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Einleitung:
Das Reisen ist zu einer der beliebtesten Beschäftigung der westlichen Zivilisation geworden. Nicht selten wird der Wohlstand eines Jahres an den Reiseaktivitäten des Einzelnen oder aber der Gesellschaft festgemacht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nur indirekt mit dem Reisen als solches, sondern vielmehr mit der Unterbringung des Reisenden, dem modernen Hotelwesen und hier insbesondere mit den Hotelketten und ihrer Rolle in der Stadtlandschaft.
Der Städtetourismus ist in den letzten Jahren vermehrt zu einem aufstrebenden und wichtigen Wirtschaftsfaktor für viele Städte geworden. Der Tourismus bietet für Städte und Regionen die Chance, Ihren Stellenwert national und international zu steigern und zu festigen. Der Beitrag der Tourismuswirtschaft und dessen direkter und indirekter Einfluss auf die unterschiedlichen lokalen und nationalen Bereiche der Volkswirtschaft ist so unterschiedlich wie vielfältig. Einer der Profiteure des steigenden Stellenwertes der Städte ist die Immobilien- und Beherbergungswirtschaft. Hierbei nimmt der Einfluss der Hotelketten im Beherbergungssegment in Deutschland immer mehr zu. Das Beherbergungsgewerbe hat sich den Wirtschaftsfaktor Tourismus zu Nutze gemacht, um neue Konzepte und Angebote zu entwickeln. Städte und Kommunen sind bestrebt, am steigenden Tourismusgeschäft zu profitieren und konkurrieren stärker gegeneinander.
Die Frage des Einflusses der Hotelketten auf die Stadt, die Stadtentwicklung sowie die Stadtentwicklungspolitik werden vielfältig diskutiert. Da dieses Untersuchungsfeld noch recht jung ist, werden Ursache und Wirkung in der räumlichen Entwicklung und Wahrnehmung sehr unterschiedlich bewertet.
Die Arbeit fügt sich in eine Reihe von anderen Arbeiten ein, die sich mit Hotels und Stadtökonomie im Zusammenhang mit Tourismus beschäftigen. Sie unterscheidet sich, indem sie auf die Interaktionen zwischen Hotelketten und Stadtentwicklung am Beispiel von Budgethotelketten in deutschen Metropolen eingeht.
Der Einfluss der Hotelketten und Markenhotellerie im Beherbergungssegment nimmt in Deutschland stetig zu. Das Beherbergungsgewerbe profitiert direkt vom Wirtschaftsfaktor Tourismus und entwickelt neue Konzepte und Angebote. Die Zahl der Gästeübernachtungen in Deutschland hat in den letzten 10 Jahren um ca. 13% zugenommen. Infolge der raschen Ausbreitung der Hotelgesellschaften und Hotelgruppen hat sich in den letzten Jahren die Beherbergungslandschaft stark verändert. Der Marktanteil der Markenhotellerie, besonders im Bettenbereich nimmt stetig zu und die Vorherrschaft der privat geführten Häuser schwindet allmählich. Diese neue Strategie der letzten 10 bis 15 Jahre hat wirtschaftlichen Erfolg und somit nimmt der Anteil der Hotelketten auf dem deutschen Markt rasant zu. Ein deutsches Beispiel für die Marktentwicklung der Hotelketten ist das Motel One, welches 1999 seine Marktpremiere hatte und 2010 schon 26 eigene Häuser unterhält.
Der bundesdeutsche Anteil der Markenhotellerie lag 2002 bereits bei 43%. Verglichen mit dem weit höheren Anteil der Markenhotellerie in den deutschen Großstädten ist das vergleichsweise gering. Touristisch bedeutende Destinationsstandorte sind für Gesellschaften in der Regel besonders attraktiv. Der Anteil der Markenhotellerie liegt z.B. in München, Hamburg und Berlin bei ca. 50%, in Frankfurt als Spitzenreiter bei ca. 74% und in den Städten wie Düsseldorf, Dresden und Leipzig bei über 60%, die Tendenz ist steigend.
Städtereisen nehmen jährlich über zehn Prozent zu und stellen damit einen bedeutenden Einflussfaktor für die Zunahme der Hotelketten dar. Auch andere Einflussfaktoren wie Billigfluglinien und Pauschalangebote verstärken den Trend zum Kurztrip in europäische Großstädte. Dies führt dazu, dass immer mehr Städte sich als Reisedestination verstehen und verstärkt gegeneinander in den Wettbewerb treten. Oft stehen hinter den Hotelgesellschaften nationale und internationale Kapitalgesellschaften mit größeren oder kleineren Immobilienportfolios. Dies erleichtert nicht unbedingt den Abwägungs- und Entscheidungsprozess der Stadtentwicklungspolitik. Städte nutzen und profitieren letztlich von den Marketingstrategien der Gesellschaften, da es ihnen zu Standortvorteilen verhelfen und stadträumlich benachteiligte Gebiete stärken kann. Die Entwicklung einer Stadt geht immer mit Innovationen Einzelner oder mehrere motivierter Personen oder Gesellschaften einher, die unterschiedliche Anliegen haben, sich in einem Agglomerationsraum zu manifestieren. Hierbei stellen Hotelgesellschaften in Deutschland heute die neuen Akteure der Stadtentwicklung dar.
Die Arbeit analysiert die Einflüsse und Bedeutung von Standort, Ökonomie, Tourismus und Gesellschaft auf den Beherbergungsmarkt. Darauf aufbauend sollen die Markt- und Produktstrategien der Hotelketten dargelegt werden. Im Mittelpunkt der Masterarbeit steht die Wirkung des wachsenden Marktes der Hotelketten auf die Stadtentwicklung und die stadtplanerischen Instrumente.
Das Budgethotel, die am schnellst wachsende Markenhotellerie, platziert sich mehr und mehr an strategisch günstigen Standorten. Deren Einfluss wirkt sich somit auf die stadträumliche Konkurrenz aus und birgt Gefahren nach dem Verdrängungsprinzip. Das Drängen der Budgethotels in stadträumlich übergeordnete Gebiete fördert eine nachfrageorientierte Stadtentwicklung.
Die Arbeit setzt sich im Spannungsfeld konkurrierender Städte mit den Instrumenten der Stadtentwicklung auseinander die durch die Internationalisierung und Filialisierung des Beherbergungsgewerbes mehr reaktiv als strategisch verwendet werden.
Die vorliegende Arbeit fokussiert sich ausschließlich auf den städtischen Hotelmarkt in Deutschland, hier im Besonderen die Marken-Kettenhotellerie in deutschen Großstädten. Auf Ferien- und Kurhotels in Fremdenverkehrs- und Erholungsorten wird nicht eingegangen.
Schritt 1:
In einem ersten Schritt sollen die relevanten Zusammenhänge zwischen Tourismus, Beherbergung und Hotellerie sowie die Einflüsse auf die Beherbergung bzw. die Hotelketten und deren Erfolg dargestellt werden. Ebenso werden die Markt- und Produktstrategien der Hotelketten und deren Einflussfaktoren für die Wertschöpfung der Stadt- und Regionalentwicklung erörtert. Die diversen Spielarten des Tourismus im Zusammenhang mit dem Erfolg der Hotelketten in der Stadt haben für diese Arbeit einen eher untergeordneten Stellenwert, werden aber zur besseren Verdeutlichung der Komplexität des Themas mit behandelt.
Schritt 2:
Im Kapitel Nr. 4 wird auf die Aufgabenfelder und Handlungsoptionen der Stadtentwicklung eingegangen. Hierbei werden auch die verschiedenen Aktivitäten der Stadtentwicklung und -planung aufgezeigt, die zur Hotelansiedlung beigetragen. Es werden die formellen und informellen Instrumente und Methoden der Stadtentwicklung dargelegt, um deren Zusammenhänge und Wirkungen in Verbindung mit dem Beherbergungsgewerbe aufzuzeigen. Hierbei geht es darum, wie in der Stadt- und Regionalentwicklungspolitik mit der Entwicklung im Beherbergungsgewerbe umgegangen wird. Die These, dass informelle oder strategische Instrumente der Stadtentwicklung mehr Einfluss nehmen könnten, um zum Beispiel Budget- oder Luxusherbergen anzusiedeln, wird hier näher diskutiert.
Schritt 3:
Im dritten Schritt werden die Sekundärdaten der untersuchten Städte und Hotelgesellschaften verwendet, um mittels einer Netz- und Organisationsstruktur aufzuzeigen nach welchem Muster sich in den unterschiedlichen Städten z.B. Budgethotels ansiedeln. Es soll an einzelnen ausgesuchten Beispielen der direkte stadträumliche Einfluss der Hotelketten aufgezeigt werden. Hierbei ist es wichtig, die Untersuchungsergebnisse und deren Zusammenhänge im Bezug auf die Fragestellung zu beachten.
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