Martin Schulz Meme
Gar nicht mehr so mega? Martin Schulz | Screenshot: Youtube/Schulzenbrothers
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16. Mai 2017

Alexander Lemonakis

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Das Phänomen Martin Schulz – Hype oder Absturz?

Der Hype um Martin Schulz

In den deutschen Medien gab es in den letzten Wochen und Monaten nur noch ein Thema: Martin Schulz. Die Begriffe "Schulz-Zug", "Schulz-Hype" und "Schulz-Effekt" haben alle Chancen auf den Titel "Wort des Jahres". In den Wochen und Monaten nach der Ernennung von Schulz zum Spitzenkandidaten für die anstehende Bundestagswahl, erlebte die SPD einen regelrechten Rausch und verzeichnete mehr als 17.000 Parteieintritte innerhalb kürzester Zeit.

Ein Umfragehoch folgte auf das nächste und im Frühjahr waren die SPD und Schulz in vielen Umfragen gleichauf mit der Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Teilweise lag die älteste noch bestehende Partei Deutschlands sogar knapp vorn und erreichte Werte um die 30 Prozent. Der neue Parteichef und Kanzlerkandidat galt als der Hoffnungsträger – und doch scheint der SPD jetzt die Luft im Wahlkampf auszugehen und der Hype um Martin Schulz schon wieder vorbei.



Wofür steht Martin Schulz?

Martin Schulz hat ein großes Thema: Soziale Gerechtigkeit. Zudem ist er ein überzeugter Europäer. Bei vielen Alt- und Neumitgliedern lösten allein diese beiden Tatsachen große Euphorie aus und man spürte einen Aufbruch in der Partei. Schulz will die Agenda 2010 von Gerhard Schröder reformieren, fordert die gebührenfreie Kita für alle und mehr Investitionen in Wirtschaft und Forschung.

Sonst gibt es bisher kaum eine inhaltliche Ausrichtung oder konkrete Vorschläge. Scheinbar hat auch Schulz, wie die SPD in den letzten Jahren, ein Glaubwürdigkeitsproblem und eine fehlende Programmatik.

Seine Chancen bei der Bundestagswahl 2017

Martin Schulz sagt, dass er Bundeskanzler werden will und auch im September wird. Aber ist das Rennen zwischen Schulz und Merkel nicht schon entschieden und die SPD bereits geschlagen? Die Landtagswahlen im Saarland und in Schleswig-Holstein waren eindeutige Niederlagen für die SPD. Die Wahl in Nordrhein-Westfalen, der Herzkammer der Sozialdemokratie, sogar ein Debakel: In den Landtagswahlen, die sicherlich nicht immer repräsentativ für die Bundestagwahl sind, ist nichts mehr vom Schulz-Effekt zu spüren. Im Gegenteil: Schon ist vom "Schulz-Defekt" die Rede.

Viele Wähler scheinen weiterhin auf die verlässliche Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihren Leitspruch "Sie kennen mich" zu setzen. Der momentane Trend spricht gegen Martin Schulz und die SPD und für Merkel. Noch ist aber nichts verloren und der Wahlkampf geht in den nächsten Monaten in die entscheidende Phase. Kurz vor der Wahl im September folgt noch ein TV-Duell zwischen Schulz und Merkel, das viele Wähler beeinflussen könnte.

Die SPD plant jetzt den Neustart der Schulz-Kampagne mit konkreten Vorschlägen, um im Herbst doch noch den Weg ins Kanzleramt zu finden. Wenn Martin Schulz wirklich konkrete Vorschläge für soziale Gerechtigkeit erarbeitet, hat er möglicherweise wieder berechtigte Chancen ins Kanzleramt einzuziehen.

Was denken Studierende über Martin Schulz?

Inken DambergInken Damberg (28) studiert den Master Public Health an der Uni Bremen:

"Martin Schulz kommt besonders unter den jungen Wählern gut an, weil er ein neues Gesicht in der deutschen Politik ist. Im Europaparlament hat er sich als starker und durchsetzungsfähiger Politiker einen Namen gemacht. Der SPD fehlte dieses neue Gesicht im Land und ich rechne ihm Chancen ein. Auch wenn ich finde, dass Angela Merkel wählbar ist.

Der Wahlkampf wird spannend und Schulz darf jetzt nicht die Luft ausgehen. Ich denke viele junge Wähler würden sehr gerne wieder die SPD im Kanzleramt sehen."
 


Julian KringsJulian Krings (30) studiert Germanistik und Medienwissenschaften (Master) an der Ruhr-Universität Bochum:

"Ich habe manchmal das Gefühl, dass Martin Schulz nur so beliebt ist, weil er nicht Sigmar Gabriel ist. Ob er der SPD helfen kann, wieder eine linke Partei zu werden, muss sich zeigen – zu wünschen wäre es ja. Mir gefällt zum Beispiel, dass er die Ehe für alle unterstützt oder eine Obergrenze für geflüchtete Menschen ausschließt – der Hype um ihn hat mich trotzdem verwundert.

Noch zur EU-Parlamentswahl wurde er in Satire-Sendungen als langweiliger Bürokrat durch den Kakao gezogen, jetzt ist er der Retter, auf den die SPD gewartet hat. Wir werden sehen, was davon übrig bleibt."
 


Haakon MichlingHaakon Michling (25) schreibt gerade seine Dissertation (Jura) an der Uni Münster:

"Es ist schon verblüffend, wie sehr der Wähler personenfixiert ist. Ich werde aber nicht den Eindruck los, dass die Medien auch suggerieren, es ginge weniger um die Inhalte der Parteien, als um die Person des Kanzlerkandidaten. Dafür steht die bisherige Berichterstattung um die Kandidatur von Martin Schulz sinnbildlich. Letztlich sollten die Inhalte einer Partei im Wahlkampf entscheidend sein und nicht, wen die Partei als Kandidat ins Rennen schickt.

Spannend bleibt es allemal, welche inhaltliche Ausrichtung Martin Schulz der SPD bis zur Bundestagswahl geben kann."
 


Martin FingerMartin Finger (26) studiert den Bachelor Sportwissenschaft an der Ruhr-Uni Bochum:

"Mich nervt dieser Hype um Martin Schulz. Aber: Martin Schulz als Person nervt mich nicht. Leider wird durch diesen ganzen Hype um die Person von den eigentlichen politischen Inhalten und Positionen abgelenkt. Es wird über alles berichtet und jede Aussage von Schulz wird auf die Goldwaage gelegt.

Einmal ist er der Messias und der Mann der kleinen Leute und in der nächsten Situation wird wieder böswillig seine Vergangenheit an die Öffentlichkeit gezerrt. Dieser Prozess ist als Außenstehender sehr zermürbend und auch nicht zielführend."
 


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5 Fakten über Martin Schulz:

  1. Martin Schulz musste die 11. Klasse des Gymnasiums wiederholen und verließ die Schule mit der mittleren Reife. Danach machte er eine Ausbildung zum Buchhändler und eröffnete mit seiner Schwester eine eigene Buchhandlung.
  2. Nach eigenen Angaben war Martin Schulz als junger Heranwachsender mehrere Jahre alkoholabhängig. Seit 1980 lebt er abstinent.
  3. Von 1987 bis 1998 war Martin Schulz Bürgermeister der Stadt Würselen (Nordrhein-Westfalen).
  4. Zudem ist Schulz auch nicht als "Politik-Neuling" einzustufen, da er seit 1999 im Bundesvorstand der SPD sitzt und 23 Jahre Mitglied des europäischen Parlaments und von 2012-2017 Präsident des europäischen Parlaments war.
  5. Schulz wurde im März 2017 vom Bundesparteitag der SPD einstimmig zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2017 und mit 100 Prozent der Stimmen zum SPD-Vorsitzenden gewählt. 2017 kandidiert Schulz erstmals für den Deutschen Bundestag.

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