Figurentheater Studium
Dörte Lina Bauer und Lisa Remmert | Foto: Nathalie Klüver
Autorenbild

27. Nov 2012

Nathalie Klüver

Archiv

Ausgefallenes Studienfach: Figurentheater

-ARCHIV-

Hier kann man die Puppen tanzen lassen

Aufnahmeprüfung nötig für das Studium

"Figurentheater? Kann man davon leben?" Diese Fragen müssen sich Lisa Remmert und Dörte Lina Bauer immer wieder anhören, wenn sie erzählen, was sie studiert haben. Die beiden 27-Jährigen haben gerade ihr Figurentheater-Studium an der Musikhochschule Stuttgart beendet.

Kein ganz gewöhnlicher Beruf und Studiengang. Nicht unbedingt das, was die Studiengangs-Berater von der Arbeitsagentur auf ihrer Liste haben. Figurentheater, das kann man halt, das bringt man sich selbst bei – so denken viele, das haben auch Lisa und Dörte immer wieder bemerkt. Und dennoch kann man Figurentheater tatsächlich studieren: in Berlin und in Stuttgart. Um aufgenommen zu werden, mussten die beiden in einer Aufnahmeprüfung ein eigenes Stück vorspielen, improvisieren und an einem Workshop teilnehmen.

Verbindung aus Handwerk und Theater

Lisa hat das Theaterspielen schon immer geliebt, besonders das Figurentheater, das es ihr schon als Achtjährige angetan hatte. Aber ihre Eltern wollten, dass sie erst einmal eine "vernünftige Ausbildung" macht. Etwas mit Hand und Fuß. Also lernte sie Goldschmiedin und begann dann erst ihr Studium in Stuttgart. "Es ist die perfekte Möglichkeit Handwerk und Theater zu verbinden", sagt sie über ihre Berufswahl. Denn Figurenspieler müssen längst nicht nur Marionetten führen und Texte auswendig lernen. Sie bauen ihre Puppen selbst, entwerfen die Requisiten und die Bühnen, sorgen für die richtige Belichtung und schreiben oft auch die Stücke selbst oder bekannte Stücke um.

Schon allein das Basteln der Puppen und Figuren sei eine eigene Interpretation des Stückes, sagt Dörte, die besonders das "Objekttheater" mag, in dem eine ganz normale Gießkanne auf einmal ein Eigenleben führt und eine Rolle im Stück bekommt. "Dabei kann man sich selbst als Spieler besonders stark einbringen."

"Seid ihr alle da?"

Figurentheater? Marionetten? Augsburger Puppenkiste! Kasperles "Seid ihr alle da?" Das fällt vielen als erstes ein, wenn sie daran denken. Theater für Kinder, nett, unterhaltsam, aber mehr auch nicht? Das stimme so nicht, weisen die beiden Puppenspielerinnen entschieden zurück. Längst gibt es eine Figurentheaterszene für Erwachsene, werden Opern auf die Puppenbühne gebracht und ernsthafte "Erwachsenenstücke". Und natürlich nicht nur Marionetten benutzt, sondern eigentlich alles, was man sich als Figur oder Puppe vorstellen kann.

Wobei, die kritischeren Zuschauer seien eindeutig die Kinder, sagt Dörte lachend. Denn die stehen schon mal einfach auf und sagen, wenn ihnen etwas nicht passt. "Da kann dann auch schon mal ein lautes laaangweilig kommen." Aber dafür zeigen die kleinen Zuschauer dann auch aufrichtig ihre Begeisterung und tauchen in die Phantasiewelten ein.

Auch Dörte war vom Figurentheater schon von Kleinauf fasziniert. "Puppentheater ist bildlastiger als das normale Theater", findet sie. Dennoch gehört zum Studium nicht nur das Bauen der Puppen und Bühnen. Schauspiel- und Sprechunterricht, Feldenkrais, Körpertraining mit einer Balletttänzerin, Theatergeschichte und Materialkunde gehören zu den Inhalten des vierjährigen Bachelorstudiums. Besonders das Körpertraining sei wichtig, erklärt Dörte. Zum einen, damit man die eigenen Körperbewegungen richtig auf die Puppenbewegungen übertragen kann – zum anderen aber auch weil die gute, alte Guckkastenbühne heutzutage immer häufiger ausgedient hat und die Puppenspieler zu sehen sind, manchmal sogar eine Rolle mit einnehmen.

Überhaupt die Rollen! "Wir spielen anders als im normalen Theater nicht nur eine Rolle, sondern schlüpfen  in viele verschiedene Rollen, müssen blitzschnell umdenken und die Stimme wechseln", erzählt Lisa. Auch das sei etwas, das den beiden besonders Spaß bringt.

Als Abschluss ihres Studiums im Sommer mussten sie ein eigenes Stück schreiben und inszenieren – und natürlich auch vorführen. Mit den Stücken sind die beiden nun auf Tour durch verschiedene Figurentheater in Deutschland. Beide haben sich für den Sprung in die Selbständigkeit entschieden, auch wenn es Möglichkeiten an Figurentheatern oder "normalen" Theatern gab. Die nötigen Kontakte für die Selbständigkeit und das Touren zu Festivals oder Gastauftritten haben die beiden schon während ihres Studiums geknüpft. Gute Kontakte sind unverzichtbar in der Kunstszene.

Achja, und auf die Frage, ob man davon leben kann, lachen die beiden laut auf: "Ja klar geht das. Wir leben doch auch, oder?"


Linktipps "Figurentheater"

Artikel-Bewertung:

3.22 von 5 Sternen bei 134 Bewertungen.

Deine Meinung: