OECD Studie Bildung
In keinem anderen Land gibt es so viele MINT-Studenten wie bei uns | Foto: unsplash.com/Slava Bowman
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15. Sep 2017

Nina Weidlich

News

OECD-Bildungsstudie: So schlägt sich Deutschland im Länder-Vergleich

Das Studium wird immer beliebter

In ihrer aktuellen Studie "Bildung auf einen Blick", die einmal im Jahr erscheint, vergleicht die OECD die Bildungssituation ihrer 35 Mitgliedsstaaten. In den vergangenen Jahren hat die Organisation immer wieder beklagt, dass in Deutschland zu wenige junge Menschen studieren. Mittlerweile nehmen hier sechs von zehn jungen Erwachsenen ein Studium auf. Damit ist die Zahl der Studienanfänger um 20 Prozent gestiegen – so viel wie in keinem anderen OECD-Land.

Allerdings schafft nur etwa ein Drittel (31 Prozent) der Studis, die Uni mit einem Abschluss zu verlassen. Zwar ist die Abschlussquote von 2005 bis heute um knapp zehn Prozent gestiegen, damit liegen wir aber immer noch unter dem Durchschnitt von 43 Prozent. Den Bachelor-Abschluss haben die Absolventen in den OECD-Staaten im Schnitt mit 26 Jahren in der Tasche.

Obwohl wir in Deutschland vergleichsweise wenig für Bildung bezahlen, absolvieren immer noch wenige Nichtakademikerkinder ein Studium. Nur knapp ein Sechstel (14 Prozent) der 30-45-Jährigen, deren Eltern kein abgeschlossenes Studium haben, haben den Weg an die Uni geschafft. In Sachen Bildungsmobilität hinkt Deutschland damit im OECD-Vergleich hinterher: Im Schnitt treten 20 Prozent der jungen Erwachsenen aus Nichtakademikerhaushalten ein Studium an.


InfoDefinition: Das ist die OECD

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (kurz: OECD) besteht aus 35 Mitgliedsstaaten aus der ganzen Welt. Das Ziel der Organisation ist, die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Ländertypen – von Industrienationen über Schwellenländer bis hin zu Entwicklungsländern – zu stärken und so den Lebensstandard in allen Mitgliedsstaaten zu verbessern.


Andere Länder, andere Fächer

Der Großteil der Absolventen macht momentan einen Abschluss in den Fachrichtungen Wirtschaft, Verwaltung und Recht – in Deutschland haben 23 Prozent der Studenten diese Fächer belegt. Weiter unten in der Beliebtheitsskala folgen das Gesundheits-und Sozialwesen, die vor allem in den skandinavischen Ländern wie Finnland, Norwegen und Schweden viele Studis begeistern. In Indien macht der Großteil der Studierenden einen Abschluss in Sozialwissenschaften, Journalismus und Informationswesen.

Die MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) sind in den meisten Ländern eher unbeliebt. Außer in Deutschland: Mit einem Anteil von 37 Prozent stehen die deutschen MINT-Absolventen an Platz eins der internationalen Liste – danach folgen Indien, Korea und Österreich.

Trotzdem sind immer noch zu wenig junge Frauen in naturwissenschaftlichen oder technischen Fächern vertreten. Nur 28 Prozent der deutschen MINT-Studienanfänger sind weiblich, das ist ein bisschen weniger als im OECD-Durchschnitt (30 Prozent). In anderen Fächern sind weibliche Studenten dagegen stark in der Überzahl: In Deutschland sind zum Beispiel 80 Prozent der Pädagogik-Studenten Frauen, im internationalen Durchschnitt sind es fast genauso viele.

Ausbildung oder Studium? – Egal

Für unser duales Ausbildungssystem hatten die Macher der OECD-Studie besonders viel Lob übrig: Fast die Hälfte der 25-34-Jährigen Deutschen haben eine Ausbildung absolviert. Damit liegt Deutschland in Sachen Berufsbildung auf dem zweiten Platz – nur in der Slowakei ist die Zahl noch höher.

Was bleibt, ist der große Gehaltsunterscheid zwischen den Absolventen einer Berufsausbildung und denen, die einen Uni-Abschluss in der Tasche haben: Bachelor-Absolventen verdienen 58 Prozent mehr, bei Master-Absolventen ist der Verdienst sogar um 85 Prozent höher.

Aber egal ob Studium oder Ausbildung – die Chancen auf einen Job stehen mit einer Beschäftigungsquote von fast 90 Prozent in beiden Bereichen besonders gut. Die Bildungspolitik erhofft sich von den guten Berufschancen für Azubis, dass die Ausbildung wieder ein besseres Image bekommt und öfter als Alternative zum Studium in Bertracht gezogen wird.


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