UNICUM trifft: Beth Ditto

Die Sängerin und Stilikone im Interview mit UNICUM

von Steffen Rüth
Foto: Sony Music - Rankin

Beth Ditto (31) ist mehr als nur eine Musikerin. Die Gossip-Frontfrau ist Kolumnistin, Modedesignerin und engagiert sich in der Lesbenbewegung. Aktuell ist die dickste Freundin von Karl Lagerfeld mit ihrem neuen Album „A Joyful Noise“ in den Charts.

„Ich fand mich immer stark“

UNICUM: Du bist lesbisch, dick und hast eine große Schnauze. Hast du dich mit deiner Rolle als Ikone direkt zu Beginn deiner Karriere angefreundet oder hat das gedauert?
Beth Ditto: Ich fühle mich etwas gehemmt in dieser Funktion, was bei mir wirklich nicht oft vorkommt. Insgesamt fange ich an, diese Vorbildsache ein bisschen ernster zu nehmen. Die Qualität meines Lebens ist so viel höher, weil in der Generation vor mir die Homoaktivistinnen und die Feministinnen hart gekämpft haben, damit es vorwärtsgeht. Jede Generation hat es leichter, und für mich war es, seien wir ehrlich, nie ein großes Drama, lesbisch zu sein.

Bist du eigentlich schon so selbstbewusst zur Welt gekommen?
Ich war immer schon eine laute, selbstbewusste Person. Schon als Kind war ich es immer, die in der Schule den Ärger abkriegen sollte, aber dann doch nicht abkriegte. Weil ich nämlich mit einer tollen Gabe gesegnet bin: Ich kann mich aus jeder noch so ausweglosen Situation rausquatschen. Bis heute bin ich unsicher, ob ich wirklich eine gute Sängerin und Musikerin bin. Aber ich habe nie daran gezweifelt, dass ich eine erstklassige Persönlichkeit habe. Ich fand mich immer stark und wuchs zum Glück mit einer Mutter auf, deren Attitüde sich folgendermaßen zusammenfassen lässt: „Beth, diese blöden Leute werden dich weder töten noch aufessen. Also brauchst du auch keine Angst vor ihnen haben. Sie sollen sich ficken.“ Diese Haltung habe ich weitgehend übernommen.

Du warst neulich mit ihr zusammen bei der Fashion Week in Paris. Wie ist deine Mutter denn mit Karl Lagerfeld zurechtgekommen?
Ich sagte zu ihr: „Karl Lagerfeld hat uns eingeladen.“ Sie meinte bloß: „Liebes, wer ist das bitte?“ Der Moment, in dem meine Mutter wirklich beeindruckt war – im Zusammenhang mit meiner Karriere – das war, als ich ihr ein Foto geschickt habe, auf dem ich zusammen mit Paul McCartney drauf bin. Paul ist der Größte für sie. Danach konnte ich machen, was ich wollte. Mum wusste: „Beth hat es geschafft“.

"Lagerfelds aussagen zu fetten Mädchen fand ich nicht in Ordnung"

Lagerfeld hat zuletzt über ihre Kollegin Adele gelästert, auch in der Vergangenheit gab es einige umstrittene Äußerungen in Bezug auf Magermodels. Das kann dir nicht gefallen haben.
 Nein, seine Aussagen zu fetten Mädchen fand ich nicht in Ordnung. Er ist nicht immer nett, er ist politisch nicht korrekt. Das gefällt mir wiederum sehr gut. Und er war ja selbst mal fett.

Wie sehr achtest du darauf, was du isst? 
Viel mehr, als die Leute denken. Nur weil ich fett bin, muss ich mich ja nicht scheiße ernähren. Ich versuche mich von Zucker fernzuhalten, denn Zucker ist einfach nicht gut.

Träumst du manchmal davon, dünn zu sein?
Noch nie. Ich liebe mich genau so, wie ich bin.

Kommen wir auf die Musik zu sprechen. Das Produzententeam eures neuen Albums, Xenomania, wurde berühmt durch „Believe“ von Cher und durch mehrere Hits für Kylie Minogue. Gossip kommen aus der Punkszene. Hast du keine Angst, dass ihr jetzt zu sehr in der Pop-Ecke steht?
Kein bisschen. Pop ist geil. Madonna ist meine Lieblingssängerin, Adele ist auch toll. Wir waren noch nie eine Band mit Berührungsängsten. Brian Higgins, der Mann hinter Xenomania, hat sich einfach supergut mit uns verstanden, da war gleich so ein Urvertrauen. Brian war wie ein Cheerleader für uns. Wenn ich einen kleinen Bruder hätte, stelle ich ihn mir so vor wie ihn.

Ihr habt euer Album in einem 600 Jahre alten Landhaus in der englischen Grafschaft Kent aufgenommen. Wie hat es dir dort gefallen?
Es war unheimlich. In dem Anwesen soll einst Alice im Wunderland gelebt haben.

Das ist doch bloß eine Romanfigur.
Es gab dort eine Alice Lidell, sie soll die Inspiration des Autors Lewis Carroll gewesen sein. Angeblich lebt ihr Geist bis heute in diesen Gemäuern. Ich habe, im Gegensatz zu meinen beiden Kollegen, dort nicht genächtigt. Mir war das alles zu verhext. Ich bin alles andere als eine ängstliche Person, aber vor Geistern fürchte ich mich abgrundtief.

Kurz & kompakt

  • Beth Ditto, die mit bürgerlichem Namen Mary Beth Patterson heißt, stammt wie ihre Gossip-Bandkollegen aus dem Nest Searcy im US-Bundesstaat Arkansas.
  • Mit ihrer Single „Heavy Cross“ aus dem Album „Music for men“ blieb sie fast 100 Wochen am Stück in den Top-100-Single-Charts.
  • Beth ist befreundet mit Kate Moss und ist eine der Musen von Karl Lagerfeld.

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