Tierversuche an der Uni

von Merel Neuheuser, Lena Frommeyer und Robert Adamik

„Könnte ich Experimente an Tieren durchführen?“ Wollt ihr später in die Wissenschaft, solltet ihr euch diese Frage frühzeitig stellen. Einige Studiengänge haben Versuche an Maus oder Frosch nämlich fest auf dem Studienplan und auch im Berufsleben kommt ihr möglicherweise nicht um Tierversuche herum. Wer welche Meinung zu diesem Thema hat, erfahrt ihr hier.

Das sagen die Studenten

Frauke Spengler konnte und wollte dem Huhn keine Feder krümmen. Das Tier, das die 21-jährige Biologiestudentin und ihre Kommilitonin im vergangenen Sommer an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf sezieren sollte, tat ihr zu sehr Leid. Und doch nahm sie schließlich das Skalpell in die Hand und erledigte den Auftrag. Sonst hätte sie keinen Schein erhalten und ohne diesen Schein, hätte sie ihr Studium nicht fortführen können. Frauke Spengler studiert Biologie, um später tierversuchsfreie Testmethoden in der Industrie zu erforschen und weiterzuentwickeln. Doch auf dem Weg dahin, kommt sie an anatomischen Kursen, den sogenannten „Schnippelkursen“, nicht vorbei. In ihren Augen ist dies ganz schön makaber.

Nicht alle Studenten haben ein Problem mit Tierversuchen. Einige finden, dass das Sezieren zur Allgemeinausbildung eines Biologen gehört. So auch Carla Wilkowsky, Christian Kock und Benjamin Hallier, die Biologie an der Universität Osnabrück studieren: Man denkt, es gibt Alternativen. Aber wenn man in einem Tier beispielsweise ein Hirnorgan weg präpariert, um an ein anderes heranzukommen, ist der Lerneffekt ganz anderer, als wenn man sich ein Modell anguckt.“ Solange Tierversuche einem wissenschaftlichen Zweck dienen und im ethischen Rahmen verlaufen, unterstützen die drei Studierenden die aktuelle wissenschaftliche Praxis. Das bedeutet, dass Tiere, die beispielsweise speziell für die Forschung am Campus gezüchtet werden, ethisch korrekt getötet werden dürfen.

Das sagt die Hochschule

Hört Dr. Matthias Schmidt von der Ruhr-Universität-Bochum Statements von seinen Studenten wie „ich werde in meinem Job sowieso keine Tierversuche durchführen müssen“, denkt er „ganz schön naiv“. „ Wenn Studenten so jung schon behaupten, bei ihren künftigen Arbeitsstellen müssten sie sowieso keine Tierversuche durchführen, ist das nicht sehr zukunftsorientiert.“ Schmidt ist Tierschutzbeauftragter der Uni. Seine Stelle ist im Tierschutzgesetz verankert. Wo mit Maus, Kaninchen und Co. experimentiert wird, muss es einen Tierschutzbeauftragten geben, der Forscher berät, Versuche überwacht und Anträge mit Lehrbeauftragten und der Behörde kommuniziert. In dieser Position erklärt es sich von allein, dass der gelernte Biologe kein Gegner von Tierversuchen ist, aber auch kein uneingeschränkter Befürworter. „Ziel und Zweck des Versuchs müssen vernünftig gerechtfertigt sein!“

Das sagt der Arbeitgeber

„Universitäten haben unter anderem die Aufgabe, den akademischen Nachwuchs für die Industrie adäquat auszubilden“ erklärt die Unternehmenssprecherin für den Bereich „Wissenschaft und Forschung“ der Bayer Aktiengesellschaft, Dr. Katharina Jansen. Sie hält die Durchführung von Tierversuchen an Universitäten für unverzichtbar, denn auch in der Pharmaindustrie seien Tierversuche vom Gesetzgeber in verschiedenen Bereichen wie der Arzneimittelprüfung oder der Zulassung für Pflanzenschutzmittel gefordert. Dabei sei es aber oberstes Gebot, nur so viele Tiere einzusetzen, wie nötig sind, um zu wissenschaftlich aussagekräftige Ergebnissen zu gelangen. "Ein kompletter Ersatz der Tierversuche an der Universität spiegelt nicht die Realität im Berufsleben wider: Wer biologische Zusammenhänge erforschen will, muss Versuche machen. Als Simulation im Computer, im Reagenzglas, aber auch mit Tieren.“ Dr. Jensen spricht nicht nur in der Theorie über Tierversuche im Studium, denn Bayer kooperiert auch mit Universitäten. „Für die Arbeit mit Tieren haben wir Kooperationen mit verschiedenen Universitäten um neue Tierversuche zu entwickeln, die weniger belastend für die Tiere und gleichzeitig aussagekräftiger für die Forschung sind.“

Das sagt die Tierschutzorganisation

„Heute gibt es so gute Alternativen, dass Tierverbrauch gänzlich überflüssig geworden ist“ findet Astrid Schmidt. Die 33-jährige Biologie -Doktorandin arbeitet hauptberuflich für SATIS (Lateinisch für: genug!), ein Projekt des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte. Mit „Tierverbrauch“ meint Schmidt Tierversuche. Doch laut Gesetz sind Experimente an Tieren allein in der Forschung offiziell „Tierversuche“. SATIS entstand ursprünglich aus einem Zusammenschluss verschiedener Hochschulgruppen mit demselben Anliegen und versteht sich als Schnittstelle und Infozentrum für Schüler, Studenten, Dozenten und Hersteller von Alternativmethoden. Und die Liste der Alternativmethoden ist lang. In speziellen Simulations-Computerprogrammen können Studenten sich durch die Innereien der Tiere zoomen, Nähen kann an Kunsthaut geübt werden. Darüber hinaus gibt es Phantome, also Tiernachahmungen mit Plastikschläuchen und Blutersatz, Speise- und Luftröhre und sogar Herzton. „Außerdem können Tiere, die eines natürlichen Todes gestorben sind, Universitäten zur Forschung gespendet werden“ fügt Astrid Schmidt hinzu.

Fakten

  • Laut dem Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz wurde 2009 deutschlandweit an rund 2,8 Millionen Tieren Versuche durchgeführt.
  • Davon wurden an 57.388 Tieren in „Ausbildung und Weiterbildung“ experimentiert. Darunter fällt die studentische Ausbildung, aber auch Weiterbildungen nach dem Studium, Doktorarbeiten oder Kurse für Personal.
  • An Unis wird unterschieden zwischen anatomischen Kursen (die sogenannten Schnippelkurse) und physiologischen Kursen (Experimente).
  • Tierversuche kommen hauptsächlich in den Studiengängen Biologie, Humanmedizin, Veterinärmedizin und Pharmazie vor.
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