Hörsaalknigge auf dem Prüfstand
Mit "Studieren in Fernost" 10 Bücher "Studieren - eine Gebrauchsanweisung" zu gewinnen

- Pizza, Cola und Chips im Hörsaal? Eigentlich unerwünscht, doch für UNICUM bricht Janik die Hörsaaletikette. | Foto: Schnabel
Neu im Hörsaal und keine Ahnung wie ihr euch verhalten sollt? Was erlaubt ist und was nicht? Ein Buch gibt Tipps, doch ob sie auch etwas taugen, das testet UNICUM.de für euch.
11 Uhr am Dienstagvormittag im Hörsaal vier der Ernst-Abbe-Fachhochschule Jena. Janik hat es sich in seiner Reihe bequem gemacht, großzügig drei Jacken neben sich ausgebreitet. Sie sollen die Plätze neben ihm frei halten und für den nötigen Raum für seine Füße sorgen. Die hat er zwischenzeitlich auf dem Klapptisch abgelegt, balanciert einen Pizzakarton auf seinen Knien, Chips und Cola stehen in Griffweite.

- Kein Essen im Hörsaal? Niklas sieht das entspannt, denn „oft haben wir keine Zeit dafür.“ | Foto: Schnabel
Du sollst keine Plätze reservieren!
Natürlich ist Janik unser Versuchskaninchen, er soll diese Vorlesung in Biotechnologie bewusst stören. „Ich mache jeden Spaß mit“, sagt der gebürtige Hesse, bevor die ersten Studenten eintrudeln. Wegen des guten Rufes der Jenaer Fachhochschule und den günstigen Lebenskosten ist der Erstsemestler nach Thüringen gezogen. Und gleich wird er zwei Todsünden begehen: Sitzplätze blockieren und während der Vorlesung laut essen und trinken. Dozent Dominik Driesch ist eingeweiht, doch die Studenten wissen nichts.
Du sollst nicht essen und trinken!
Niklas ist einer der ersten, der sich in die Reihen setzt. In der hält er, Überraschung, eine dampfende Bockwurst im Brötchen. Kein Essen im Hörsaal? „Davon habe ich noch nie etwas gehört. Bisher hat sich auch niemand beschwert“, sagt er zwischen zwei Bissen. Und Niklas ist nicht der Einzige, der sein Essen in den Hörsaal mitbringt. „Unsere Pausen sind zu kurz für die Mensa“, sagt er. Außerdem steht unmittelbar vor dem Hörsaal ein Stand mit Kuchen, Getränken und eben Bockswurst.

- Studieren, eine Gebrauchsanweisung – Ein Führer rund ums Thema Uni. | Foto: Schnabel
Nutze Deinen Laptop nur zum Arbeiten!
Dominik Driesch betritt den Hörsaal und die meisten Studenten haben ihren Platz gefunden und die Wurst verspeist. Janiks komplette Reihe ist frei geblieben, doch keiner hat sich über seine Jacken auf den Sitzen beschwert. „Einige haben es bemerkt, aber sich dann ohne Kommentar einen anderen Platz gesucht.“ Was sicher auch daran liegt, dass in dieser Biotechnologievorlesung nur recht wenig Studenten sitzen. Gerade einmal halbvoll wird der Hörsaal, mehr als genug Platz für alle. „In einem vollen Hörsaal kann es da sicher Probleme geben, wenn sich ansonsten Studenten auf die Treppe setzen müssen“, vermutet Dozent Dominik Driesch.
Bleibe bis zum Schluss!
Janik wagt es und öffnet seine Colaflasche. Es zischt laut im Hörsaal, doch niemand achtet darauf. Hinter ihm zischt es ebenfalls. Trinken im Hörsaal? Vollkommen normal. Erst als er sich die Chipstüte schnappt und sie öffnet, erntet er einen empörten Blick von seinen Kommilitonen hinter ihm. Doch es beschwert sich niemand. „Uns ist nichts aufgefallen“, meint Hanna Geih, die zwei Riehen weiter vorn sitzt. „Ich fands schon krass, dass jemand mit einer Pizzapackung im Hörsaal sitzt“, ergänzt ihre Freundin Daniela Glahn. „Aber wenn er Hunger hat, warum nicht?“

- Ruhig sollte es trotzdem bleiben, findet Annabell. Zu spät kommen und die Türen knallen stört die Konzentration. | Foto: Schnabel
Nimm Deinen Müll mit!
Essen uns trinken stört hier im Hörsaal Niemanden, „auch wenn es manche Dozenten schon unverschämt finden, dass manche sofort ihr Essen auspacken. Aber das ist hier auch krass“, sagt Hanna. Doch Lärm nervt, denn „wenn sich die Leute hinter mir ausgiebig über ihr Wochenende unterhalten, kann ich mich nicht mehr auf die Vorlesung konzentrieren“, sagt Annabell. Generell ist Ruhe das einzige ungeschriebene Gesetz im Hörsaal. Alle Studenten stören sich an Kommilitonen, die zu spät kommen und dabei die massive Hörsaaltür zufallen lassen. „Wenn alle fünf Minuten jemand nachgezuckelt kommt und die Tür knallt, dann kann die Vorlesung gar nicht richtig anfangen“, sagt Daniela.
Du sollst Dein Handy ausschalten!
Und obwohl Janik eigentlich die Vorlesung richtig stören will, ist er erstaunlich leise, selbst seine Chipstüte raschelt kaum, obwohl sie inzwischen halbleer ist. Auch er hält sich an das ungeschriebene Gesetz der Ruhe „Mich hat er überhaupt nicht gestört“, sagt Dozent Dominik Driesch nach der Vorlesung. Man sieht also, die Regeln im Buch muss man nicht zu eng sehen, solang es im Hörsaal recht ruhig bleibt. Doch eine Regel sei Euch ans Herz gelegt: Bedankt Euch beim Dozenten nach der Vorlesung mit Klopfen.

