe nicht greifen konnte. Überall auf The Bloom And The Blight findet sich diese emotionale Eindringlichkeit, die den Hörer in den Bann zieht.

The Bloom And The Blight ist ein Neubeginn für Stephens und Vogel. „Wir haben in den letzten Jahren eine Menge persönlicher Krisen durchlebt und uns deshalb eine Auszeit gegönnt. Jeder für sich. Das hat uns Kraft gegeben.“ Und diese Kraft durchzieht jeden Song ihres aktuellen Albums. Kumpelten die zwei Vagabunden auf ihrem selbstbetitelten Debüt von 2007 noch arg mit Blues und Folk-Songs, so begrüßen sie 2012 ein neues Mitglied in ihren Reihen: Das Fuzzpedal, das mit seinem unmissverständlich dreckigen Wabern, den singulären Two Gallants-Sound um Härte bereichert.


 

Two Gallants

The Bloom And The Blight

Fargo Records / Indigo

VÖ: 07.09.2012

Für Fans von: Johnny Cash, William Faulkner, Wüste, Whiskey, schwedischen Gardinen, Cowboys und Indianern

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