06. Jan 2015

Archiv

Auslandssemester in Alaska: Ein Erfahrungsbericht

-ARCHIV-

Von Natur, Schnee und idealen Studienvoraussetzungen im nördlichsten Bundesstaat der USA

Damit muss man in Alaska rechnen ...

Herbstsemester 2014: Mein Auslandssemester, von dem ich niemals gewagt hätte zu träumen, beginnt – in Fairbanks, Sitz der University of Alaska, kurz UAF. Die zweitgrößte Stadt im US-Bundesstaat ist mit 32.000 Einwohnern nicht gerade eine Metropole. Daher spielt sich das Studentenleben fast vollständig auf dem Campus ab.

Die meisten Studenten sind dort in Doppelzimmern in Wohnheimen untergebracht, für das man durchschnittlich umgerechnet ca. 1.420 Euro pro Semester zahlt. Spätestens wenn man sich trotz Anwesenheit der Zimmernachbarin bei Selbstgesprächen erwischt, hat man sich an die fehlende Privatsphäre gewöhnt.

Weil die UAF und meine Hochschule in Mannheim Partneruniversitäten sind, wurden mir die Studiengebühren erlassen. Normalerweise liegen die Kosten bei etwa 7.000 Euro. Es ist auch möglich sich auf eigene Faust dort zu bewerben; finanzielle Unterstützung bieten Stipendien vom DAAD und der Fulbright-Kommission.

Die Vor- und Nachteile des Bildungssystems

In Fairbanks fühlte ich mich dank des amerikanischen Bildungssystem in die neunte Klasse zurückversetzt – nicht als Student, sondern als bevormundeter Schüler. Es gibt Berge an Hausaufgaben und mündliche Mitarbeit wird benotet. Da lobt man sich die Selbstständigkeit deutscher Studenten.

Zugegeben, das System hat seine Vorteile: Alles läuft auf viel niedrigerem Niveau. So hatte ich pro Klausur einen Aufwand von maximal fünf Stunden statt wochenlanger Bibliothekstortur in Deutschland – und trotzdem bessere Noten. Außerdem müssen US-amerikanische Studenten durchgehend am Ball bleiben, während wir in Deutschland zum "Bulimie-Lernen" erzogen werden.

Daneben schaffen kleinere Kursgrößen von etwa 20 Studenten ein persönlicheres Verhältnis zwischen Lehrenden und Studenten. Ich war ganz überrascht, als mein Journalismus-Professor unseren Kurs an Thanksgiving zum Abendessen mit seiner Familie einlud.

Freizeitparadies für Outdoor-Freaks

In puncto Freizeitgestaltung bietet die University of Alaska trotz langem Winter, der etwa von September bis April dauert und den Campus in ein einziges Schneemeer verwandelt, etliche Möglichkeiten – vorausgesetzt man quält sich bei Minus 40 Grad und gerade einmal vier Stunden Tageslicht aus dem Haus!

Für Sportbegeisterte gibt es Skilanglaufstrecken, eine Kletterwand, eine Schwimmhalle, ein Fitnessstudio und einen gefrorenen See zum Schlittschuhlaufen. Im Campus-Pub trifft man trinklustige Kommilitonen und Professoren und bequemt sich neben all den Konzerten und Weinproben gelegentlich zum Hausaufgaben machen.

Alaska kombiniert das typisch amerikanische Studentenleben mit atemberaubender Natur: Es gibt mindestens genauso viele Hauspartys, nur dass man im Anschluss beim obligatorischen Lagerfeuer sturzbetrunken Sternbilder interpretiert und Polarlichter zu Außerirdischen werden.

Abseits vom Campus bietet die unieigene Agentur "Outdoor Adventures" verschiedene Ausflüge an. Während meines Semesters bin ich 130 Kilometer beim Wildwasser-Rafting gepaddelt, einen gefrorenen Wasserfall hochgeklettert, mit Schneeschuhen im Denali National Park gewandert und habe auf sämtlichen Skipisten das Extrem-Purzelbaumschlagen perfektioniert.

Zwei Dinge, dich ich nun über die Alaskaner weiß:

  • Erstens: Keiner schert sich um Mode. Anchorage in Alaska wurde zur am schlechtesten gekleideten Stadt der USA gekürt. Kein Wunder – was zählt ist im Zwiebellook der Kälte zu trotzen. Ich mag diese Einstellung. Es gibt kaum jemanden auf dem Campus, der kritisch den Modegeschmack seiner Kommilitonen beäugt. Nicht mal wenn der Ganzkörper-Pikachu-Anzug das Klassenzimmer betritt.
  • Zweitens: Für mich als eher reservierte Deutsche sind die Alaskaner ungewohnt freundlich. Die Tür, die mir zu Hause ins Gesicht geknallt wurde, wurde mir hier mit strahlendem Lächeln aufgehalten. Angesichts der Kälteextreme sind für die kleine Gemeinschaft in Fairbanks Hilfsbereitschaft und Zusammenhalt selbstverständlich.

Alaska: Kurz & kompakt

  • Im gesamten US-Bundesstaat Alaska leben etwa 730.000 Menschen. Ein Vergleich zu Deutschland: Allein Berlin hat derzeit ca. 3,5 Mio. Einwohner.
  • Juli ist mit 17 Grad der wärmste Monat in Fairbanks, im Januar liegt die Durchschnittstemperatur bei Minus 23 Grad.
  • An der University of Alaska in Fairbanks sind über 10.000 Studenten immatrikuliert.
  • Die Gebühren für ein Semester an der UAF belaufen sich auf 9.910 Dollar, umgerechnet etwa 7.000 Euro.
  • Für Lebenshaltungskosten kommen inkl. Reisen ca. 360 Euro pro Monat zusammen.
  • Weitere Universitäten in Alaska gibt es in Anchorage, Juneau, Ketchikan und Sitka.
  • Mehr Infos zur University of Alaska gibt's auf www.uaf.edu

Artikel-Bewertung:

2.61 von 5 Sternen bei 142 Bewertungen.

Passende Artikel

Deine Meinung: