Studieren mit BAföG

UNICUM klärt die wichtigsten Fragen rund um das BAföG für Studenten

von Dominik Lenze
BAföG Studium
Foto: Thinkstock/calvste

Studieren kostet. Und zwar nicht zu knapp: Bücher, Gebühren und nicht zuletzt Wohnung, Strom und Essen müssen bezahlt werden. Bloß wie? Das Zauberwort im Studium lautet: BAföG.

Die sicherste Art der Studienfinanzierung

Auch wenn es Alternativen zum BAföG gibt – es ist mit Abstand die sicherste und nachhaltigste Form der Studienfinanzierung: Nach Ende eures Studiums müsst ihr nur die Hälfte des über die Semester geliehen Betrags zurückzahlen. Und zwar zinsfrei, der Rest ist geschenkt.

Nunja, mehr oder weniger geschenkt: Wer Bafög will, muss sich auf eine ganze Menge Bürokratie einlassen. Bevor ihr euch die nötigen Formblätter von der Website des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft herunterladet, vergewissert euch, dass ihr die wichtigsten Infos zur Hand habt.

Steht mir Bafög zu?

Falls ihr unsicher seid, ob euch Bafög zusteht oder nicht, gibt es nur eine Lösung: Probiert es einfach aus. Einen ungefähre Vorstellung über euren BAföG-Satz kann euch der BAföG-Rechner des Deutschen Studentenwerkes vermitteln.

Jede Menge Papierkram

Die Höhe des BAföG-Satzes, den ihr beziehen dürft, wird nach eurem Bedarf berechnet. Daher sind für den BAföG-Antrag folgende Dinge wichtig:

  • Wie seid ihr versichert?
  • Besitzt ihr sogenannte "Vermögenswerte" wie beispielsweise ein eigenes Auto oder eine von Großvater zum Abi geschenkte Wertanlage oder eine Lebensversicherung?
  • Habt ihr einen eingetragenen Nebenjob?
  • Nennenswerte Einkünfte durch Zinsen von eurem Sparbuch?
  • Wohnt ihr nicht mehr bei euren Eltern? Dann müsst ihr eine Mietbescheinigung, gegebenenfalls den Mietvertrag beilegen.

Ein Student aus "normalen" Verhältnissen bekommt fairerweise ein höheres BAföG als jemand, der sich auf dem dicken Sparkonto von Opa ausruhen kann und nebenbei noch einen lukrativen Nebenjob hat.

Das war natürlich nicht alles, auch eure Eltern müssen vor dem BAföG-Amt "blankziehen": Sofern sie arbeiten, müssen sie den BAföG-Formularen ihre letzte Einkommenssteuererklärung beilegen und über weitere Einkünfte durch Renten, Förderungen und Immobilien Auskunft geben.

Auf den insgesamt acht Formularen gibt es weitaus mehr Kästchen auszufüllen, aber keine Sorge: Vieles erklärt sich von selbst – und Informationen über euren Wohnort, euren Schulabschluss oder gegebenenfalls eigene Kinder dürftet ihr im Kopf haben. Also: Nicht abschrecken lassen!

Während eures Studiums habt ihr freilich keine Ruhe vor dem Zettelkram: Regelmäßig müsst ihr Bescheinigungen über eure erwirtschafteten Credit-Points einreichen. Auch die Basis-Infos über euch und eure Eltern müssen jedes Semester erneut eingereicht werden. Schließlich kann sich ja an der finanziellen Lage etwas geändert haben – das wiederum hat Einfluss auf den BAföG-Satz.


BAföG beantragen

Sonderfälle

Einige der Formblätter des BAföG-Antrags beziehen sich auf Sonderfälle. Beispielsweise, wenn ihr keine deutsche Staatsangehörigkeit habt. Das bedeutet nämlich nicht, dass euch kein BAföG zusteht – sofern ihr ein deutsches Abitur habt oder EU-Bürger seid.

Auch für andere Fälle lassen sich Lösungen finden, in diesem Fall ist es ratsam, sich an das zuständige BAföG-Amt zu wenden.

Studienfachwechsel – was nun?

Ein Studienfachwechsel kann eine weitere Schwierigkeit darstellen: Das Bundesausbildungsförderungs-Gesetz fordert einen "wichtigen Grund" bei Fachwechseln bis zum 3. Semester, entscheidet ihr euch nach dem 4. Semester um, müsst ihr einen "unabweisbaren Grund" vorlegen.

Was bedeutet das? Als "wichtiger Grund" wird ein Eignungs- oder Neigungswandel anerkannt. Ihr habt Theologie studiert und seid vom Weg Gottes abgekommen? Kein Problem, BAföG ist immer noch drin, sofern dies vor dem 4. Semester geschehen ist. In der Regel fragt das BAföG-Amt nicht einmal nach, sondern geht stillschweigend davon aus, dass ein Fachwechsel schon einen wichtigen Grund haben wird.

Schwieriger wird es ab dem 4. Semester, denn für einen "unabweisbaren Grund" gibt es strengere Kriterien. Beispielsweise wenn ihr Chemie studiert, aber das Studium wegen Allergien unmöglich fortsetzen könnt, oder als Sportstudent einen schweren Unfall hattet.

Der Wechsel von Bachelor zu Master gilt in aller Regel nicht als Fachwechsel. Laut Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft sowie den Deutschen Studentenwerken müsst ihr dabei nicht zwangsläufig im selben Fach bleiben: Ein Journalismus-Master nach dem Germanistik-Bachelor wird nicht als Fachwechsel angesehen.

Alternativen zum Bafög?

Das hehre Ziel des Bundesausbildungsförderungsgesetzes, Studenten unabhängig von ihrer wirtschaftlichen Lage ein nebenjobfreies Studium zu ermöglichen, wird freilich selten erreicht: Nach Angaben der Deutschen Studentenwerke können nur zwei Prozent der Studierenden ausschließlich von BAföG leben, in Städten wie Berlin und München kann mitunter nicht einmal die Miete davon gezahlt werden.

In gravierenden Fällen kann das Jobcenter betroffenen Studierenden unter die Arme greifen. Das ist aber nur selten möglich. Was nun? "Salopp gesagt: Wirkliche Alternativen zum BAföG gibt es nicht. Es ist das verlässlichste, weil auf einem Rechtsanspruch gründende, staatliche Finanzierungsinstrument für Studierende", so Stefan Grob von den Deutschen Studentenwerken.

Von Studienkrediten zur Dauerfinanzierung des Studiums raten die Studentenwerke grundsätzlich ab.

Eine andere Möglichkeit sind Stipendien: "Oftmals sind die Hürden dafür längst nicht so hoch, wie allgemein angenommen, denn abgesehen von der Begabung zählen für viele Stipendiengebern auch ehrenamtliches Engagement oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe", sagt Grob.

Ein Beispiel ist das Deutschlandstipendium: Ein großer Teil des bereitgestellten Geldes wird wegen mangelnder Bewerber gar nicht für die Stipendien genutzt – obgleich eine Bewerbung nix kostet außer ein paar Minuten Zeit.

Falls ihr aus irgendwelchen Gründen, zur Überbrückung oder als notwendige Finanzspritze für besonders maue Zeiten, dennoch einen Studienkredit wahrnehmen wollt, könnt ihr euch bei der Stiftung Finanztest darüber informieren. Zurzeit weisen die Tester den KfW-Studienkredit als das für Studenten fairste Angebot aus: Die Höhe des monatlich in Anspruch genommenen Geldes könnt ihr regelmäßig eurem Bedarf anpassen, der Höchstsatz beträgt, ähnlich wie beim BAföG, 650 Euro.


Bundesregierung beschließt BAföG-Reform

Die Bundesregierung hat am 20. August 2014 Reformen beim BAföG beschlossen, damit einher geht unter anderem die erste Erhöhung der BAföG-Sätze seit 2010. In unserer Infografik findet ihr die wichtigsten Veränderungen übersichtlich aufgearbeitet. Verabschiedet werden soll das Gesetz am 19. Dezember 2014 im Bundesrat, so dass die Reformen erst mit Beginn des Schuljahres 2016 beziehungsweise des Wintersemesters 2016/2017 gültig werden.

Änderungen beim BAföG

Nutzt für weitere Infos:

  • Die Website des Deutschen Studentenwerkes
  • Die BAföG-Hotline des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft: 0800-223 63 41
  • Das UNICUM Expertenforum zum Thema Stipendium: UNICUM-Expertin Dr. Petra Weckel beantwortet hier alle Fragen.

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