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Einleitung:
Das einleitende Kapitel beschreibt die Hintergründe und Absichten dieser Arbeit. Gegenstand und Zielsetzung werden definiert, Leitfragen, die im Zentrum des Forschungsinteresses stehen, formuliert, sowie die Methodik vorgestellt. Ein Schaubild (Abb. 1) am Ende des Kapitels veranschaulicht den Aufbau und die Vorgehensweise der Arbeit.
Problemstellung:
Die Begriffe "Region" und "regionale Kooperation" besitzen im aktuellen wissenschaftlichen Diskurs um moderne Kommunalorganisationen in Ballungsräumen einen hohen Stellenwert. Es wird diskutiert über neue Organisationsformen stadtregionaler Zusammenarbeit, Verwaltungsreformen auf regionaler Ebene und es geht vielfach um die Frage, inwieweit "harte" Kooperationsstrukturen für die regionale Entwicklung erforderlich sind. Die Gründe für Kooperation sind in einer ersten Annäherung:
Die politisch-ökonomische Dynamik weltweiter Arbeitsteilung - bekannt unter dem Schlagwort der Globalisierung - führt zu einer partiellen Entgrenzung und Enträumlichung. Politisch-administrative Grenzen verlieren an Bedeutung, weil der Produktionsfaktor Kapital weltweit mobil und einsetzbar ist und neue Kommunikationstechnologien ("technischer Fortschritt") zu einer zunehmend international werdenden Verflechtung der Wirtschaftsbeziehungen führen.
Im Zuge des verschärften globalen bzw. europäischen Standortwettbewerbs wird immer deutlicher, dass nicht einzelne Städte, sondern nur größere Regionen die hinreichenden Bezugsräume für wirtschaftliche Entwicklung sind. Suburbanisierungsprozesse von Bevölkerung und Gewerbe, anhaltende Flächenknappheit in den (Kern-)Städten und durch Pendlerverflechtungen ausgelöste Engpässe im Verkehrsbereich stellen bestehende Organisationen stadtregionaler Kooperationen in Frage und ziehen interkommunale Kooperation auf regionaler Basis als zukünftige Strategie nach sich.
Eine sich dramatisch verschlechternde Finanzsituation kommunaler Haushalte betrifft sowohl die Kernstädte als auch die Gebietskörperschaften im eher ländlichen Raum. Großstädte sind vor allem von sozialen Segregationstendenzen und damit einhergehende hohe Kosten im Sozialhilfebereich betroffen. Sie halten zentralörtliche Infrastruktureinrichtungen vor, an denen sich das Umland meist finanziell nicht beteiligt. Da sich der Staat mehr und mehr aus der sozialen Verpflichtung zurückzieht, sind kleinere Gemeinden und Städte in ihren Handlungsspielräumen eingeschränkt und nicht in der Lage, die ihnen obliegenden Aufgaben zu erfüllen.
Aus diesen Überlegungen heraus ist das zunehmende Interesse an regionalen Kooperationen und deren Funktionsweise zu erklären und es stellt sich die Frage nach einer angemessenen politisch-administrativen Steuerung von Stadtregionen, die dem neuen Verhältnis von Stadt und Umland gerecht wird.
Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet die "Region Hannover". Sie ist Gegenstand der vorliegenden Arbeit. Ziel ist es, anhand dieser in Deutschland in ihrem Institutionalisierungsgrad einmaligen Form der regionalen Zusammenarbeit Funktionsweisen, Kooperationsstrukturen und Schwachpunkte zu ermitteln.
Darauf aufbauend sind Handlungsempfehlungen aufzuzeigen, die für den Raumtyp der Stadtregion gelten. Verdichtungsräume sind Veränderungen und Herausforderungen ausgesetzt, die über bestehende administrative Strukturen und Grenzen hinausreichen. Lösungsansatz für den Großraum Hannover ist die Schaffung einer regional verfassten Gebietskörperschaft, die eine neue Dimension im niedersächsischen Verwaltungsaufbau darstellt.
Im Zentrum dieser Ausarbeitung stehen die folgenden Leitfragen:
Inwieweit ist die Bildung einer regionalen Gebietskörperschaft für die Bewältigung der Stadt-Umland-Problematik und die Entwicklung einer Region förderlich?
Welche Aufgaben werden vor dem Hintergrund einer kommunal verfassten Gebietskörperschaft auf regionaler Ebene wahrgenommen?
Wie ist die Finanzierung zwischen Kernstadt und Umland ausgestaltet?
Ist mit Schaffung eines Regionalkreises die Kooperationsbereitschaft/-fähigkeit bei den einzelnen Akteuren gestiegen?
Ist grundsätzlich eine institutionelle Neuordnung in Verdichtungsräumen zukunftsträchtig und lassen sich allgemeingültige Kriterien für andere Regionen ableiten?
Bei der Bewertung der interkommunalen Kooperation in der "Region Hannover" und bezogen auf den regionalen Entwicklungsprozess ist dem zweieinhalbjährigen Bestehen (Zeitpunkt der Interviews) in den weiteren Ausführungen der Arbeit Rechnung zu tragen. Aufgrund des kurzen Wirkungszeitraums seit 1.11.2001 kann nicht der Anspruch einer systematischen Evaluierung dieser regionalen Organisation erhoben werden.
Gang der Untersuchung:
Der Anwendungsbezug der Zielsetzung führt dazu, dass neben einem theoretischen auch ein empirischer Zugang gewählt wird. Der theoretische Ansatz beinhaltet die Auswertung der Literatur. Für den Untersuchungsraum stellt die Auswertung umfangreicher "grauer" Literatur einen wichtigen Bestandteil dar. Es handelt sich dabei um Veröffentlichungen, Positionspapiere und Gutachten des früheren Großraumverbandes bzw. Kommunalverbandes und um Artikel aus der regionalen Tagespresse.
Der empirische Zugang wird über die Methode offener leitfadengestützter Interviews (qualitative Erhebungsmethode) mit Experten aus der Region gesucht, um Positionen und das jeweilige Gewicht der einzelnen Akteure herauszuarbeiten. Vorteile ergeben sich dadurch, dass neue Aspekte, die nicht im Leitfaden erscheinen, aufgenommen werden und in die Arbeit einfließen können. Einschränkungen hinsichtlich der ausführlichen Beantwortung in bestimmten Bereichen sind aufgrund zeitlicher Vorgaben und unterschiedlicher Gesprächsverläufe zu konstatieren.
Inhaltsverzeichnis:
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