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Einleitung:
Bei Vorhaben, welche die Finanzkraft und die Risikobereitschaft eines Unternehmens übersteigen und trotzdem aus wirtschaftlicher Sicht sehr attraktiv sind, ergibt sich die Möglichkeit, die Chancen und Risiken auf mehrere Projektbeteiligte zu verteilen. Das Projekt selber kann dabei die Ansprüche der Kapitalgeber mit seinem Cashflow befriedigen. Diese beiden zentralen Ansätze- Cashflow-Orientierung und Risikoteilung zwischen den Projektbeteiligten- zeichnen eine Projektfinanzierung aus.
Bereits in der Antike setzte man Elemente der Projektfinanzierung zur Finanzierung von Handelsreisen ein. Die dafür benötigten Kredite wurden durch die Erlöse des Verkaufs der Waren getilgt. Im 17. Jahrhundert wurden die Handelsreisen nach Indien unter der Besonderheit finanziert, dass die Fremdkapitalgeber beim Verlust der Waren (z.B. Schiffbruch) auf ihre Ansprüche auf Rückzahlung des Kredits verzichteten. Somit verblieb das Risiko bei den Financiers. Der Begriff Projektfinanzierung hat sich seit Ende des letzten Jahrhunderts in den Bereichen der Infrastruktur und der Rohstoffförderung entwickelt. Das prominenteste Beispiel aus der jüngeren Geschichte ist die Errichtung des Suez-Kanals. Heute stellt die Projektfinanzierung weltweit ein branchenübergreifendes Finanzierungsinstrument dar.
Eine intelligente Bereitstellung und ein sparsamer Umgang mit der Energie stellen die Herausforderungen des 21. Jahrhundert dar. Heute wird Strom im Wesentlichen durch fossile Energieträger erzeugt. Der Anteil der Erneuerbaren Energien in Deutschland an der Stromerzeugung beträgt zurzeit etwa 15,0%. Damit die CO2-Emissionen reduziert werden können, was eines der zentralen Ziele der Energiepolitik ist, und der geplante Ausstieg aus der Kernenergie realisierbar wird, müssen die Erneuerbaren Energien mittel- bis langfristig eine wichtigere Rolle für die Energieversorgung übernehmen. Zum 1. Januar 2009 wurden das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EE-WärmeG) und die Neufassung des bewährten Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) verabschiedet. Somit hat sich die Bundesregierung als Ziel gesetzt, den Beitrag der erneuerbaren Energien zur Stromerzeugung bis 2020 auf mindestens 30% ansteigen zu lassen. Bis 2050 ist geplant, die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs durch Erneuerbare Energien bereitzustellen.
Während die Erneuerbaren Energiequellen wie Windenergie oder Biomasse langsam ihre Grenzen in Deutschland erreichen, erweist sich Solarenergie als die Energie mit den besten Zukunftspotenzialen. Die jährliche Sonneneinstrahlung reicht aus, um das 80-fache des Energieverbrauchs in Deutschland zu decken. Im Vergleich dazu beträgt der Anteil der Solarenergie zurzeit 1% an dem gesamten Stromverbrauch.
Seit etwa Mitte der neunziger Jahre wurde die Projektfinanzierung auch bei Vorhaben im Bereich von Erneuerbaren Energien angewendet. Die Solarkraftwerke zeichnen sich durch ein hohes Finanzierungsvolumen aus, das die einzelnen Unternehmen nicht aufbringen können oder wollen. Als Gründe dafür werden beispielsweise die finanzielle Situation der Unternehmen oder der Wunsch nach Risikostreuung genannt. Die Projektfinanzierung bietet sich dabei als eine gute Lösung an.
Nachdem man sich für die Projektfinanzierung als Finanzierungsvariante für ein Solarprojekt entschieden hat, stellt sich die Frage nach der geeigneten Finanzierungsstruktur und den geeigneten Finanzierungsinstrumenten. Im Rahmen dieser Diplomarbeit wird eine Übersicht der unterschiedlichen Finanzierungsinstrumente bei einer Projektfinanzierung für Solarkraftwerke vermittelt. Die einzelnen Finanzierungsinstrumente werden dabei bezogen auf die Solarkraftwerke dargestellt und eine Beurteilung der Vor- und Nachteile der jeweiligen Finanzierungsinstrumente ermittelt. Sie werden nach der rechtlichen Stellung der Kapitalgeber in Eigenkapital, Mezzanine-Kapital und Fremdkapital untergliedert. Zusätzlich werden innovative Finanzierungsinstrumente wie Asset-Backed Securities, Lease-and-sale-back und Derivate behandelt, wobei die Derivate hauptsächlich in ihrer Funktion als Absicherungsinstrument analysiert werden.
Durch eine kritische Betrachtung der spezifischen Charakteristika jedes einzelnen Finanzierungsinstruments versucht diese Diplomarbeit, Antwort auf die Frage zu geben, welche Finanzierungsinstrumente am besten für eine Projektfinanzierung für Solarkraftwerke geeignet sind.
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