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Einleitung:
Der Freizeitsektor hat in den letzten Jahrzehnten seine residuale Stellung gegenüber der Arbeit verloren und ist für viele Menschen zu einem zentralen Lebensbereich geworden. Als Folge dieser Entwicklung haben sich Freizeitnachfrage und Freizeitangebot deutlich verändert, wie auch das Niveau, mit dem Räume der Freizeitverbringung bewertet und in Anspruch genommen werden.
Freizeit ist ein wichtiger weicher Standortfaktor und gewinnt bei Standort- und Wohnortentscheidungen von Unternehmen und Menschen an Bedeutung. Vor diesem Hintergrund hat sich der kommunale Freizeitwert in der Stadtentwicklungspolitik inhaltlich verändert und eine image- und marketingorientierte Komponente bekommen. Er wurde zu einem wichtigen Indikator für die Lebensqualität und die Attraktivität eines Raumes. In dieser Studie wird am Beispiel der Innenstadt von Pforzheim analysiert, ob und in welchem Maße Freizeitaktivitäten und -angebote zur Belebung von Innenstädten beitragen können.
Die Veränderungen in den Freizeitverhaltensweisen haben entscheidende Berührungspunkte mit der Herausbildung neuer Wertorientierungen in der Gesellschaft. Werte steuern indirekt die Bedürfnisse, Formen und Inhalte der Freizeitgestaltung und können daher als Erklärungsgrößen für die Veränderungen im Freizeit- und Konsumbereich herangezogen werden. Die in den letzten Jahrzehnten zu beobachtenden Entwicklungen im Wertesystem weisen in Richtung Selbstentfaltung, Genuss, Individualismus und führen zu einer Vielzahl von individuellen Wertekombinationen.
Dieser Wertepluralismus führte in Zusammenhang mit wirtschaftlichen und technologischen Veränderungen zu einer Pluralisierung der Lebensstile. Traditionelle Segmentierungsmodelle wie Schichten oder Klassen, und die zugrundeliegenden Variablen wie Beruf, Einkommen, Alter und Haushaltsform, reichen nicht mehr aus, um die Etablierung moderner Lebensstile differenziert erklären zu können. Komplexere Erklärungsansätze werden erforderlich, die auch subjektive Faktoren wie Freizeit- und Konsumverhaltensweisen berücksichtigen.
Im konzeptionellen Teil dieser Arbeit werden die Veränderungen in der Freizeitnachfrage und im Freizeitangebot anhand einiger Einflussfaktoren und Indikatoren charakterisiert.
Gang der Untersuchung:
Die empirische Analyse besteht aus zwei Teilen. In der Bürgerbefragung wurden 184 Passanten (0,16 Prozent der Einwohnerschaft Pforzheims) erfasst. Die Stichprobe entspricht in etwa der alters- und haushaltsstrukturellen Zusammensetzung der Stadt Pforzheim. In Gesprächen mit lokalen Entscheidungsträgern wurden weiterführende Erkenntnisse und Informationen gewonnen. Angesprochen wurde ein möglichst breites Spektrum von Akteursgruppen aus den Bereichen Stadtverwaltung, Einzelhandel, Gastronomie, Stadt- und City Marketing, Ehrenamt, Freizeit und Kultur.
Die Innenstadt von Pforzheim wird als bedeutender Freizeitstandort wahrgenommen. Sie ist der wichtigste Standort für außerhäusliche Freizeitaktivitäten. Deutlich mehr als die Hälfte aller Gänge in die Innenstadt erfolgen in der Freizeit.
Dennoch sieht sich die Innenstadt einigen Problemen gegenüber, die ihren Freizeit- und Erlebniswert deutlich mindern. Einige Freizeitangebotsbereiche werden vorwiegend an dezentralen Standorten nachgefragt. Defizite liegen in bestimmten Angebotssegmenten des Einzelhandels und der (Außen-) Gastronomie. Auf bestimmte Altersgruppen und Lebensstile ausgerichtete Angebote sind nur in Ansätzen zu erkennen. Händler und Gastronomen partizipieren zu wenig an Veranstaltungen und scheuen neue, erlebnisorientierte Vermarktungsstrategien.
Wichtiger Handlungsbedarf liegt in Pforzheim im Bereich der Erlebnisattraktivität. Obwohl sich die vermutete Freizeit- und Erlebnisorientierung in Pforzheim prinzipiell nachweisen lässt, bietet die Innenstadt zu wenige Ansatzpunkte für einen Erlebnisaufenthalt. Eine intensivere Nutzung der naturräumlichen Potenziale, insbesondere der Lage an den Enz- und Nagoldufern, ist zu empfehlen. Ebenso eine Aufwertung der öffentlichen Plätze. Die geplante Umgestaltung des Marktplatzes ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Große Chancen zur Stärkung des Standorts Innenstadt bieten der Neubau der Stadtbibliothek am Marktplatz sowie das Einzelhandels- und Dienstleistungszentrum "Bohnenberger Schlössle", das in den nächsten Jahren in zentraler Lage realisiert werden soll. Das Projektvorhaben kann sich zu einem enorm wichtigen Frequenzbringer entwickeln und die Kaufkraftabschöpfung inner- und außerhalb des Stadtgebietes deutlich erhöhen. Empfehlungen für die bisher ungeklärte Ausgestaltung des Angebotsmixes, die von wegweisender Bedeutung für die zu-künftige Entwicklung des Einzelhandelsstandortes Innenstadt ist, werden in dieser Arbeit gegeben.
Inhaltsverzeichnis:
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