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Einleitung:
Einführung in das Thema:
Mit etwa 518.000 Einwohnern ist die Stadt Hannover eine der zwölf größten Städte der Bundesrepublik1. Im Jahr 2001 sind der ehemalige Landkreis und der Kommunal-verband Großraum Hannover zur Region Hannover zusammengeführt worden. In der Region Hannover leben derzeit etwa 1,145 Millionen Einwohner. Im Vergleich zu anderen Großstadtregionen im Bundesgebiet gilt die Region Hannover als ein mono-zentraler, also stark durch das Oberzentrum Hannover geprägter Raum. Die Region Hannover streckt sich in einem Radius von durchschnittlich 25 km um die Innenstadt Hannovers. Die Kernstadt, als auch die Region insgesamt, weisen im Vergleich zu anderen Großstadtregionen eine mittlere Größenordnung und Verdichtung auf.
Im Ballungsraum Hannovers existieren etwa 540.000 Arbeitsplätze, von denen 350.000 im Stadtgebiet der Landeshauptstadt liegen. Werktags pendeln etwa 160.000 Menschen aus der Region in das Stadtgebiet Hannovers. Der Motorisierungsgrad liegt dabei mit 398 Kfz/1.000 Einwohnern um 19% unter dem Bundesdurchschnitt. Im Oberzentrum Hannover werden zentrale Einrichtungen und Angebote des spezialisierten höheren Bedarfs bereitgestellt. Hannover hat eine besonders starke regionale und überregionale Versorgungsfunktion im Einzelhandel. Die Einzelhandelszentralität konzentriert sich vor allem auf den Innenstadtbereich. Traditionell sind die Stadtteilzentren in Hannover nur relativ schwach ausgeprägt.
In der Vergangenheit hat der Stadtbahnbau in Hannover zu positiven Effekten bei der Stadtentwicklung geführt. Insbesondere die Innenstadt hat dabei profitiert. Im Zusammenhang mit der Austragung der Weltausstellung im Jahr 2000 kam es zu weiteren positiven Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. Die Investitionen in den Bau einer Stadtbahnstrecke zum Weltausstellungsgelände zog dabei erhebliche privat-wirtschaftliche Investitionen nach sich und ermöglichte nebenbei auch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Dieses Phänomen ist in Hannover nicht neu, da es bereits früher in erheblichen Maße an den Neubaustrecken der Stadtbahn zu privatwirtschaftlichen Investitionen in erheblicher Höhe kam.
Außerdem haben sich heute die Rahmenbedingen für den ÖPNV verbessert. Das Angebot eines attraktiven ÖPNV ist in einigen Städten zum Markenzeichen geworden. Die Stadtbahn entwickelt sich zu einem Imageträger der Stadt. Menschen suchen ihren Wohnraum gezielt nach der ÖPNV-Anbindung aus und bestätigen so die Berechtigung eines hochwertigen ÖPNV durch häufige Nutzung. Einzelhändler, die einer Einführung eines hochwertigen ÖPNV kritisch gegenüberstanden, weil es gleichzeitig zu Restriktionen für den Autoverkehr kam, fordern neue Haltestellen und Verlegung des Linienweges zur besseren Erschließung der Geschäfte. Der ÖPNV wird zum Garant und Symbol für Labensqualität durch Mobilität und Erreichbarkeit in der Stadt.
In Hannover wurden seit Mitte der 70er Jahre bis auf eine Strecke alle Stadtbahnstrecken auf einen Stadtbahnbetrieb umgestellt, der den heute gängigen modernen Standards entspricht. Das Stadtbahnnetz im Innenstadtbereich Hannovers besteht aus vier separat verlaufenden Stadtbahnstrecken, die größtenteils im Tunnel verlaufen. In der Innenstadt verbleibt jetzt noch eine oberirdische Strecke, als D-Linie bezeichnet, die schlecht in das übrige Stadtbahnnetz integriert ist.
Beschreibung der Problematik und Ziel der Arbeit:
Der Anstoß zur Diplomarbeit:
Von Seiten der Region Hannover werden zur Zeit mehrere Varianten bzw. Planfälle für einen Ausbau der D-Linie in der Innenstadt geprüft. Es wird in Erwägung gezogen, die D-Linie entweder in einen ursprünglich geplanten Tunnel zu verlegen, die geplante Tunnelstrecke zu verkürzen, oder die Strecke oberirdisch ohne Tunnel neu zu führen. Neben der kürzeren Fahrzeit verspricht man sich vor allem eine bessere Verknüpfung mit den übrigen Stadtbahnlinien. Insbesondere am Hauptbahnhof sind die Umsteigemöglichkeiten für die Fahrgäste beschwerlich. Teilweise ergeben sich Umsteigewege von bis zu 300 m zu den übrigen Stadtbahnlinien. Besonders im Hannoverschen Stadtbahnnetz ist eine gute Verknüpfung der Stadtbahnlinien in der Innenstadt notwendig, da es so gut wie keine Tangential- und Ringverbindungen gibt. Außerdem soll die D-Strecke behindertengerecht ausgebaut werden. Da aber ausschließlich Hochflurfahrzeuge eingesetzt werden, wird die Errichtung von Hochbahnsteigen erforderlich. Aus gestalterischen und räumlichen Gründen lassen sich an der Haltestelle am Hauptbahnhof aber keine Hochbahnsteige nachrüsten.
Die Stadtbahnstrecke D wird von den Linien 10 und 17 befahren, die bisher in der Innenstadt am Aegidientorplatz enden. Der kurze innerstädtische Streckenabschnitt Hauptbahnhof-Aegidientorplatz ist wegen eines Parallelverkehrs mit einer anderen Stadtbahnstrecke zudem schlecht ausgelastet. Mit einer veränderten Streckenführung der D-Linie in der Innenstadt, könnten Stadtgebiete ohne Schienenanschluss neu mit der Stadtbahn erschlossen werden, wie z.B. die östlichen Bereiche der Innenstadt (Bereich Königstraße) sowie weitere bevölkerungsreiche Stadtgebiete (Zooviertel, Südstadt). Im Einzugsbereich der ausgebauten D-Strecke könnten nach der entgültigen Aufsiedlung des Neubaugebietes Kronsberg etwa 100.000 Einwohner leben. Dies wären ca. 20% der Bevölkerung Hannovers. Mal ganz abgesehen von den verkehrlichen Vorteilen, könnten mit dem Ausbau dieser Strecke in der Innenstadt städtebauliche Verbesserungen ermöglicht werden. Dies wäre eine große Chance für die Stadtentwicklung Hannovers. Bis zum Ende der Laufzeit des jetzigen Nahverkehrs-planes im Jahr 2007 soll entschieden werden, welche der drei oben erwähnten Varianten weiterverfolgt wird. Die Realisierung dieses Verkehrsprojektes soll aber erst in einem mittel- bis langfristigen Rahmen erfolgen.
Ziel der Arbeit:
Im Zusammenhang mit den Planungen zum Ausbau der D-Linie kann es zu weitreichenden Auswirkungen auf die Stadtentwicklung in der Innenstadt kommen. Daraus ergeben sich mehrere Fragen:
Fragen in Bezug auf die jetzigen Planungen:
Welche Auswirkungen auf die Stadtentwicklung ergeben sich durch die jeweiligen Varianten?
Welche weiteren Vor- und Nachteile bringen die jeweiligen Varianten?
Fragen zu den mit den Konzeptbausteinen erweiterten Planungen:
Wie lassen sich diesbezüglich die Varianten weiter verbessern bzw. die Nachteile stärker minimieren?
Welche verbesserte Variante ist am vorteilhaftesten für eine Realisierung?
Das Ziel der Arbeit besteht also darin, zuerst einmal die Ausgangssituation zu untersuchen und die geplanten Varianten bzw. Planfälle zum Ausbau der D-Linie darzulegen und zu analysieren. Ein Ziel der Arbeit ist es weiterhin, die geplanten Varianten einander gegenüberzustellen und sie auf ihre jeweiligen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung, den Städtebau sowie auf das Verkehrssystem zu untersuchen. Dabei sollen die Chancen und Potenziale sowie mögliche Nachteile, die sich ergeben könnten, erörtert werden. Die Schwachstellen der jeweiligen Varianten sollen dann durch selbstentwickelte städtebauliche und verkehrliche Konzeptbausteine so weit als möglich kompensiert werden, um sie dann abschließend auf ihre Realisierbarkeit hin zu untersuchen. Letztlich soll dabei die günstigste Variante ausgewählt werden.
Vorgehensweise und Aufbau der Arbeit:
Vorgehensweise:
Die Vorgehensweise bei dieser Arbeit bestand darin, zuerst das Thema zu definieren und zu untersuchen. In dieser Arbeitsphase wurde der Planungsrahmen abgegrenzt sowie mit ersten Expertengesprächen und Literaturrecherchen die eigentliche Arbeit vorbereitet. Dabei wurde insbesondere auch das Untersuchungsgebiet definiert. Das methodische Vorgehen deckt sich im weiteren Verlauf im wesentlichen mit dem Arbeitsaufbau der Arbeit. Dabei erfolgten bei den jeweiligen Arbeitsschritten bzw. Kapiteln Rückkopplungen, bei denen neue Fragen, die während der Arbeit aufgetreten sind, geklärt wurden.
Aufbau der Arbeit:
Zunächst erfolgt im zweiten Kapitel eine allgemeine theoretische Grundlagensammlung zu den Themen Stadtbahn und Stadtentwicklung, Stadtbahn und Stadtbild, Anforderungen an ein attraktives Stadtbahnnetz sowie Erreichbarkeit von Innenstädten. Mit diesen Grundkenntnissen sollen Maßstäbe gefunden werden, nach denen die Planungen zur D-Linie, die Ausgangssituation der Innenstadt, die Konzeptbausteine sowie die erweiterten Planungen zur D-Linie bewertet und geplant werden sollen. Zusätzlich sollen anhand zweier Beispiele aus weiteren Städten, die Vor- und Nachteile von unterirdischen und oberirdischen Stadtbahnstrecken verdeutlicht werden.
Darauf wird im dritten Kapitel die Ausgangssituation des Untersuchungsgebietes erläutert, indem die Ergebnisse der Bestandsaufnahme vor Ort sowie der Literaturrecherche des oben definierten Untersuchungsgebiets präsentiert werden. Im Vordergrund stehen dabei u.a. die Nutzungssituation, die Baustruktur, die Verkehrssituation, oder auch die historische Entwicklung des Untersuchungsgebietes. Relevante städtebauliche Planungsvorhaben sollen ebenfalls berücksichtigt werden. Mit diesen Erkenntnissen soll im weiteren Verlauf eine Problemabschätzung der Planungen zum Ausbau der D-Linie sowie eine Rahmenvorgabe für die Erstellung der Konzeptbausteine ermöglicht werden.
Im vierten Kapitel erfolgt die Vermittlung von Hintergrundwissen zur Nahverkehrsplanung in Hannover, einschließlich der Ziele, die beim Ausbau des Stadtbahnnetzes verfolgt werden. Außerdem wird die Entwicklung der Planungsidee zum Ausbau der D-Linie in der Innenstadt erörtert. Darauf sollen dann die Planungen in den jeweiligen Varianten dargestellt und erläutert werden. Dabei werden nicht nur die Folgen der jeweiligen Planungsvarianten vermittelt, sondern auch die Planungsidee und dessen Sinn.
Anschließend werden die gewonnen Erkenntnisse über die Ausgangssituation im fünften Kapitel analysiert und bewertet. Dabei sollen mögliche Problematiken herausgearbeitet sowie die Chancen und Potenziale der jeweiligen Varianten aufgezeigt werden. Die Erkenntnisse aus der Ausgangssituation fließen an dieser Stelle mit ein. Die Mängel und Potenziale der jeweiligen Planungsvarianten dienen dann als Grundstein für die ersten Vorüberlegungen zu Lösungsansätzen im sechsten Kapitel, bei denen auch der Handlungsspielraum für mögliche Maßnahmen eingegrenzt wird. Zu den nachteiligen Wirkungen der Varianten werden dann die Lösungsansätze, in Form von Konzeptbausteinen, konkretisiert. Damit sollen Maßnahmen aufgezeigt werden, mit denen sich die jeweiligen Varianten zum Ausbau der D-Linie in der Innenstadt verbessern lassen. Letztlich erfolgt eine Analyse der durch die Konzeptbausteine erweiterten Varianten auf ihre Realisierungschancen bzw. auf die Notwendigkeit der Umsetzung. Dabei sollen die erweiterten Varianten, auch aufgrund der Erkenntnisse aus der Grundlagensammlung im zweiten Kapitel, evaluiert werden. Abschließend wird die günstigste Variante vorgeschlagen. Im Fazit soll die gesamte Problematik in diesem Zusammenhang noch einmal diskutiert und die Ergebnisse dieser Arbeit zusammen-gefasst werden.
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