Fernstudium
Im Fernstudium kannst du von zu Hause aus studieren! | Foto: Thinkstock/gpointstudio
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01. Sep 2017

Sophia Bosold

Uni-Orga

Fernstudium – eine gute Alternative?

Fernstudium oder Präsenzstudium?

Ein Fernstudium ähnelt einem "normalen" Präsenzstudium in vielen Punkten. Die wesentlichen Unterschiede bestehen darin, dass die Studierenden selbst wählen können, ob sie in Voll- oder Teilzeit studieren und vor allem, wo sie studieren. Anders als bei einem Präsenzstudium erhalten die Studierenden im Fernstudium alle notwendigen und prüfungsrelevanten Materialien nach Hause und können sich die Zeit beim Lernen komplett selbst einteilen. Der Besuch von Vorlesungen ist dabei nicht notwendig.

Trotzdem müssen in bestimmten Zeitabschnitten immer wieder Leistungsnachweise oder Prüfungsleistungen erbracht werden. Die Inhalte – und hinterher auch der akademische Titel – sind nämlich in beiden Studienarten die gleichen. Dabei kann es allerdings auch im Fernstudium passieren, dass man Prüfungen an der Hochschule selbst oder an vorbestimmten Orten, wie Studienzentren, ablegen muss. Diese Ortsvorgaben kommen zwar relativ selten vor, trotzdem sollte man sie im Hinterkopf behalten. Oft sind diese Termine aber auch flexibel oder individuell planbar.

Generell kommt es auf den Anbieter an, wann man in ein Studium einsteigen kann. Im privaten Bereich ist dies oft jederzeit möglich. Teilweise unterscheiden sich die Zeiten für die Einschreibung aber auch je nach Studiengang. Die einzige staatliche Fernuniversität Deutschlands in Hagen hat feste Fristen, die eingehalten werden müssen. So kann man sich zum kommenden Sommersemester jedes Jahr vom 01.12. bis zum 31.01. einschreiben und zum Wintersemester immer vom 01.06. bis zum 31.07.

Pro und Contra Fernstudium

Das Fernstudium bietet viele Vorteile gegenüber dem Präsenzstudium, hat aber auch einige Nachteile. Außer einem Internetanschluss braucht man nichts, um so ein Fernstudium erfolgreich absolvieren zu können. Das Studiumsmaterial ist meist multimedial und abwechslungsreich und kann vom Studierenden überall, immer und im eigenen Tempo konsumiert und bearbeitet werden. Oft wird ein Abschluss im Fernstudium vom potentiellen Arbeitgeber hoch angesehen, weil es dem Bewerber positive Eigenschaften wie Zeitmanagement, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit zuschreibt. Bei privaten Anbietern ist es manchmal sogar möglich, bestimmte Studiengänge ohne Abitur zu studieren. Diese Anbieter sind allerdings sehr teuer. Für den ein oder anderen könnten diese Kosten natürlich zusätzlich motivierend wirken.

Klingt soweit erstmal alles gut. Bevor man sich für ein Fernstudium entscheidet, sollten aber auch die Schattenseiten betrachtet werden. Für die meisten Studierenden ist besonders das allseits bekannte Studentenleben reizvoll. Neue Leute kennenlernen, Partys – und nebenbei studieren. Das sieht im Fernstudium leider anders aus. Aber Zeit hätten die meisten Fernstudenten dafür eh nicht. Der bereits vorhanden Arbeitsalltag oder die Verantwortung für Kinder schränken die Freizeit in Kombination mit dem Lernen extrem ein. Darüber sollte sich jeder im Klaren sein.

Wegen diesen zeitlichen Engpässen kann das Fernstudium auch länger dauern als ein Präsenzstudium – und wird somit auch teurer. Das heute immer wichtiger werdende Netzwerken gestaltet sich bei einem Fernstudium ebenfalls schwierig. Zudem findet der Kontakt zu Kommilitonen meist nur online statt und dreht sich dann eher um fachliche als private Themen.

Bezüglich der Kosten sollte man sich im Vorfeld gut informieren, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Fernuniversität in Hagen ist als staatliche Hochschule die günstigste. Die Kosten belaufen sich pro Semester auf ca. 300 Euro, so wie bei einem Präsenzstudium. Natürlich weichen die Preise in den verschiedenen Fachrichtungen etwas ab. Ein Fernstudium bei einem privaten Anbieter kann fast zehnmal teurer werden. Bei ILS kosten die verschiedenen Studiengänge zwischen insgesamt 12.000 und 17.000 Euro. Andere Anbieter informieren erst nach einer unverbindlichen Anmeldung über die Studienkosten. Eine detaillierte Recherche und ein Preisvergleich sollten also vor Studiumsbeginn unbedingt durchgeführt werden.

Hohe Abbruchquoten – was können Gründe sein?

Diese Nachteile sorgen dafür, dass die Abbruchquote im Fernstudium relativ hoch ist. Bei einem Blick auf die Website der Fernuniversität Hagen findet man verschiedene Statistiken und Tabellen mit konkreten Zahlen zu bestandenen Abschlussprüfungen und Studierenden. Zu den Abbruchquoten gibt es keine öffentlichen Zahlen. Allerdings wird nach etwas Jonglieren mit den vorhandenen Daten schnell deutlich, dass die Abbruchquote hoch sein muss. Seit es etwa das Fernstudium in Psychologie gibt, haben 2.223 Studierende in dieser Fachrichtung einen Bachelor of Science erreicht. Die Studierendenanzahl befand sich allein 2013 allerdings auf einen Hochstand von 15.061 Studierenden.

Maria Große-BleyEine von diesen Studierenden ist Maria Große-Bley. Noch ist sie für Psychologie eingeschrieben. Aber jetzt bricht sie ihr Studium ab. Anfangs lief es gut. Sie hat in ihrem Teilzeitstudium pro Tag eine Stunde gelernt, auch die Kosten konnte sie gut stemmen. Das System der Hochschule sagt ihr bis heute zu. Die verschiedenen Internetforen haben ihr immer die Möglichkeit zu einem guten Austausch mit Kommilitonen und Dozenten gegeben. Auch ein verpflichtendes Programm, welches immer zwei Studierende zu "Buddys" macht, hat ihr gefallen. Diese zwei zugeordneten Studierenden sollten Aufgaben zusammen erledigen und auch als Ansprechpartner für den jeweils anderen fungieren. Später wurden mehrere Buddy-Pärchen zusammengelegt und aus Zweier-Teams wurde Gruppenarbeit. Deswegen würde Maria ein Fernstudium an sich jederzeit weiterempfehlen. Generell sei so ein Modell allerdings nur etwas für Menschen mit einer hohen Selbstdisziplin. Auch sie hätte vermutlich mehr als eine Stunde am Tag investieren müssen, um erfolgreich zu sein. Für Maria war nach ihrer abgeschlossenen Ausbildung zur Hotelfachfrau der Kinderwunsch zudem irgendwann größer, als der Traum von einem abgeschlossenen Psychologiestudium. Heute hat sie einen Job und ist mehr als zufrieden. Ihre Entscheidung, das Fernstudium abzubrechen, ändert daran nichts.

Deine Zukunft ist keine Pauschal-Lösung

Fakt ist, jeder muss seinen eigenen Weg gehen. Und ob man dabei ein "normales" Studium, ein Fernstudium, eine Ausbildung oder sonst was macht, das ist jedem selbst überlassen. Dafür gibt es keine Pauschallösung.

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