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(Fachbereiche): Agrarwissenschaften Ökolandbau

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Titel Lebensgeschichte und Ökolandwirtschaft 
Untertitel Empirische Fallstudien im Oldenburger Münsterland 
AutorIn Wolfram Seppel 
Seiten 143 Seiten 
Hochschule Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg Deutschland 
Art der Arbeit Diplomarbeit 
Abgabe 2008 
Preis 38,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 3013290 
Sprache Deutsch 
Medien  
Inhaltsangabe
Einleitung:

Thematische Hinführung:

'Auf einem Hof, der nach dem Konzept des alternativen Landbaus betrieben wird, ist der Bruch von Tradition und Moderne ein doppelter: Während die derzeitige konventionelle Agrarwirtschaftsrationalisierung mit der traditionellen entfalteten Bauernwirtschaft bricht, bricht der alternative Landbau jetzt wieder mit der agrarindustriellen Bewegung' (Hildenbrand et al. 1992: 93).

Die Landwirtschaft gehört zu den traditionellsten Tätigkeiten der Menschen. Über Jahrhunderte war sie geprägt von geschlossenen Kreisläufen zwischen Natur und bäuerlichem Betrieb. Doch mit dem Beginn der industriellen Revolution im Europa des späten 18. Jahrhunderts setzten gleichzeitig auch Rationalisierungstendenzen im Agrarsektor ein, die ein erstes Aufweichen der traditionellen Stoffkreisläufe zur Folge hatten.

Ihren bisher tiefgreifendsten Strukturwandel erlebte die Landwirtschaft nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im 20. Jahrhundert. Die Bevölkerung in den Industrienationen wuchs und musste ausreichend mit Nahrungsmitteln versorgt werden. Gleichzeitig erzielten Wissenschaft und Technik große Fortschritte, weltumspannende Märkte gewannen an Dynamik. Diese Entwicklungen führten dazu, dass die Ökonomie und das Kapital zunehmend in den traditionsreichen Agrarsektor eindrangen - und mit ihnen die Technisierung, Chemisierung und Standardisierung der Produktion. Ein Prozess, der heute auch als 'Industrialisierung der Agrarwirtschaft' bezeichnet wird. Moderne Landwirtschaftsbetriebe konnten und mussten sich erstmals auf einzelne Betriebszweige spezialisieren, wodurch die traditionellen betrieblichen Stoffkreisläufe weiter aufgebrochen wurden. Dadurch gelang es, die Ernährung in den aufstrebenden Nationen sicherzustellen.

Doch bei allem Fortschritt blieb der neuzeitliche Strukturwandel nicht ohne negative Folgen. Der Industrialisierungsprozess machte zahlreiche menschliche Arbeitskräfte in der Landwirtschaft überflüssig, Nutztiere wurden zunehmend in Massen gehalten und dabei nicht selten nur als Mittel zur ökonomischen Profitmaximierung betrachtet. Zudem griffen die modernen Landbaumethoden in die natürlichen Ökosysteme ein und erzeugten diverse Umweltprobleme, wie etwa hohe Nitratbelastungen im Grundwasser. Nicht zuletzt fanden sich in den produzierten Lebensmitteln mehr und mehr Rückstände chemischer Einsatzmittel.

Durch die gesellschaftlichen Umbrüche ab den späten 1960er Jahren, die in Westdeutschland zunächst von der Studentenbewegung und danach von den Neuen Sozialen Bewegungen geprägt wurden, verstärkte sich die Suche nach verträglicheren Alternativen. Diese wurden schließlich in den Ideen des Ökolandbaus gefunden, der neben dem Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz auch die Wiederherstellung der geschlossenen Stoffkreisläufe zum Ziel hat. Einige Forscher sprechen bei dieser Wirtschaftsform daher von einer 'Gegenbewegung' oder einem 'Alternativmodell' zur industriellen Landwirtschaft. Und nachdem der Ökolandbau lange Zeit ein Nischendasein fristete, fand er zunehmend Eingang in die politische Gesetzgebung und wurde im Jahr 2001 sogar zu einem Schwerpunkt der von der damaligen Bundesregierung ausgerufenen 'Agrarwende' in Deutschland.

Im Mittelpunkt dieser Diplomarbeit steht eine Region, die ein Paradebeispiel für die Industrialisierung der konventionellen Agrarwirtschaft abgibt. Es handelt sich um das Oldenburger Münsterland, auch Südoldenburg genannt, das aus den beiden Landkreisen Cloppenburg und Vechta besteht und zwischen Weser und Ems im westlichen Niedersachsen gelegen ist. Hier schlug die agrarische Modernisierung nach dem Zweiten Weltkrieg besonders stark durch. Die Region gilt daher als 'Prototyp der industrialisierten Landwirtschaft in Deutschland' und gleichzeitig als 'Zentrum der deutschen Veredelungswirtschaft'. Das bedeutet, dass die meisten der fast 5.000 regionalen Landwirtschaftsbetriebe auf die Produktion von tierischen Gütern spezialisiert sind. Nirgendwo sonst in Deutschland sind größere Schweine- und Geflügelbestände auf einem Gebiet konzentriert als hier. Da die Betriebe gleichzeitig relativ flächenarm sind, ist das traditionelle bäuerliche System der betrieblichen Nährstoffkreisläufe praktisch ausgehebelt. Was auf der einen Seite dafür sorgt, dass vielen landwirtschaftlichen Familienbetrieben, auch den kleineren, eine Existenzgrundlage gegeben ist und der Wirtschaft positive Wachstumszahlen beschert, hat auf der anderen Seite zur Folge, dass das Ökosystem im hohen Maße strapaziert wird und die Nutztiere zu ethisch umstrittenen Bedingungen gehalten werden. Diese Problemfelder zeigten sich schon bald, nachdem die Entwicklung zu einem Veredelungsgebiet einsetzte.

Doch anders, als es erwartet werden könnte, hat im Oldenburger Münsterland keine mit dem allgemeinen westdeutschen Trend vergleichbare 'Gegenbewegung' in Form des Ökolandbaus stattgefunden. Im Gegenteil: Bis heute werden dort Umweltschutzambitionen als unverträglich mit der regionalen Agrarwirtschaft und daher als bedrohlich angesehen.

Zusätzlich zu dieser Erscheinung weist das Oldenburger Münsterland noch weitere Besonderheiten auf. Die Region ist gekennzeichnet von einem hohen Grad an Homogenität. In wirtschaftlicher Hinsicht zeigt sich dies daran, dass neben den landwirtschaftlichen Veredelungsbetrieben im Familienbesitz vor allem agrarisch ausgerichtete mittelständische Industrieunternehmen überwiegen. In soziokultureller und religiöser Hinsicht sind es insbesondere die konventionelle Agrarwirtschaft sowie der katholische Glaube, die das soziale Leben prägen und zur Mentalitätsbildung der Einwohner beitragen. In politischer Hinsicht zeigt sich die Homogenität in der Dominanz der CDU. Bei Wahlen erreicht die Partei in der Regel eine Zweidrittelmehrheit - und das schon seit Jahrzehnten. In Folge dieser Erscheinungen haben sich enge personelle Verflechtungen zwischen regionaler Wirtschaft, Politik, Kirche, Wissenschaft und Bauernschaft entwickelt.

Auch wenn die Region einen hohen Grad an Homogenität aufweist, so ist sie eben doch nur relativ homogen. Und tatsächlich finden sich auch im Oldenburger Münsterland einige wenige Landwirtschaftsbetriebe, die nach ökologischen bzw. alternativen Maßstäben wirtschaften. In der Regionalforschung scheinen diese wenigen Ökobetriebe bislang kaum Beachtung zu finden. Diesem Defizit möchte die vorliegende Diplomarbeit Abhilfe leisten, denn aus agrarsoziologischer und regionalwissenschaftlicher Sicht ist die Existenz dieser Betriebe durchaus interessant: Angesiedelt in einem relativ homogenen Umfeld weichen sie von der gängigen Norm ab. Das wirft die Frage auf, aus welchen Gründen die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter ihre Höfe umgestellt haben. Welche Rolle spielten ihre Familien dabei? Wie reagierte das soziale Umfeld? Hinzu kommen praktische Fragen: Boten ihre Höfe günstige Voraussetzungen für eine Umstellung? Und ist die für die konventionelle Intensivlandwirtschaft ausgerichtete Infrastruktur des Oldenburger Münsterlandes auch für Ökobetriebe nutzbringend? Diese Überlegungen führen schließlich zur Kernfragestellung dieser Arbeit:

Was hat einzelne Landwirtinnen und Landwirte aus dem Oldenburger Münsterland dazu bewegt, ihre Betriebe auf die ökologische bzw. alternative Wirtschaftsweise umzustellen?

Diese Frage soll exemplarisch untersucht werden anhand von lebensgeschichtlichen Fallstudien über fünf Ökolandwirte aus der Region. Dazu sollen fünf Betriebsleiter in offenen Interviews nach ihrer Biographie, ihrem Betrieb und dem regionalen Umfeld befragt werden. Die gewonnenen Daten sollen anschließend nach qualitativen sozialwissenschaftlichen Methoden ausgewertet werden, um einerseits die Kernfragestellung zu beantworten und andererseits weitere Aussagen über die untersuchte Forschungsthematik zu formulieren.

Aufbau und Gliederung:

Diese Arbeit gliedert sich in einen theoretischen und einen empirischen Teil. Der theoretische Teil soll die erforderlichen Grundkenntnisse über die Thematik vermitteln. Dazu wird in Kapitel 2 zunächst der Ökolandbau näher beleuchtet: Nach einer grundsätzlichen Wesensbestimmung folgt ein Überblick über seine Geschichte, Organisation und Ausdehnung - schwerpunktmäßig bezogen auf Deutschland. Das dritte Kapitel widmet sich dem Oldenburger Münsterland: Auch hier wird zunächst ein Blick auf die Geschichte geworfen, bevor auf soziale und kulturelle Hintergründe eingegangen wird. Es folgt eine Fokussierung auf den regionalen Agrarsektor und die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen. Der theoretische Teil wird abgeschlossen mit dem vierten Kapitel: Hier sollen die Ergebnisse einiger Studien vorgestellt werden, die für diese Arbeit von besonderer Relevanz sind. Dazu gehören Untersuchungen über das Oldenburger Münsterland, über allgemeine Beweggründe für Betriebsumstellungen auf Ökostandards und eine Studie über die Einstellungen und das Verhalten von Ökolandwirten.

Der empirische Teil beginnt mit dem fünften Kapitel, in dem die empirisch-methodische Vorgehensweise erläutert wird, auf der die Untersuchung dieser Arbeit fußt. In Kapitel 6 werden die relevanten Teile der lebensgeschichtlichen Fallstudien über vier aktive Ökolandwirte und eine ehemalige Ökolandwirtin aus dem Oldenburger Münsterland aufgeführt, die an der Untersuchung teilgenommen haben. Es handelt sich dabei um:

Eduard Brönstrup, einem qualitätsorientierten Direktvermarkter, der mit Hilfe der alternativen und später der ökologischen Wirtschaftsweise Hoftradition und innovative Betriebsführung in Einklang bringen möchte, Brigitte de Vries, einer engagierten Ex-Ökolandwirtin, die Umweltschutz aus christlicher Überzeugung betreibt und deren Berufsbiographie von postmaterialistischen Selbstverwirklichungsbestrebungen gekennzeichnet ist, Franz-Josef Richert, einem Pionier, der seine Motivation aus tiefster Überzeugung schöpft und dabei entgegen jeglicher Skepsis aus seinem sozialen Umfeld handelt, Andreas Schuster, einem modernen Öko-Agraringenieur mit ökonomischem Verstand, der sich ein gutes Maß an Anerkennung, auch über die Region hinaus, erarbeitet hat und:

Stefan Thorwal, einem Hobby-Weltenbummler, der seinen Beruf als Landwirt zwar im Sinne einer 'zweiten Wahl' betrachtet, darin aber seinen Überzeugungen in Form des Ökolandbaus folgt.

Ein intensiver Vergleich, der die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Teilnehmern herausstellen soll, folgt in Kapitel 7. Der Fokus wird hier insbesondere auf den Vergleich der verschiedenen Einflussfaktoren gerichtet, die auf eine ökologische Betriebsumstellung hingewirkt haben.

Das achte und letzte Kapitel soll als Fazit die Ergebnisse aus dem theoretischen und dem empirischen Teil zusammenführen. Hier werden die Schlussfolgerungen zu der untersuchten Thematik dargelegt; erstens im Hinblick auf die Beweggründe für die Betriebsumstellungen, zweitens im Hinblick auf die Biographien der untersuchten Ökolandwirte und drittens im Hinblick auf das Oldenburger Münsterland. Diese Schlussfolgerungen verdichten sich daran anschließend zu einem letzten Fazit zur Kernfragestellung dieser Diplomarbeit.

Im separaten Anhang dieser Diplomarbeit befinden sich das für die Interviews verwendete Stichwort- und Fragencluster, die einzelnen Transkriptionen der Interviews sowie ein Exemplar einer lebensgeschichtlichen Fallstudie.

 
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