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Einleitung:
Vor der Verwüstung durch Hurrikan Katrina am 29. August 2005 galt New Orleans als einer der problematischsten Metropolräume der USA. Nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Metropolregion hat unter enormen sozialen Problemen gelitten. Ein großes Problem war die Armut und da diese vorwiegend unter der schwarzen Bevölkerung anzutreffen war, welche überwiegend im zentralen und östlichen Stadtgebiet lebte, waren deutliche Segregationsmuster in New Orleans erkennbar. Zudem litt die Stadt zu dieser Zeit unter einer schlechten wirtschaftlichen Lage, hervorgerufen u.a. durch Suburbanisierungsprozesse und einer damit einhergegangenen wirtschaftlichen Dezentralisierung.
Obwohl New Orleans nach dem 2. Weltkrieg im Vergleich zu anderen U.S. amerikanischen Metropolen als eine aufstrebende Region mit einem hohen Bevölkerungsanstieg, einer florierenden Wirtschaft und gesunden Nachbarschaften galt, haben sich die sozialen Probleme seit den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts so verstärkt, dass New Orleans als 'hypersegregiert' bezeichnet wurde. Ein Phänomen, das man zur damaligen Zeit eigentlich nur mit Städten wie New York oder Detroit in Zusammenhang brachte.
Wie in der Regel üblich, wurden diese Probleme von den Politikern der Stadt unter den Tisch gekehrt. Weltweit wurde mit New Orleans eine einzigartige Kulturlandschaft der USA, Jazz und pure Lebensfreude verbunden. Wie es hinter den Vorhängen dieser als lebensfroh geltenden Stadt aussah, blieb der Öffentlichkeit verborgen. Erst als die Stadt aufgrund von Hurrikan Katrina Ende August 2005 verstärkt in das Interesse der Medien gerückt ist, hat sich der Vorhang gehoben und die soziale Tragödie der Stadt wurde sichtbar.
Die Medien zeigten Menschen, die sich nicht rechtzeitig vor Hurrikan Katrina in Sicherheit bringen konnten und so tagelang ohne Hilfe von außen, inmitten von Chaos, Überschwemmung und Verwüstung ausharren mussten. Auffällig war, dass es sich bei diesen Menschen überwiegend um Schwarze handelte. Darunter viele Frauen mit Kindern und alte Personen. Da Hurrikan Katrina die Stadt am Ende des Monats traf, waren die finanziellen Ressourcen aufgebraucht. Zudem hatten viele Menschen aufgrund ihrer Armut kein eigenes Auto und konnten, als zur Evakuierung aufgerufen wurde, die Stadt nicht von alleine verlassen. Transportmöglichkeiten, wie Busse oder Züge, wurden vonseiten der Stadt nicht zur Verfügung gestellt. Als die Evakuierungswelle in New Orleans nach ein paar Tagen angelaufen war, wurden zunächst, wie ebenfalls in den Medien zu sehen war, Touristen und Einwohner weißer Hautfarbe in Sicherheit gebracht. Dieses Handeln kann auf eine Diskriminierung der schwarzen Bevölkerungsgruppe hindeuten.
Die vorliegende Arbeit wird die sozialen Probleme, die in New Orleans zur Zeit vor dem Sturm geherrscht haben, aufgreifen und genauer darlegen. Darüber hinaus wird sie sich auch damit auseinandersetzen, wie die Lage knapp neun Monate nach Hurrikan Katrina aussieht und wie der Wiederaufbau und somit die Zukunft der Stadt aussehen soll. Das erste Kapitel nähert sich diesen Problemen und Fragestellungen an. Zu Beginn wird der Untersuchungsgegenstand dargestellt, bevor anschließend die Ziele und der Aufbau dieser Arbeit formuliert werden.
Problemstellung:
Aufgrund der enormen Zerstörung durch Hurrikan Katrina sieht sich New Orleans mit einem langwierigen Wiederaufbauprozess konfrontiert. Ende September 2005, also rund einen Monat nach Katrina, hat der Bürgermeister von New Orleans, RAY NAGIN, eine Wiederaufbaukommission für die Stadt, die BRING NEW ORLEANS BACK COMMISSION (BNOBC), gegründet. Diese Kommission hat bis Januar 2006, neben einem Masterplan zum Wiederaufbau, sechs ergänzende Pläne entworfen, die New Orleans wieder auf die Beine bringen sollen. Der Masterplan mit dem Titel "Action Plan for New Orleans: The New American City" zeigt eine Vision für New Orleans auf. Zudem beinhaltet dieser Plan eine Rahmenplanung sowie einen Handlungsplan, mit Hilfe derer die Umsetzung der Vision ermöglicht werden könnte.
Während Theorien über den Wiederaufbau nach Naturkatastrophen zunächst empfehlen, den 'Status quo ante' wiederherzustellen und erst dann über darüber hinausgehende Verbesserungen nachzudenken, stellt der Masterplan eine Vision dar, die alles bisher in der Stadt dagewesene übertreffen soll. Obwohl die sozialen Probleme der Stadt der BNOBC bekannt gewesen sein müssten, werden diese im Masterplan nicht thematisiert.
Das BROOKINGS INSTITUTION METROPOLITAN POLICY PROGRAM hingegen hat eine Wiederaufbauagenda mit Handlungsempfehlungen für New Orleans entwickelt, die eine Linderung der sozialen Probleme in den Vordergrund stellt. Diese Studie spricht in erster Linie die Bundesregierung der USA in Washington, D.C. an, da laut der Meinung des Institutes nur mit ihrer Hilfe ein Wiederaufbau von New Orleans erfolgreich verlaufen kann. Die Handlungsempfehlungen, die gegeben werden, sollen dabei helfen, aus New Orleans einen Raum ohne soziale Probleme und besonders ohne Segregation zu schaffen. Natürlich ist auch dies eine Vision. Allerdings ist diese im Gegensatz zu den Plänen der BNOBC, aufgrund zahlreicher Finanzierungskonzepte durchaus nachvollziehbar und begründet.
Gang der Untersuchung:
Ziel dieser Arbeit ist es aufzuzeigen, wie sich einerseits die sozialen Probleme vor Hurrikan Katrina in New Orleans geäußert haben und andererseits wie die Zukunft der Stadt aussehen wird. Der Titel der Arbeit "Das neue New Orleans - Stadt ohne soziale Probleme?", der gleichzeitig die Hauptfragestellung der Untersuchung ist, formuliert die Frage nach der Zukunft von New Orleans sehr provokant. Folgende vier Ziele sollen dabei helfen herauszufinden, wie die Zukunft von New Orleans aussehen wird:
1. Darstellung des Untersuchungsraumes New Orleans anhand ausgewählter geographischer und sozialer Indikatoren.
2. Erklärung für die Zerstörung durch Hurrikan Katrina.
3. Darlegung geplanter und möglicher Wiederaufbaumaßnahmen.
4. Darstellung der zukünftigen Entwicklung von New Orleans.
Diese Ziele spiegeln sich im Aufbau der Arbeit wieder, die sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil gliedert. Der Theorieteil geht zum einen auf die sozialen Probleme in New Orleans zur Zeit vor Hurrikan Katrina ein. Zum anderen gibt er, nach einem kurzen theoretischen Blick auf Hurrikan Katrina und auf allgemeine Wiederaufbaustrategien nach Naturkatastrophen, einen Einblick in den Masterplan zum Wiederaufbau der Stadt New Orleans. Zudem werden in diesem Teil der Arbeit auch die Handlungsempfehlungen für einen 'sozialverträglicheren' Aufbau vonseiten des BROOKINGS INSTITUTION METROPOLITAN POLICY PROGRAMS vorgestellt.
Zu Beginn des zweiten Kapitels wird New Orleans geographisch eingeordnet und das Untersuchungsgebiet vorgestellt. Im Anschluss werden die sozialen Probleme der Stadt thematisiert. Um in diese Thematik einzuführen, werden zunächst allgemeine soziale Probleme U.S. amerikanischer Städte angesprochen. Da diese in den USA oftmals in Segregation münden und dieses Phänomen in New Orleans zur Zeit vor Hurrikan Katrina stark ausgeprägt war, wird diese Problematik gesondert behandelt. Das Kapitel schließt mit einem Einblick in die sozialen Probleme von New Orleans, mit denen die Stadt vor dem Sturm zu kämpfen hatte.
Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit Hurrikan Katrina und seinen zerstörerischen Auswirkungen auf New Orleans. Dazu werden zunächst allgemeine Informationen zu dem Hurrikan gegeben, bevor abschließend die, in den Medien oft als sozial-ungerecht bezeichnete, Auswirkung Katrinas auf ausgewählte Stadtviertel dargestellt wird.
Das Kapitel vier setzt sich zum einen mit der Theorie von Wiederaufbaustrategien nach Naturkatastrophen auseinander und bezieht diese auf New Orleans, und gibt zum anderen einen Einblick in den Masterplan zum Wiederaufbau von New Orleans, der von der BNOBC erarbeitet wurde. Des Weiteren werden in diesem Kapitel auch Handlungsempfehlungen des BROOKINGS INSTITUTION METROPOLITAN POLICY PROGRAMS vorgestellt, mit denen New Orleans sozialgerechter wiederaufgebaut werden könnte.
Der empirische Teil dieser Arbeit untergliedert sich in die Kapitel fünf bis acht und beschäftigt sich mit der Situation in New Orleans knapp neun Monate nach Hurrikan Katrina. In Kapitel fünf wird die Vorgehensweise der empirischen Untersuchung aufgezeigt. Zu Beginn werden Hypothesen formuliert, bevor im Anschluss die Methodenauswahl begründet wird. Danach wird die Methode des 'problemzentrierten Interviews' vorgestellt und die Auswahl der Interviewpartner begründet dargelegt. Im Anschluss wird die Durchführung der Interviews thematisiert und die Auswertungsmethodik vorgestellt. Abschließend werden der Einsatz der Methodik rückwirkend reflektiert und die empirischen Schritte zusammengefasst.
Das Kapitel sechs wird die Ergebnisse der geführten Interviews in Bezug auf die Teilfragestellung "Das neue New Orleans - The New American City?" darstellen. Um Antworten auf diese Frage zu bekommen, ist das Kapitel in drei Unterkapitel unterteilt. Das Kapitel 6.1 befasst sich zunächst mit der Situation knapp neun Monate nach Katrina. Neben einem Einblick in das Chaos und die Zerstörung werden in diesem Kapitel auch Erklärungen dafür geliefert, wie es zu einer solchen (sozialen) Katastrophe kommen konnte. Dabei spielt die Politik der Stadt eine große Rolle. In Kapitel 6.2 werden der Masterplan, die BNOBC und die Studie des BROOKINGS INSTITUTION METROPOLITAN POLICY PROGRAMS im Hinblick auf offen gebliebene Fragen und neue Erkenntnisse durch die Interviews thematisiert, bevor in Kapitel 6.3 das Schicksal der Bewohner, der New Orleanians, im Hinblick auf die Zukunft dargestellt wird.
Das siebte Kapitel versucht Antworten auf die Teilfragestellung "Stadt ohne soziale Probleme?" zu finden. Dazu werden zunächst aktuelle und mögliche zukünftige soziale Probleme der Stadt dargelegt, bevor im Anschluss die in Kapitel 5.1 aufgestellten Hypothesen auf ihre Gültigkeit hin überprüft werden.
Das achte Kapitel wird die Situation in New Orleans bewertend zusammenfassen und abschließend einen Ausblick auf die Zukunft der Stadt geben.
Inhaltsverzeichnis:
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