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Einleitung:
Anlass, der Arbeit war der Wunsch nach eindeutiger und selbstständiger Position in der fachspezifischen Diskussion aktueller Landschaftsarchitektur. Zu einfach und zu klar scheinen mir Positionen von Reduktion, zu schön wirken Gestaltungsansätze neo -harmonischer Mensch und Naturbeziehungen. Die zentrale Kritik der Arbeit richtet sich gegen die nicht in ausreichendem Maße reflektierten Gegensätze von Mensch und Natur . Die Ausseiterposition in der Diskussion fern ab wirtschaftlicher Abhängigkeit kann dabei für mich nur von Vorteil sein. Wahre "Neue Einfachheit" kann es nicht geben; die Komplexität der modernen Welt kann sich nur in vielschichtigen, divergierenden Vorstellungen von Form, Komposition, sowie von menschlichen Kultur- und Naturkreisläufen ,darstellen.
Ästhetik ist die klassische Reflexion des Schönen und anlässlich gegenwärtigem Ästhetik-Boom ein zentrales Thema auch in der Landschaftsarchitektur. Ästhetisierungen im urbanen wie auch ländlichen Raum, so gut wie alles wurde in den letzten Jahren einem Facelifting unterzogen. Im Augenblick höchster ökologischer Labilität, sozialer Brüche und globaler Morbidität gelangt die Ästhetisierung zur prächtigen Blüte. Es reicht von individueller Stilisierung über Stadtgestaltung und die Ökonomie bis zur Theorie. Immer mehr Elemente in der Wirklichkeit werden ästhetisch überformt, und zunehmend gilt uns Wirklichkeit im ganzen als ästhetisches Konstrukt; Unwirkliches ist von Wirklichem kaum zu differenzieren. Ästhetik als Verblendung, der universale Schein des Schönen und der narzißtische Glamour des Ich-Outfits, die sachlich ästhetische Überformung der Städte, kurz die Überlagerung der Realität mit ästhetischen Verblendungen, ist historisch gesehen kein neues Phänomen. Immer wieder neu aber doch anders erleichert Traum und Schein der Ästhetik in der Geschichte Leben und Wirklichkeit der Menschen. Allerdings erreicht in diesem Fall die unmittelbare Verknüpfung mit der Lebensgrundlage des Menschen - Natur - eine nie geahnte Dimension. Mit der Entfremdung des Menschen von Natur und Naturkreisläufen ging eine Ästhetik voran, die Wirklichkeit im 21. Jahrhundert bis zur Perfektion ausgeblendet hat. Insofern ist die Verblendung fast Ausblendung wenn nicht sogar Überblendung. Archetypische Wünsche und Träume der Menschen werden als produkthafte und ästhetisierte Visionen kaufbar - einer Ästhetisierung der Dinge folgt gleichzeitig immer einer Verdeckung. Traditionell war es Macht oder Einfluß - in diesem Fall sind es zerstörte Romantiken, zerstörte Räume der Natur , zerstörter Visionen von harmonischem Mensch - Naturverhältnis. Trotz kräftiger Bemühungen , zahlreicher kaufbarer Träume, scheint eine Überblendung nicht nachhaltig zufrieden zu stellen. Notwendig ist, so scheint es, der Wiedergewinn und der Ausbau der Naturästhetik. Die ökologischen Krisen zeigen heute auch die Grenze einer reparativen Ökosystemforschung an, in welcher genau der Typ von Technik das ökologische Problem lösen soll, dessen Ursache er ist.
Es geht darum, einen Sinn dafür zu wecken, daß sich die High Tech-Kultur ausruht auf der jahrhundertemillionenlange Arbeit der Naturgeschichte, die wir nicht gemacht haben. Insofern gilt es sich auch in ihr zu orientieren. Also anzuerkennen, daß die konstruktiven Entwürfe unter Bedingungen des Nicht Konstruktiven stehen - das heißt aber auch die Zerbrechlichkeit und die Vergänglichkeit als die unaufhebbaren Momente unseres Lebens auf dieser Erde hinnehmen zu lernen. Darum gehört nicht nur die Frage , welche Natur wir zu bewahren haben, sondern welches die Gestalt der "zweiten Natur" sein soll, zu den Erkundungsfeldern der Naturästhetik.
Um für mich ausreichend über Ästhetik in der Verbindung mit Landschaftsarchitektur und ihren Visionen und Aufgaben zu reflektieren, folgt eine patchworkartige Aufreihung der damit zusammenhängend -scheinenden Themen. Gedacht ist sicherlich ein Folgen der Gedanken von Anfang bis Ende - Definitionen, Positionen , ihre raumartigen Verwirklichungen sowie gedankliche Ausblicke - möglich ist aber auch das Interesse für nur ein Schlagwort und seiner räumlichen Verwirklichung.
Inhaltsverzeichnis:
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