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Einleitung:
Die Entwicklung des vorliegenden Diplomarbeitsthemas erfolgte stufenweise. Allerdings stand das Ziel der Arbeit von Beginn an fest, nämlich die Analyse der zusätzlichen Einkommensschaffung mittels 'Urlaub am Bauernhof' und die damit verbundene Ausarbeitung der für 'Urlaub am Bauernhof' entscheidenden Kriterien. Diese Idee wurde durch den familiären Hintergrund der Autorin stark geprägt, da sowohl die Eltern als auch die Schwester der Autorin eine Kombination von Tourismus und Landwirtschaft als gewinnbringende Einkommenskombination ausüben. Somit kam die Autorin zu der Ansicht, dass diese Kombination eine geeignete Möglichkeit darstellt, die Landwirtschaft sowie den Arbeitsplatz 'Bauernhof' erhalten zu können.
Mit dieser Arbeit wird ein Überblick der für 'Urlaub am Bauernhof' entscheidenden Faktoren gegeben. Die Methode der Multiple-Case Study bietet die Möglichkeit, Betriebe musterhaft abzubilden, und präsentiert somit Strategien, wie sie in der Praxis umgesetzt wurden. Die anschließende Diskussion dient einerseits der Zusammenfassung der Forschungsergebnisse und andererseits der Erweiterung durch theoretische Ansätze. Somit wird eine umfassende Beurteilung der Kriterien möglich.
Problemstellung
Die Zukunft der österreichischen Landwirte wird seit dem Beitritt zur Europäischen Union als prekär dargestellt: Laut Schwärzler haben viele Bauern angesichts der Senkung der Agrarpreise und eines weltweiten Abbaus des Schutzes der Landwirtschaft berechtigte Sorge um die Zukunft ihrer Betriebe. Weiters meint er, dass ihre Existenz durch Arbeitsteilung und durchlässige Landesgrenzen mit sinkendem Ausgleich ökologischer und sozialer Standards sowie durch den damit verbundenen harten Wettbewerb bedroht ist. Zwei Leistungsansprüche stehen für die österreichischen Landwirte dabei klar im Vordergrund:
- Sie sollen qualitativ hochwertige Lebensmittel zu niedrigen Preisen produzieren.
- Sie sollen die Kulturlandschaft pflegen und dabei möglichst umweltschonend vorgehen.
Diese größtenteils einander widersprechenden Anforderungen an die Landwirtschaft führen laut Schwärzler bei einer zusehends schwindenden Zahl bäuerlicher Betriebe zu deren Überforderung.
Die Statistiken der österreichischen Landwirtschaftskammer veranschaulichen das drastische Absinken der Betriebszahlen in Niederösterreich seit dem Jahr 1980. Damals wurden noch 79.865 Betriebe verzeichnet. Seit diesem Zeitpunkt kam es zu einer stetigen Verminderung von rund einem Drittel: Im Jahr 2003 wurden nur noch 46.235 Betriebe in Niederösterreich gezählt.
Um heute diesem großen Druck standhalten zu können, wird speziell von jungen Menschen ein hohes Maß an Mobilität, Flexibilität, Risikobereitschaft und Willen zu lebenslangem Lernen verlangt. Daraus resultiert die hohe Zahl an bäuerlichen Nebenerwerbsbetrieben, da sich allein aus den ursprünglichen agrarischen Produktionszweigen nicht genügend Einkommen erwirtschaften lässt. Wenn betriebliches Wachstum in der Agrarwirtschaft nicht mehr möglich oder nicht mehr sinnvoll ist, bietet sich der Aufbau eines zweiten oder dritten betrieblichen Standbeins an, um das stagnierende oder gar schrumpfende landwirtschaftliche Einkommen aufzustocken. Laut Giselbrecht wird diese Ergänzung oder Ersetzung der herkömmlichen Beschäftigung viele Agrarbetriebe langfristig zum Wechsel in den Dienstleistungsbereich oder in den gewerblichen Sektor führen. Giselbrechts Ansicht, die Veränderung der landwirtschaftlichen Erwerbstätigkeit betreffend, wurde auch schon früher vertreten: Josef Riegler, der ehemalige Direktor des Österreichischen Bauernbundes war bereits 1981 der Meinung, dass der 'Urlaub am Bauernhof' sich für die österreichische Landwirtschaft zu einer nicht mehr wegzudenkenden zusätzlichen Einkommensquelle entwickelt, die vor allem in den Berg- und Grenzregionen eine besondere Bedeutung hat.
Wie Giselbrecht (1999) berichtet, müssen sich immer mehr Betriebe mit dem Aufbau eines zweiten Standbeins wie zum Beispiel 'Urlaub am Bauernhof' auseinandersetzen, um ihre Landwirtschaft nicht aufgeben zu müssen. Jedoch werden besonders der mit hohen Investitionskosten verbundene Ausbau und der Generationenwechsel als problematisch beschrieben. Vielen Jungbauern sind die unterstützenden Anlaufstellen für ihr Vorhaben kaum bekannt: Fördermittel werden nicht im möglichen Maße nachgefragt bzw. die betriebswirtschaftliche Herangehensweise ist großteils nur unzureichend.
Genau diese Problematik macht es notwendig, einen genaueren Blick auf die zusätzliche Erwerbsform 'Urlaub am Bauernhof' zu werfen und die für den Erfolg dieser Unternehmung entscheidenden Faktoren herauszufinden, um diese bei der Einführung von 'Urlaub am Bauernhof' ausreichend zu berücksichtigen.
Zielsetzung
Aus der oben beschriebenen Problematik ergibt sich die Zielsetzung für diese Arbeit, nämlich einen Überblick über die Schlüsselfaktoren für 'Urlaub am Bauernhof' zu geben und damit eine Entscheidungshilfe für angehende 'Urlaub am Bauernhof'-Betreiber darzustellen.
Um eine besonders authentische Sichtweise des Themengebietes zu erreichen, werden in der empirischen Untersuchung landwirtschaftliche Betriebe in Form von Fallstudien dargestellt, die vor ca. drei Jahren mit der Implementierung eines touristischen Angebotes in ihr Betriebskonzept begonnen haben. Daraus werden als weiterer Schritt die Kriterien, die für die untersuchten Betriebe wichtige Faktoren darstellten, generiert. Der zentrale Untersuchungsschwerpunkt liegt bei dem Umgang der untersuchten Betriebe mit den Interessensgruppen, dem Entscheidungsverlauf und der Darstellung der Implementierung, beziehungsweise der Beurteilung von 'Urlaub am Bauernhof' aus heutiger Sicht der Landwirte.
Die Erkenntnisse aus der Multiple-Case Study werden mit den theoretischen Ergebnissen aus der Literaturrecherche zusammengeführt. Was sich daraus ergeben soll, ist eine Ansammlung von Kriterien, die sich bei der Untersuchung als besonders relevant erweisen. Diese werden, nachdem sie der angenommenen Struktur von internen und externen Faktoren zugewiesen wurden, in Form eines Kataloges zusammengefasst.
Gang der Untersuchung:
In der Begriffserklärung zu Beginn der Arbeit erfolgt eine Definition des Begriffes 'Urlaub am Bauernhof'. Danach wird die Lage der Urlaubsbauernhöfe in Österreich geschildert und der Verein 'Urlaub am Bauernhof' vorgestellt: Hier werden die Aktivitäten und Ziele des Vereins beschrieben. Im folgenden Abschnitt wird näher auf die Kategorisierung bzw. die Spezialisierungsmöglichkeiten der Vereinsmitglieder eingegangen. Der zweite Teil des Kapitels 'Begriffserklärung' ist der Erörterung der möglichen Erwerbsformen in Österreich gewidmet.
Danach erfolgt eine Schilderung der Rahmenbedingungen, mit denen sich die Landwirte in Österreich derzeit auseinanderzusetzen haben. Hier werden die Entwicklungen auf globaler, europäischer und schlussendlich auf österreichischer Ebene beschrieben. Besonders die Herkunft sowie der Einfluss der Förderungen für die Landwirte werden hier diskutiert.
Im Anschluss werden fünf Betriebe, die 'Urlaub am Bauernhof' in Niederösterreich betreiben, im Rahmen der Multiple-Case Study untersucht. Die Ergebnisse geben über die Bedingungen und Motive der Unternehmer zu Beginn der Implementierung von 'Urlaub am Bauernhof' sowie über die Interaktion mit den Interessensgruppen und die Einschätzung der derzeitigen Situation des Unternehmens Aufschluss.
Die Erkenntnisse aus den Fallstudien werden anschließend mit den Ergebnissen aus der Literaturrecherche zusammengeführt.
Die im Voraus erstellten Hypothesen, welche ebenfalls anhand der Literaturrecherche erstellt wurden, dienen dabei als Diskussionsbasis.
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