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Einleitung:
Shopping Center sind heutzutage für jeden ein gewohnter Anblick, wie selbstverständlich stehen sie in den meisten Städten und befriedigen die Kaufgelüste bequemer Kunden. Die Schwierigkeiten, die sie verursachen können, sind dagegen weit weniger Menschen bewusst und Motiv für diese Arbeit.
Einige bedenkliche Grundzüge unserer heutigen Gesellschaft finden sich in ihnen wieder und können als eine Ursache für ihren Erfolg gesehen werden.
Die gewünschte Anonymität ist ein wichtiger Faktor, der es Besuchern erlaubt, zu sehen und gesehen zu werden, ohne jeglichen Zwang den unpersönlichen Kontakt zum sozialen Umfeld vertiefen zu müssen, wenn es nicht erwünscht ist.
Man fühlt sich vor den alltäglichen Gefahren und Schwierigkeiten sicher und opfert dafür unbewusst Teile seiner Freiheit für die Regeln und die Überwachung einer künstlichen Welt, die nur gewünschten Zielgruppen offen steht.
Die Schnelllebigkeit spiegelt sich hauptsächlich in der Innenarchitektur wieder, dessen unpersönliche und bezugslose Oberflächen sich überall befinden könnten, ohne jemals gut oder schlecht in ihr Umfeld zu passen. Die Wandflächen bestehen fast ausschließlich aus Schaufenstern, die sich im Tagesrhythmus verändern und den gleichen Ort kontinuierlich verfremden, wodurch Shopping Center auch nie vertraut wirken sondern immer wieder neu erlebt werden.
Der so genannte Verlust der Mitte findet sich in vielen Bereichen des Lebens wieder und wird ebenfalls durch Shopping Center symbolisiert. Der Unterschied zwischen groß und klein wird immer beträchtlicher und das Mittelmaß fällt auch in dieser Branche weg, wo nur noch das Nischenprodukt gesucht wird, was in keinem Center Sortiment je aufgenommen würde weil es nicht Massentauglich ist. Alles andere findet sich in den enormen Verkaufsflächen etablierter Filialisten wieder.
Trotz allem befindet sich der Centerbau in einer seit Jahren andauernden Aufschwungphase. Während wenige Städte noch kein Shopping Center besitzen, wodurch sie einen Verlust der Konkurrenzfähigkeit befürchten, wird Vielerorts schon ein zweites, drittes und viertes Objekt geplant. Eine Innenstadt ohne Stadt Galerie, City Point, Arcaden oder Promenaden ist kaum noch aufzufinden.
Die im Shopping Center Report 2006 angegebenen Zahlen belegen diesen Trend und ermöglicht einen klaren Überblick: Anfang 2006 gab es 372 Shopping Center mit einer Gesamtverkaufsfläche von 9,4 Mio. qm in Deutschland. Die Wachstumsrate beträgt 6,3%, die durchschnittliche Verkaufsfläche stieg auf 31.580 qm, die Centerfläche pro 1000 Einwohner um 14,7% zum Vorjahr.
Ein Vergleich mit den Vereinigten Staaten, dem Herkunftsland des modernen Shopping Center, verdeutlicht ein erschreckendes Entwicklungsszenario. Im Jahr 2005 sind laut ICSC (International Council of Shopping Center) 861 neue Shopping Center entstanden wobei die Gesamtzahl auf 48.695 Objekte gestiegen ist.
Shopping Center prägen zunehmend das Stadtbild und gewinnen eine immer größere Bedeutung sowohl in architektonischer und städtebaulicher als auch in wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Hinsicht. Daher ist auch der wachsende Einfluss auf ihr vielschichtiges Umfeld nicht zu vernachlässigen.
Die, von einer schlechten Centerplanung verursachten, Probleme wirken sich weiträumig auf den unterschiedlichsten Ebenen aus und sind schon heute an vielen Standorten erkennbar, weswegen man solchen Fällen auch eine gewisse Allgemeingültigkeit zusprechen kann.
Im schlimmsten Fall verlieren teure, so genannte 1a- Lagen, durch die im Center entstandenen Verkaufsflächen, an Signifikanz und werden zu b- Lagen degradiert. Bis dato kleinere Nebenstrassen werden durch die großen Parkplätze und den dazugehörigen Verkehr ungünstig belastet, Hauptachsen unterbrochen und die Hierarchie vorhandener Fußgängerstraßen und Wege verändert. Die Architektur und das Stadtbild werden wegen des Kontrasts zwischen einem beispielsweise durch Fachwerk geprägten Altstadtviertel und dem darin platzierten übergroßen Shopping Center banalisiert, ganze Stadtviertel, die vorher durch historische Eigenschaften charakterisiert waren, verändern sich und ihre Ausstrahlung.
Für den wirtschaftlichen Schaden des bestehenden Einzelhandels ist ein Trading Down Prozess verantwortlich. Durch die Verschiebung der 1a- Lagen und die Verlagerung der Handelsschwerpunkte nehmen die Besucherzahlen in ehemaligen Kernbereichen und jetzigen b- Lagen der Innenstadt ab. Die dort seit langem bestehenden und teilweise renommierten Fachgeschäfte sind der Konkurrenz nicht gewachsen und müssen oftmals schließen oder werden durch so genannte Ramschläden (z.B. "1 Euro Läden") ersetzt. Diese Discounter kompensieren ihre relativ niedrige Gewinnspanne durch hohe Umsätze oder profitieren von sinkenden Mieten und verursachen einen weiteren Rückgang der Attraktivität und der Fußgängerfrequenz, bis sie weiter ziehen und die Ladenflächen leer hinterlassen.
Die Verdrängung mittelständischer, individueller Geschäfte verursacht eine zunehmende Standardisierung des Sortiments durch sich im Center befindliche Franchiser und Filialisten, die mit einem homogenen Massenangebot den Kunden uniformieren.
Die in ähnlicher Form immer wieder auftauchenden Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Shopping Centern deren Architektur und städtebauliche Integration werden in dieser Thesis angesprochen. Das Ziel der Arbeit sind Lösungsansätze die genannten Folgeproblemen entgegenwirken.
Als solide Arbeitsgrundlage und erste grobe Vorauswahl eignet sich eine ebenenübergreifende Materialrecherche zu allen deutschen Shopping Center. Die gewählten Objekte werden anhand bestimmter Schlüsseleigenschaften, wie zum Beispiel die Größe oder Grundform des Centers, in einer Tabelle zusammengefasst um eine übersichtliche Gliederung aller Shopping Center zu ermöglichen.
Durch diese Ordnung ergeben sich mehrere Gruppen aus denen jeweils ein repräsentatives Beispiel eingehend untersucht wird. Die kritischen Einzelanalysen werden in verschiedene Bereiche architektonischen und städtebaulichen Schwerpunkts gegliedert, so dass ein objektiver Vergleich möglich ist.
Das abschließende Ergebnis bilden allgemein gültige Theorien, Beurteilungen und Vorschläge, die es ermöglichen, von Fall zu Fall ein "maßgeschneidertes" Shopping Center zu entwickeln, was vor allem in Bezug auf Integration und Synergie mit dem jeweiligen städtischen Umfeld nachhaltig funktionieren kann.
In einem letzten Schritt werden einige Leitgedanken beispielhaft umgesetzt, wobei Art und Tiefe der Umsetzung an einem oder mehreren Fällen, vom Ideenkonzept bis zur städtebaulichen Planung variieren können.
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