|
Einleitung:
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das bisher noch weitgehend unerforschte Themengebiet der gated communities hinsichtlich ihrer Entstehung, Entwicklung und Verbreitung schwerpunktmäßig in den USA und in Südfrankreich. Anhand einer theoretischen Einführung in die Begrifflichkeit der Urbanität und Suburbanisierung sowie der Darstellung amerikanischer Stadtgeschichte gibt sie zunächst Aufschluss darüber, weshalb dieses städtebauliche Phänomen entstanden ist und wie es zu seiner internationalen Ausbreitung kam.
Im zweiten Teil der Arbeit wird Südfrankreich, insbesondere die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur hinsichtlich der Gestalt und Verbreitung von gated communities bzw. der sogenannten ensembles résidentiels clos im Fokus der Untersuchung sein.
Im Anschluss an eine Vergleichsbetrachtung zwischen der französischen und amerikanischen Form von gated communities erhält der Leser einen Ausblick über Weiterentwicklungspotentiale jener Wohnform sowie daraus ableitbare Trends für Südfrankreich und Deutschland.
Problemstellung:
In den vergangenen 15 Jahren hat der Boom der umzäunten Wohngebiete in den USA nicht nur zu einer massiven Veränderung der amerikanischen Stadtlandschaft beigetragen, sondern damit einhergehend auch zur Entstehung einer neuen, suburbanen Gesellschaft, die sich bewusst von der Stadt, d.h. Öffentlichkeit, abzugrenzen sucht.
Aufgrund der qualitativ immer schlechter gewordenen öffentlichen Dienstleistungen in vielen Städten der USA hat sich im Zuge der Entstehung von gated communities eine alternative, private Form der lokalen Regierung etabliert, welche die öffentlichen Kommunen in ihrer Funktion bereits vielfach substituiert.
Im Hinblick auf diese fundamentalen Veränderungen ist es erstaunlich, dass die Thematik der geschlossenen Wohnkomplexe bisher in nur sehr geringem Umfang Gegenstand der Forschung war. Erst seit wenigen Jahren werden einige Studien durchgeführt, die sich mit gated communities im Hinblick auf die Segregation der Gesellschaft und der damit verbundenen Fragmentation der Stadt beschäftigen.
Da gated communities somit eine noch weitgehend unerforschte städtebauliche Erscheinung und damit ein sehr komplexes Themengebiet sind, ist es Intention der Autorin dieser Diplomarbeit, jene Problematik entgegen der vielfach negativen medialen Kritik auf wissenschaftliche Weise hinsichtlich der Entstehung privater Wohnkomplexe, ihrer physischen und funktionalen Charakteristika sowie der weltweiten Verbreitung zu untersuchen.
Gated communities sind also eine internationale Entwicklung, deren Ursprung jedoch in den USA zu finden ist. Daher werden zunächst die Stadtgeschichte der vereinigten Staaten und die daraus resultierenden Gründe für das Aufkommen von gated communities im Fokus der Arbeit sein. Im Anschluss wird das Phänomen aus internationaler Perspektive, jedoch mit Schwerpunkt auf Südfrankreich beleuchtet. Des weiteren wird auch Deutschland hinsichtlich aktueller Trends der hier behandelten Wohnform für kurze Zeit im Mittelpunkt stehen.
Die Untersuchung zielt nicht darauf ab, der allgemeinen medialen Kritik an der Existenz von gated communities Folge zu leisten, sondern ihre Entstehung, Entwicklung und heutige Situation nachvollziehbar anhand eigener Recherchen, statistischer Daten sowie der verfügbaren relevanten Literatur darzulegen.
Darüber hinaus ist es Ziel, einen Vergleich zwischen der Erscheinungsform amerikanischer und französischer gated communities zu ziehen, indem Konvergenzen und Unterschiede herausgearbeitet werden.
Gang der Untersuchung:
Die vorliegende Arbeit gliedert sich offensichtlich in zwei Teile. Da das Thema gated communities in direktem Zusammenhang mit Stadtentwicklung und Stadtplanung steht, erfolgt zunächst eine theoretische Einführung in die Begrifflichkeit von Urbanität und Suburbanisierung, welche die Verständnisgrundlage für das Aufkommen und die Entwicklung von gated communities in den USA sowie ihre Typologie anhand der amerikanischen Stadtgeschichte schaffen soll.
Darüber hinaus sind gated communities ein sozialpolitisches Phänomen, welches großen Einfluss auf die Segregation und Polarisierung der Gesellschaft ausübt. Um den Leser für diese Thematik zu sensibilisieren, werden im Zusammenhang mit der Begrifflichkeit der Stadtentwicklung auch Grundlagen hierzu erläutert.
Darauf aufbauend erfolgt eine Darstellung der internationalen Verbreitung von gated communities anhand ausgewählter Länder, wobei hier insbesondere Projekte in Deutschland fokussiert werden.
Im Anschluss daran behandelt der zweite Teil der Arbeit die Ausbreitung geschlossener Wohnkomplexe in Südfrankreich (ensembles résidentiels clos), mit besonderem Augenmerk auf die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur. Die Wohnanlagen werden anhand ausgewählter Kriterien analysiert und klassifiziert, wodurch die unterschiedliche Zielgruppenausrichtung besonders deutlich wird.
Nach Ausarbeitung von Konvergenzen und Divergenzen zwischen französischen ensembles résidentiels clos und ihren amerikanischen Originalen wird schließlich ein Ausblick über Entwicklungspotentiale des städtebaulichen Trends sowohl für Südfrankreich als auch für Deutschland gegeben.
Die Autorin möchte zu Beginn darauf hinweisen, dass eine konkrete Abgrenzung von gated communities zu öffentlichen Wohnsiedlungen der gehobeneren Klasse nicht immer eindeutig möglich ist, d.h. es liegt oft in der Entscheidung des Betrachters, wann genau es sich um eine gated community handelt. Daher werden in dieser Arbeit nur jene Wohnanlagen berücksichtigt, die eindeutig anhand der später definierten Kriterien für gated communities als solche identifiziert werden können. Unberücksichtigt bleiben jene, die keine physischen Zugangsbeschränkungen aufweisen und die lediglich als Feriendomizile, also nicht permanent genutzt werden.
Inhaltsverzeichnis:
|