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(Fachbereiche): Architektur / Raumplanung Städteplanung

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Titel Das multikulturelle bauliche Erbe, Denkmalpflege und Wiederaufbau in Polen von 1944 bis 1956. 
Untertitel Die Beispiele Stettin und Lublin. 
AutorIn Julia Roos 
Seiten 136 Seiten 
Hochschule Bayerische Hochschule Deutschland 
Art der Arbeit Magisterarbeit 
Abgabe 2009 
Preis 48,00 EUR (inkl. MwSt.)
 
Bestellnummer 6014815 
Sprache Deutsch 
Medien  
Inhaltsangabe
Einleitung:

Seit der politischen Transformation in den Staaten des ehemaligen Ostblocks Ende der 1980er Jahre lässt sich dort ein Prozess beobachten, der in der Wissenschaft häufig mit Wiederentdeckung, Wiedergewinnung oder Rückkehr der Geschichte beziehungsweise der Erinnerung benannt wird. Die Veränderung des Geschichtsbewusstseins wird unter anderem an der Umbenennung von Straßen und Plätzen, dem Sturz und der Neuerrichtung von Denkmälern oder in den Rekonstruktionen alter Gebäude oder ganzer Stadtteile offensichtlich. Die einsetzende Rückgewinnung des lokalen historischen Erbes ist als Gegenbewegung zum kommunistischen Zentralismus und als Revision der Geschichtspropaganda zu verstehen, die die Vergangenheit politisch filterte. Der Historiker John Czaplicka betont, 'Heritage is a question of choice' und zeigt in seinen Untersuchungen, dass die postkommunistischen Staaten diese Wahl momentan neu treffen. So begann ein Hinterfragen der im Kommunismus propagierten nationalen Meistererzählungen, die über inszenierte Geschichtspolitik eine Stabilität des politischen Systems bewirken sollten. Dem im Sozialismus vorherrschenden 'romantisch - symbolischen Kanon' aus Schlagworten wie 'Vaterland, Solidarität, Leiden, Freiheit, Opfer' wird eine differenzierende und lokal divergierende Sicht auf die Geschichte einzelner Regionen entgegengesetzt. In Polen ging in Folge der Kriegswirrungen, durch Flucht, Vertreibung und Umsiedlung und dem starken Zentralismus des kommunistischen Systems ein regionales Bewusstsein verloren: Dialekte verschwanden, Geschichte wurde auf nationaler, nicht auf regionaler oder lokaler Ebene betrachtet. Die demokratische Wende fungierte als Öffnung einer Schleuse der Erinnerungen und führte zu einem Zusammenbruch festumrissener Geschichtsvorstellungen in der Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. In Polen fand im Zuge dessen neben einer Regionalisierung der Erinnerung auch eine Rückbesinnung auf die multiethnische Tradition des Landes statt, auf die Geschichte Polens als Vielvölkerreich, die in der zentralistischen Volksrepublik verneint wurde. Durch die Dezentralisierung und einer eintretenden Entfremdung von Warschau, findet seit 1989 eine historische Spurensuche nach Identität und Vergangenheit auf persönlicher, lokaler sowie regionaler Ebene statt, bei der ganz bewusst nach der Prägung Polens durch nationale und religiöse Minderheiten geforscht wird.

Vor allem in Nord- und Westgebieten Polens entstehen zahlreiche Initiativen, die sich mit der multiethnischen und multikonfessionellen Geschichte ihrer Region beschäftigen und diese der einst oktroyierten Zentralität und Gleichheit Polens entgegensetzen. Aber auch die polnisch-jüdische Geschichte rückt verstärkt ins Blickfeld der Forschung;eine Initiative, die das Erbe der Lubliner Juden erforscht, wird im Laufe der Arbeit näher vorgestellt.

Damit Geschichte wiederentdeckt werden kann, muss sie zunächst verloren gehen, verdrängt, überbaut, vergessen oder verschleiert werden. Dieser Prozess der 'Entfremdung von der eigenen Geschichte'fand in Polen während des Aufbaus des sozialistischen Systems in der Nachkriegszeit und verstärkt in Zeiten des Stalinismus statt, da die 'Installierung der kommunistischen Ordnung (...) eben darin [bestand], die sozialen, kulturellen und politischen Kontinuitäten mit der Vergangenheit gänzlich zu unterbrechen'. Zwar knüpfte die nationale Sicht auf die polnische Geschichte an Traditionen aus dem 19. Jahrhundert an und wurde auch nach dem politischen Tauwetter von 1956 weiter praktiziert, de facto war jedoch der Zeitraum vom Kriegsende in Polen 1944 / 1945 bis 1956 die Epoche der größten ideologischen Uminterpretation und Neuschreibung der polnischen Geschichte. In diesen zwölf Jahren erfolgte zudem der Wiederaufbau des kriegszerstörten Polens - so dass während dieser Zeitspanne einschneidende Eingriffe in die historisch geprägte Stadtstruktur und den Denkmalbestand Polens vollzogen wurden. Zwar veränderte der Siedlungsbau in Wohnvierteln am Stadtrand in den 1970er und 1980er Jahre am nachhaltigsten den städtischen Charakter im sozialistischen Raum. Die Frage nach dem Umgang mit dem multikulturellen Erbe, das sich in den historischen Zentren der Städte befand, war aber während der Wiederaufbauphase am präsentesten. Die Schaffung neuer oder die Vereinnahmung von historischen Identitäten hatte dazu geführt, dass die gewachsene Strukturen der Städte überbaut oder unliebsame Bauten, die als politische Symbole galten, vernachlässigt worden waren.

Die vorliegende Ausarbeitung stellt diesen Prozess der Überformung von historischen Strukturen von 1944 bis 1956, das heißt während der Phase der Machtübernahme und der Zeit des Stalinismus, heraus. Dadurch wird nachgezeichnet, ob - beziehungsweise wie - die Erinnerung an die Geschichte Polens als Vielvölkerstaat verloren gehen konnte - so dass heute ein Prozess der Wiederentdeckung eben dieser Geschichte angestoßen werden kann. Dabei legt sie einen Schwerpunkt auf das jüdische und das deutsche bauliche Erbe.

Die Ausarbeitung gliedert sich in drei große Abschnitte: Der erste Teil setzt sich allgemein mit den Rahmenbedingungen des Untersuchungszeitraums 1944 bis 1956 auseinander und kennzeichnet Merkmale der damaligen Wiederaufbaukonzeptionen, polnischer Geschichtspolitik und Denkmalpflege. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem deutschen Erbe in den Nord- und Westgebieten Polens und veranschaulicht dieses am Beispiel der Stadt Stettin. Im dritten Abschnitt wird das jüdische Erbe in den Ostgebieten vorgestellt und anhand des Beispiels Lublins der Umgang damit in der Volksrepublik herausgearbeitet.

Im ersten, einführenden Abschnitt, der von Kapitel 2 bis 6 reicht, wird zunächst die Entwicklung Polens von einem Vielvölkerstaat zu einem homogenen Nationalstaat nachgezeichnet, um zu klären, wie und weshalb sich im Polen der Nachkriegszeit die Frage nach dem Umgang mit dem multikulturellen baulichen Erbe stellte. Anschließend werden die Charakteristika der Zeit der Machtübernahme durch die Sozialisten benannt, wobei der Schwerpunkt auf den Widerständen und Schwierigkeiten, auf die diese dabei stießen, liegt. Diese bewirkten eine Instabilität des sozialistischen Polens in der direkten Nachkriegszeit, welche wiederum maßgeblichen Einfluss auf die sozialistische Geschichtspolitik und Propaganda nahm, die anschließend näher beleuchtet wird. Inwiefern sich die sozialistische Geschichtsanschauung in der Denkmalpflege widerspiegelte und inwieweit diese das multikulturelle Erbe unter ihren Schutz stellte, wird im darauffolgenden Gliederungspunkt herausgearbeitet. Überleitend zum Umgang mit dem deutschen Erbe wird auf die städtebauliche Konzeption der sozialistischen Stadt und den Grundsatz des nationalen Bauens eingegangen.

Einleitend zum Beispiel Stettin wird der Umgang mit dem deutschen Kulturerbe im Allgemeinen skizziert sowie das Verhältnis Polens zu Deutschland grundlegend thematisiert, um die Baumaßnahmen in Stettin in einen weitergefassten Kontext einzubetten. Für Stettin werden einführend die Rahmenbedingungen herausgestellt, anschließend die Brüche in der Stadtplanung und die Verdrängung des Deutschen aus dem städtischen Raum beleuchtet. Kontrastierend wird nach möglichen Kontinuitäten hinsichtlich des deutschen Baubestands und der deutschen Vorkriegsplanungen gefragt - um diese im Fazit mit den Brüchen innerhalb der Stadtplanungen abzugleichen, um so zu einem abschließenden Urteil zu gelangen.

Darauffolgend wird der Komplex des jüdischen Erbes durch Fragen nach der Definition der Ostjuden als Nation, deren Vernichtung durch die Nationalsozialisten und einer Skizze zum polnisch-jüdischen Verhältnis eingeleitet. Zur Bearbeitung des Beispiels Lublins werden zunächst die dortigen Siedlungsstrukturen, Kriegszerstörungen und Rahmenbedingungen des Wiederaufbaus vorgestellt. Danach werden - analog zu den Untersuchungen zu Stettin - zunächst die Brüche, anschließend die Kontinuitäten herausgefiltert, um erneut im Fazit ein abschließendes Urteil zu ziehen. In den Schlussbetrachtungen werden die beiden Ergebnisse miteinander abgeglichen, aktuelle erinnerungskulturelle Entwicklungen aufgezeigt und weiterführende Fragestellungen hinsichtlich einer Vertiefung der Thematik dieser Ausarbeitung entwickelt.

 
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