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Einleitung
Seit einigen Jahren haben neue Erkenntnisse zu den Ursachen und Wirkungen des globalen Klimawandels zu einem politischen und gesellschaftlichen Umdenken im Bereich der Energieerzeugung und -effizienz geführt. Gewinner dieses Wandels sind vor allem regenerative Energieerzeugungssysteme, die statt fossiler Energieträger nachwachsende Rohstoffe und sich erneuernde Energiequellen zur Wärme- und Stromerzeugung nutzen. Da dieser Ausbau der erneuerbaren Energien den marktwirtschaftlichen Anforderungen in den jeweiligen Volkswirtschaften genügen muss, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit den Möglichkeiten und Herausforderungen der Bewertung und Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekten. Dabei soll zunächst auf die bisherige und prognostizierte Marktentwicklung der Erzeugungskapazitäten eingegangen sowie die politischen Unterstütz-ungsmechanismen skizziert werden, bevor traditionelle und moderne Ansätze zur Bewertung dargestellt werden. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Finanzierungsmöglichkeiten derartiger Projekte, wobei ein klarer Fokus auf die Projektfinanzierung gelegt wird, da diese Finanzierungsform bei kommerziellen Projekten am häufigsten eingesetzt wird. Zuletzt werden die zukünftig zu erwartenden Veränderungen diskutiert und die Auswirkungen der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise auf die weitere Entwicklung der erneuerbaren Energien thematisiert.
Aufgrund der Komplexität des Themas und der unterschiedlichen Fördermechanismen weltweit, muss zunächst eine geographische Eingrenzung vorgenommen werden. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf Volkswirtschaften, die zur Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien ein System der fixen Einspeisevergütung (Feed-In Tariff) verwenden, da die Art der Förderung einen ganz erheblichen Einfluss auf die Bewertung und Finanzierung der jeweiligen Projekte hat. Der geographische Fokus liegt insbesondere auf Deutschland und den in Deutschland herrschenden gesetzlichen Regelungen. Weitere Fördersysteme wie die Quotenregelung oder Steueranreize werden im Rahmen der Darstellung des deutschen Fördersystems kurz erläutert.
Desweiteren muss der Begriff der erneuerbaren Energien (im Folgenden werden erneuerbar und regenerativ synonym verwendet) zu anderen Energieerzeugungssystemen abgegrenzt werden. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal ist hierbei die Art der Ressource, die zur Energieerzeugung verwendet wird. Handelt es sich um erschöpfliche fossile Brennstoffe wie beispielsweise Kohle, Gas, Uran oder Erdöl, wird von konventionellen Energieträgern gesprochen. Werden hingegen nachwachsende Rohstoffe wie Mais, Soja, Algen, Bioabfälle oder unerschöpfliche Ressourcen wie Wind, Sonne, Erdwärme und Wasser verwendet, so wird von erneuerbaren Energieträgern gesprochen. Die bekanntesten Formen sind Bio- und Solarenergie, Wind- und Wasserkraft sowie die Geothermie, wobei diese weiter unterteilt werden können.
Im Falle der Bioenergie unterscheidet man zwischen sofort verbrannter Biomasse (z.B. Stroh, Holz) und später verbranntem, im Prozess der Gärung entstandenen, Biogas. Die Solarenergie unterteilt sich in die Photovoltaik, die durch Nutzung des photoelektrischen Effektes Sonnenenergie in Strom wandelt und die Solarthermie, die das Sonnenlicht zur Erhitzung flüssiger Substanzen verwendet, welche anschließend eine Turbine antreiben oder als Wärmeenergie genutzt werden. Bei der Windkraft erfolgt die Unterscheidung nach dem Standort der Anlagen in Onshore-Wind (auf dem Festland) und Offshore-Wind (im Meer). Die Wasserkraft wiederum nutzt laufende (Laufwasserkraftwerke) oder stehende (Pumpspeicherkraftwerke) Gewässer, die eine Turbine antreiben und dadurch Strom erzeugen. Neuere Technologien, die ebenfalls die Wasserkraft als Ressource verwenden, sind die Wellen- und Gezeitenenergie.
Aufgrund der Reife des Marktes und der Zahl der Marktakteure konzentriert sich die Analyse auf die drei Stromerzeugungssysteme Solarenergie, Windkraft und Bioenergie. Obwohl sowohl die traditionelle Wasserkraft (z.B. in Norwegen) als auch die Geothermie (z.B. in Island) ebenfalls ausgereifte Technologien sind, weisen sie einige spezielle Merkmale auf, die eine Analyse erschweren. So werden Wasserkraft- und Geothermieprojekte fast ausschließlich von Energieversorgern durchgeführt, welche die Finanzierung über den internen Cashflow realisieren. Finanzinvestoren oder Fondsmodelle spielen in diesem Bereich praktisch keine Rolle. Die Wellen- und Gezeitenenergie hingegen befindet sich noch in einer frühen Entwicklungsphase und kann daher keinen verwertbaren Track Record vorweisen.
Nachfolgend sollen nun die Marktentwicklung dargestellt und die Fördermechanismen erläutert werden.
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