ZB MED Schließung
Der Lesesaal der ZB MED am Standort Bonn | Foto: ZB MED

06.01.2016

Medizin studieren

Medizin studieren

Von der Wissenschaft in die Praxis

Wer Medizin studieren will, den erwartet eines der anspruchsvollsten und lernintensivsten Fächer. Mit mindestens zwölf regulären Semestern Studienzeit ist es auch das län ... mehr »

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25. Apr 2016

Mona Contzen

News

Deutsche Zentralbibliothek für Medizin: Das Aus der ZB MED?

-ARCHIV-

Was bedeutet dies für Studierende der Medizin & Co.?

ZB MED kurz & kompakt

  • Die ZB MED ist Teil der Leibnitz-Gemeinschaft, einer Vereinigung von 88 außeruniversitären Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen, die gemeinsam von Bund und Ländern finanziert werden.
  • Im Rahmen eines regelmäßigen Evaluierungsprozesses hat nun der Senat der Leibnitz-Gemeinschaft die Einstellung der Förderung der ZB MED empfohlen.
  • Die Entscheidung darüber trifft die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz (GWK) am 24. Mai.

Wie kann es ohne Förderung weitergehen?

Im Jahr 2015 bekam die ZB MED vom Bund Fördermittel in Höhe von 3,7 Millionen Euro, weitere 8,6 Millionen brachten die Länder auf. Fallen diese Mittel ab 2017 weg, sind für die Zukunft der ZB MED nach einer dreijährigen Übergangszeit verschiedene Szenarien denkbar.

"Es kann eine Zuordnung zu den Universitäten in Köln und Bonn erfolgen, wir könnten als Einrichtung des Landes weiter bestehen oder Mittel vom Bund, zum Beispiel dem Bundesgesundheitsministerium, bekommen", sagt Ulrike Ostrzinski, stellvertretende Marketing-Leiterin der ZB MED.

Auch Christoph Herbort-von Loeper, stellvertretender Pressesprecher der Leibnitz-Gemeinschaft, betont: "Durch die Senatsentscheidung ist die ZB MED nicht per se von der Schließung bedroht." Ihre Rolle als zentrale Fachbibliothek für Medizin und Lebenswissenschaften dürfte sich ohne Unterstützung des Bundes jedoch stark verändern. "Studierende in Köln und Bonn werden weiter eine Bibliothek haben, eingeschränkt wäre die Nutzung aber für überregional Studierende", sagt Ostrzinski.

Was bedeutet das für Studierende?

Vor allem Artikel aus Fachzeitschriften, von denen rund 2.700 im nationalen Alleinbesitz der ZB MED sind, müssten Studierende dann über kommerzielle Verlage bestellen – für 20 bis 30 Dollar pro Aufsatz. Auch die Open Access Publikationsplattform unter anderem für Abschlussarbeiten und das Rechercheportal, das 40 Datenbanken umfasst und Quellen beinhaltet, die sonst nicht erhältlich sind, wären dann nicht mehr deutschlandweit zugänglich.

Trotz der Proteste von Nutzern und Verbänden wie dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin, dem Verein zur Förderung der Technologiebewertung im Gesundheitswesen und der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention scheint die Entscheidung der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz jedoch bereits vorab klar zu sein. "Bis jetzt hat es noch nie den Fall gegeben, dass die GWK der Empfehlung des Senats nicht gefolgt ist", so Herbort-von Loeper.


ZB MED Köln


Bis Ende April läuft eine Petition

Die ZB MED setzt ihre Hoffnungen nun besonders auf eine Petition, die Unterstützer noch bis Ende April unterzeichnen können. "Wir hoffen, dass der Druck damit so groß ist, dass sich der Bund in der Pflicht sieht, weiterhin diese zentrale Einrichtung für ganz Deutschland zur Verfügung zu stellen", sagt Ostrzinski.

Der Senat hatte in seiner Stellungnahme kritisiert, "dass es der ZB MED in den vergangenen Jahren trotz einiger Teilerfolge nicht in dem notwendigen Maß gelungen ist, sich auf die erheblichen Veränderungen im Fachinformationswesen einzustellen".

Reformen: Zwei Lager stehen sich gegenüber

Auch die verstärkte Ausrichtung auf Forschungstätigkeiten, die an die Einrichtung von zwei Professuren geknüpft ist, war bei der letzten Begehung 2015 noch nicht abgeschlossen. Dies führe zu "einem gravierenden Rückstand" gegenüber anderen Anbietern auf dem Markt. "Die ZB MED wurde 2011 mit einer gelben Karte belegt. Die geforderten Reformen wurden nicht ausreichend erfüllt", sagt Herbort-von Loeper. "Man kann das bedauerlich finden, aber wir nehmen das Qualitätssicherungsverfahren ernst."

In den vergangenen Jahren hat sich die ZB MED auf Empfehlung der Experten als Stiftung rechtlich verselbstständigt, ein neues Suchportal aufgebaut und eine Marktstudie durchgeführt, um die Fächer Medizin, Gesundheitswesen, Ernährung-, Umwelt- und Agrarwissenschaften enger zu verzahnen. Das Berufungsverfahren für die zwei Professuren stand bei der Begehung unmittelbar bevor. "Wir waren in einer richtigen Aufbruchsstimmung, hatten einiges erreicht und haben jetzt das Gefühl, dass uns zu wenig Zeit gegeben wurde für all das, was wir umsetzen sollten", so Ostrzinski.


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