Kanzlerduell 2017
Wer wird das Kanzlerduell gewinnen? | Foto: flickr.com/Marco Verch, CC BY 2.0, zugeschnitten
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13. Sep 2017

Alexander Lemonakis

News

Endspurt im Wahlkampf: Merkel vs. Schulz

Die Kanzlerkandidaten im großen Vergleich

Das TV-Duell:

Martin Schulz tat, was er tun musste: Im TV-Duell griff der SPD-Kanzlerkandidat an, irritierte die Kanzlerin in vielen Themenblöcken und war insgesamt angriffslustiger. Schulz konnte im TV-Duell Pluspunkte sammeln und überraschte besonders bei den noch unentschlossenen Wählern positiv.

Angela Merkel war oft im Verteidigungsmodus, wirkte aber meist souverän und in der Rolle der altbewährten Kanzlerin ("Sie kennen mich"). Die amtierende Bundeskanzlerin kam in den verschiedenen Umfragen nach dem TV-Duell besser weg.

Die Wahlkampf-Themen:

Die Top-Themen im TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz waren die Flüchtlingskrise (Migration und Abschiebung), der andauernde Konflikt mit der Türkei, die Terrorgefahr und die innere Sicherheit, der Islam und seine Rolle in Deutschland sowie der Dieselskandal ("Dieselgate").

Viele andere Wahlkampfthemen, wie soziale Gerechtigkeit, Bildung, Digitalisierung, Gesundheits- und Klimapolitik, also Themen die eigentlich besonders Martin Schulz und der SPD zugerechnet werden, kamen so gut wie gar nicht vor. Hätte Martin Schulz in diesen Themen seine Standpunkte den Zuschauern und Wählern stärker klar machen sollen, um Boden gut machen zu können auf die Kanzlerin?


Das TV-Duell in ganzer Länge:


Wahlbeteiligung:

Bei der letzten Bundestagswahl im Jahr 2013 lag die Wahlbeteiligung bei 71,5 Prozent. Für die anstehende Bundestagswahl 2017 wird erwartet, dass die Wahlbeteiligung zwischen 67 bis 75 Prozent liegt. Dies hängt auch davon ab, wie sehr die kleineren Parteien, beispielsweise die AfD, ihre Wähler und mögliche Nichtwähler mobilisieren können.

Außerdem halten viele Wahlberechtigte die Wahl und das Duell zwischen Merkel und Schulz bereits für entschieden, sodass viele am Wahlsonntag auf ihren Urnengang verzichten könnten.

Prognose für die Bundestagswahl 2017:

Die 62-jährige CDU-Vorsitzende Angela Merkel ist seit 2005 Bundes­kanzlerin. Alle aktuellen Umfragen deuten momentan darauf hin, dass sie nach der Bundestags­wahl 2017 erneut zur Kanzlerin gewählt werden wird. Vergleicht man verschiedene aktuelle Umfragen und Sonntagsfragen kommt die CDU/CSU am 24. September auf ca. 38 Prozent, die SPD liegt bei 24 Prozent, die FDP würde 9 Prozent erlangen, die Linke 8 Prozent, die AfD 8 Prozent und die Grünen 7 Prozent.

Trotzdem geben mehrere Umfragen darüber Auskunft, dass zum Teil 30 Prozent bis 50 Prozent der Wähler noch unentschlossen sind, bei welcher Partei sie am Wahlsonntag ihr Kreuz setzen.

Koalitionen:

Laut aktuellen Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute ist die Fortsetzung der amtierenden Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD am wahrscheinlichsten. Eine andere Möglichkeit, die rechnerisch realistisch scheint, wäre eine unerprobte und neue "Jamaika-Koalition" (CDU/CSU, FDP, Grüne). Möglicherweise würde es auch für "Schwarz-Grün" (CDU/CSU + Grüne) oder "Schwarz-Gelb" (CDU/CSU + FDP) reichen.

Koalitionen wie "rot-rot-grün" (SPD, Linke, Grüne) oder die "Ampel" (SPD, Grüne und FDP) und "rot-grün" (SPD +Grüne) erscheinen aktuell als eher unwahrscheinlich. Eine Koalition mit der AfD lehnen alle in dieser Legislaturperiode im Bundestag vertretenen Parteien und die FDP ab.

Fazit zum Kanzlerduell 2017:

Vieles deutet daraufhin, dass die nächste Bundeskanzlerin wieder Angela Merkel heißt und die von Martin Schulz gewünschte Wechselstimmung und ein Regierungswechsel ausbleiben. Viele räumen Martin Schulz keinen Chancen mehr gegen Angela Merkel ein. Trotzdem kann sich in den kommenden Tagen und Wochen noch einiges ändern. Unvorhergesehene Krisen und Skandale können die Wahl beeinflussen, ebenso ist die hohe Zahl der unentschlossenen Wähler eine große Unbekannte.

In letzter Zeit gab es einige spannende Wahlen, bei denen andere Ergebnisse erwartet wurden und die Meinungsforschungsinstitute, Polit-Experten und Beobachter oft daneben lagen: Brexit, die Trump-Wahl und die sehr knappen und spannenden Wahlen in Österreich und den Niederlanden. Am Ende heißt es wohl: Angela Merkel oder Martin Schulz. Wir sind gespannt.


Was ist ein Bundeskanzler?Der Bundeskanzler ...

  • ist der Regierungschef der Bundesrepublik Deutschland und bestimmt die Richt- und Leitlinien (Richtlinienkompetenz) der Politik der Bundesregierung zum Wohle des deutschen Volkes.
  • setzt den Rahmen für das Regierungshandeln, trifft Absprachen mit Regierungspartnern und ausländischen Partnern.
  • ist der politisch mächtigste deutsche Amtsträger. In der protokollarischen Hierarchie steht er aber nur an dritter Stelle hinter dem Bundespräsidenten und dem Bundestagspräsidenten.
  • wird nicht unmittelbar vom Volk, sondern von den gewählten Abgeordneten des neu zusammengesetzten Bundestags gewählt. Eine Amtszeit (Legislaturperiode) dauert 4 Jahre.
  • wird in seiner Organisationsgewalt durch das Grundgesetz begrenzt.

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