Rechte und Pflichten als Hiwi

von Melanie Gralke
Hiwi - weiblicher Hiwi

Neben dem Studium an der Uni arbeiten - klingt verlockend und macht sich gut im Lebenslauf. Rund 100.000 Studenten verdienen bundesweit ihren Lebensunterhalt als studentische Hilfskräfte. Doch ihre Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig.

Thesenpapiere überarbeiten, Tutorien vorbereiten und dabei in regelmäßigem Kontakt zum Prof stehen. Studentische Hilfskräfte, kurz Hiwis, arbeiten bequem an ihrer Uni und können dabei häufig den Grundstein für eine spätere Promotion legen. Was in der Theorie reizvoll klingt, sieht in der Praxis häufig anders aus. Zumindest, was Bezahlung und arbeitsrechtliche Grundstandards betrifft, bewegen sich Hiwis an deutschen Universitäten häufig in einer Grauzone.

Während ein Student in Ostdeutschland im Durchschnitt nur 4,60 Euro verdient, bekommt eine studentische Hilfskraft in Berlin für die gleiche Tätigkeit 10,98 Euro. Bundesweit liegt die Vergütung dazwischen. Tatsächlich hat bisher nur das Land Berlin einen eigenen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte. „Dieser wurde 1986 von einem Berliner Arbeitgeberverband abgeschlossen“, weiß Stefan Habler von der Tarifgemeinschaft der Länder (TdL). „Zu bedenken ist, dass Berlin seine sonstigen Tarifbeschäftigten deutlich schlechter bezahlt als die übrigen Bundesländer“, erklärt er. „Insoweit würde Berlin einen vergleichbaren Tarifvertrag für die studentischen Hilfskräfte heute vermutlich nicht mehr abschließen.“

"Ihr macht gute Arbeit"

Dabei halten die Hiwis den Betrieb der Uni aufrecht. Um Haushaltslöcher zu stopfen, übernehmen sie immer mehr Tätigkeiten von eigentlich Festangestellten, was in seiner Folge zu steigendem Lohndumping im Hochschulbetrieb führt. „Ein umso größerer Skandal ist es, dass Hiwis elementare arbeitsrechtliche Standards vorenthalten werden“, rügt Erkan Ertan von der Kampagne „Ihr macht gute Arbeit“ der Juso-Hochschulgruppen. „Fehlende Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, nicht gewährter Urlaubsanspruch, unbezahlte Überstunden und viel zu niedrige Löhne sind für fast alle studentisch Beschäftigten der Regelfall.“ Auch einen Inflationsausgleich hat es seit Jahren nicht gegeben. Und die Position des Profs als Chef ist ohnehin problematisch.

„Gerade das einseitige Abhängigkeitsverhältnis zu den Professoren, bei denen die Hiwis auch oftmals promovieren wollen, führt dazu, dass sie Aufgaben übernehmen, die weder in ihrem Arbeitsvertrag festgelegt sind, noch angemessen honoriert werden“, meint Erkan Ertan. Dass Hiwis, die für 40 Stunden im Monat bezahlt werden, in der Regel aber für Recherche und weitere Tätigkeiten durchaus doppelt soviel arbeiten, hält er für grob bedenklich.

Obwohl studentische Hilfskräfte arbeitsrechtlich als Teilzeitbeschäftigte gelten und einen Anspruch auf Urlaub und Sozialleistungen haben, sieht die Praxis oft anders aus. „Daher versuchen wir mit Studierendenvertretungen, Personalräten und Gewerkschaften vor Ort, mit den Hochschulleitungen Richtlinien zu erarbeiten, die Rechte und Pflichten von studentischen Beschäftigten beinhalten“, erzählt Diana Greim, Sprecherin der Tarifinitiative „Tarifini“. An vielen Hochschulen konnte dies bereits erreicht werden und führt im Ergebnis dazu, dass die Rechtsbasis allen Beteiligten klar ist. Trotzdem haben studentische Beschäftigte in der Regel keine Interessenvertretung durch Personalräte. „In einigen Bundesländern sind sie sogar ausdrücklich aus den Landespersonalvertretungsgesetzen ausgenommen worden“, weiß Greim.

„Es ist ein Skandal, dass Hiwis elementare arbeitsrechtliche Standards vorenthalten werden“

Dass die Arbeitsbedingungen in Einzelfällen aber auch gut sein können, beweist die Hiwi-Tätigkeit von Stefan Zimmer (22). Er arbeitet an der Uni Mainz als studentische Hilfskraft am Teilchenbeschleuniger MaMi. Für die meist nächtliche Beaufsichtigung der technischen Geräte und das Ausfüllen der zugehörigen Protokolle, hat Zimmer bei einem Vertrag über monatlich 40 Stunden, am Monatsende 350 Euro auf dem Konto und kann sich zu den Glücklichen zählen, die sowohl Urlaub als auch einen Weihnachtszuschlag bekommen. Dass seine Hiwi-Tätigkeit eine absolute Ausnahme bildet, weiß er selbst.

Aktuell gibt es von Seiten der studentischen Beschäftigten immer mehr Widerstand. Auch der Bundesdachverband der Studierendenschaften (fzs) oder die Gewerkschaften sind Befürworter der Bemühungen um einen Tarifvertrag. „In die Thematik ist in den vergangenen Monaten sehr viel Dynamik hinein gekommen“, weiß Erkan Ertan. „Bei dem jetzigen Mobilisierungsgrad und der steigenden Zahl an Mitstreitern, Aktionen und Petitionen ist es nur eine Frage der Zeit, bis eine kritische Masse erreicht werden kann.“ Und dann, so hofft er, wird es endlich bundesweit verbesserten Arbeitsbedingungen für alle studentischen Beschäftigten geben.

Mehr Infos auf: www.ihr-macht-gute-arbeit.de; www.tarifini.de; www.gew.de

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