Deutschlandstipendium in der Diskussion

- Bundesbildungsministerin Schavan mit Deutschlandstipendiaten | Foto: Bundesministerium für Bildung und Forschung
Der Schavan-kritische SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Hagemann hat mit seiner Anfrage ans Ministerium eine Diskussion über das in diesem Jahr eingeführte Deutschlandstipendium ins Rollen gebracht. Denn zum jetztigen Zeitpunkt - so kam dabei heraus - sind die Kosten für Werbemaßnahmen höher als die Summe, die an Stipendiaten ausbezahlt wird. Ist das Deutschlandstipendium also ein Flop?
Ein "gewisses Missverhältnis" zwischen den Werbeausgaben und den Ausgaben fürs Projekt als solches sieht auch die UNICUM Expertin für Stipendien, Dr. Petra Weckel, ehemalige Leiterin der Begabtenförderung der Fridrich-Naumann-Stiftung. Dennoch verteidigt sie Annette Schavans Bemühungen, mit dem Deutschlandstipendium eine neue Säule in der im internationalen Vergleich zurückhängenden Stipendienkultur in Deutschland aufzubauen. "Das geht absolut in die richtige Richtung. Auch, wenn das noch nicht ganz richtig funktioniert. Irgendwann muss man ja mal anfangen", so Weckel. Für die UNICUM Expertin ist es "höchste Zeit" im internationalen Vergleich aufzuholen, was die Vergabe von Stipendien betrifft. Und dazu die Wirtschaft mit ins Boot zu holen, sei eine gute Idee. Das Deutschlandstipendium besteht in einer monatlichen Zahlung von 300 Euro, wobei eine Hälfte vom Staat, die andere von privaten Geldgebern beigesteuert wird.
Dass die praktische Umsetzung schwierig ist, überrascht Weckel nicht: "Ich wundere mich eigentlich, dass es überhaupt schon 10.000 Stipendiaten gibt." Aus eigener Erfahrung weiß sie, dass Fundraising nicht von heute auf morgen funktioniert, sondern sich langsam aufbaut. Und da sind die Hochschulen erst am Anfang eines Weges. Wenn überhaupt: Denn, so hat Petra Weckel selber festgestellt, bei den Unis ist es teilweise gar nicht so leicht, einen zuständigen Ansprechpartner für das Deutschlandstipendium zu finden - oder auch nur Infos auf der Website.
Unis brauchen Personal

- UNICUM Expertin zum Thema Stipendien, Dr. Petra Weckel
Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Zum einen die, dass den Universitäten die personellen Kapazitäten fehlen. Da rechnet unsere Expertin mit zwei bis vier Personen, die sich pro Hochschule um das Thema kümmern müssten. Diese Personalkosten trägt jedoch das Deutschlandstipendium bisher nicht. Hier sähe Weckel die Gelder besser angelegt als in Werbeplakaten.
Eine andere Ursache für den schleppenden Start und die teilweise Ablehnung des ganzen Projekts durch einige Universitäten vermutet Petra Weckel auch in der "linken Sozialisation" so mancher Uni. Den betroffenen Hochschulen sei das leistungsbezogene Deutschlandstipendium suspekt. Diese Haltung findet Weckel jedoch "völlig idiotisch".
"Ein Deutschlandstipendium zu bekommen ist doch eine Auszeichnung der eigenen Leistung", so Weckel. Gerade für Studenten mit finanziell weniger üppiger Ausstattung von Seiten der Familie sei das - freilich relativ kleine - Stipendium eine gute Sache, da nichts von den verteilten Gelder zurückgezahlt werden muss, wie es hingegen beim Bafög doch der Fall ist. Weckel: "Das beantragen viele ärmere Studenten nicht, weil sie sich nicht verschulden wollen."
Dem SPD-Abgeordneten ist sie jedoch trotzdem dankbar und meint, das Ministerium müsste es eigentlich auch sein, denn: "eine bessere Werbung für das Deutschlandstipendium als die aktuelle Berichterstattung gibt es doch gar nicht".









