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07. Nov 2011

Roman Milenski

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Arbeiterkind.de: Anlaufstelle für Studenten aus Arbeiterfamilien

-ARCHIV-

UNICUM zu Gast beim Ortstreffen der Initiative

Klischees? Nein Danke

Kaffee gibt es nicht. Auch keinen Kuchen und keine Namensschilder. Das offene Treffen der Arbeiterkind.de-Ortsgruppe an der Ruhr-Universität Bochum bedient nicht die Klischees über eine Selbsthilfegruppe. Und als solche möchte die Runde auch gar nicht gesehen werden. Ein Stuhlkreis ist aber tatsächlich aufgebaut. In ihm sitzen Studenten, die sich über das "Problem" austauschen, als angehender Akademiker aus einer Nicht-Akademiker Familie zu kommen. Ein Problem das sie alle kennen. 

Probleme im Studium da Arbeiterkind - irgendwie verwundert das im ersten Moment. Macht die soziale Herkunft für Studenten wirklich noch einen Unterschied? Sind es rein finanzielle Aspekte? Können Eltern, die nicht studiert haben, aber dennoch gut verdienen, ihren Kinder das Studium nicht ebenso mitfinanzieren wie Akademiker?  

Vorbehalte gegen das Studium aus der Welt schaffen

Medizinstudentin Christin Gerber ist eine der Bochumer Mentoren von Arbeiterkind.de. Das größte Problem für Studenten aus Nicht-Akademiker-Familien ist für die 23jährige kein finanzielles: „Die Hauptsorge der meisten ist das mangelnde Verständnis der Eltern für das Studium. Besonders Studenten der Geisteswissenschaften beklagen sich darüber. Ihre Eltern können sich wenig unter einem solchen Studium vorstellen, während beispielsweise die Ingenieurwissenschaften oder Medizin eher Akzeptanz finden. Aber auch die kämpfen mit Vorurteilen.“

Um solchen Sorgen und Vorurteilen entgegenzuwirken, gründete die Gießener Doktorandin Katja Urbatsch im Mai 2008 Arbeiterkind.de. Gestartet als Internetportal, unterhält die nicht kommerzielle und unpolitische Organisation deutschlandweit mittlerweile 80 Ortsgruppen mit über 3000 Mentoren. Diese helfen Studenten aus Arbeiterfamilien bei jeglichen Hürden in ihrem Studienalltag. Speziell Studenten, welche als Erste aus ihren Familien und Freundeskreisen studieren (in den USA oft auch als „first-generation-students“ bezeichnet), wüssten oft nicht wirklich, wie sie ihr Studium organisieren sollen - von der Finanzierung, über das wissenschaftliche Arbeiten bis hin zu Auslandssemestern oder Praktika. 

Daneben möchte Arbeiterkind.de aber auch schon angehende Abiturienten motivieren, trotz möglicher Schwierigkeiten und Vorbehalte ihrer Eltern, ein Studium aufzunehmen. Dies scheint ein Bereich zu sein, in dem tatsächlich noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist. Laut einer Sozialstudie des Deutschen Studentenwerks von 2011 nehmen von 100 Akademikerkindern 71 ein Hochschulstudium auf, während es von 100 Kindern nicht-akademischer Herkunft nur 24 sind.

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