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06. Jul 2015

Simon Sperl

Archiv

Becks letzter Sommer

-ARCHIV-

Heimkino-Start der Literaturverfilmung ist am 26. Januar

Zwischen Selbstbetrug und Selbsterkenntnis

Robert Beck (Christian Ulmen) quält sich als frustrierter Lehrer Tag für Tag in die Schule und trauert seiner gescheiterten Musikerkarriere hinterher. Doch dann wird er auf den litauischen Schüler Rauli (Nahuel Pérez Biscayart) aufmerksam - in seiner Klasse ein Außenseiter, singt und spielt er E-Gitarre wie kein Zweiter. Nicht nur aus diesem Grund will Beck ihm zu einer steilen Karriere verhelfen. Gleichzeitig sieht er die Chance, selber wieder in der Musikszene Fuß zu fassen. So probt Beck nicht nur mit Rauli, sondern schreibt ihm Songs, organisiert ein Konzert und lädt seinen ehemaligen Produzenten Holger Gersch (Fabian Hinrichs) ein. Dieser zeigt sogar sein Interesse, aber unter einer Bedingung: Beck darf den Nachwuchsmusiker nicht mehr betreuen...

Nicht nur hier wird der Lehrer auf eine harte Probe gestellt: Seine neue Freundin Lara (Friederike Becht) hat zwar studiert, ist aber todunglücklich mit ihrem Beruf. Viel lieber würde sie als Schneiderin Karriere machen. Wie es der Zufall will, bekommt Lara die Chance, an einer Schneiderschule in Rom eine Ausbildung zu absolvieren. Obwohl Beck sie zur Bewerbung ermuntert, treibt ihn nun die Angst um, sie wieder zu verlieren. Seine Bitte zu bleiben, kommt bei Lara gar nicht gut an. Ganz aus den Fugen gerät Becks Leben als ihn sein Freund Charlie (Eugene Boateng) nachts aus dem Bett klingelt: Seine in Istanbul lebende Mutter sei schwer krank und Beck müsse ihn dorthin fahren. Mit Rauli auf der Rückbank begeben sie sich zu dritt auf eine irre Odyssee, an deren Ende nichts mehr so sein wird wie zuvor.

Viele Klischees, wenig Überraschungen

Ist es im Leben jemals zu spät für einen Neuanfang? Genau das ist die Kernfrage die Autor Benedict Wells in seinem Debüt "Becks letzter Sommer" 2008 aufwarf. Regisseur Frieder Wittich ("13 Semester") wagte sich nun an die Verfilmung. In der ersten Hälfte – wie bei einer Schallplatte mit A-Seite betitelt – wird die Problematik sämtlicher Figuren deutlich: Egal ob Beck, Rauli, Lara oder Charlie, alle befinden sich an einem Punkt in ihrem Leben, wo sie entscheiden müssen, wie es weitergeht. Die B-Seite liefert darauf zwei ebenso simple wie logische Antworten: Man muss seine Träume leben, um glücklich zu werden. Und selbst für eine zweite Chance ist es nie zu spät. Klingt reichlich klischeebeladen, ist es auch.

Immerhin verliert die Produktion dabei wenig vom sprachlichen Witz der Romanvorlage. Das liegt zum einen an der buchnahen Umsetzung und zum anderen an den Schauspielern. Wer, wenn nicht Christian Ulmen hätte auch sonst die Rolle des frustrierten, in einer Midlife-Crisis steckenden Lehrers Robert Beck übernehmen sollen? Irgendwie scheint er, für solche Typen gemacht zu sein – vielleicht schauspielert er jedoch gar nicht, sondern ist einfach leicht trottelig und nie ganz ernst zu nehmen. Gut besetzt hingegen wurde die Rolle Raulis mit dem jungen argentinischen Schauspieler Nahuel Pérez Biscayart. Dieser lernte sogar extra für den Film Singen und Gitarre spielen. Obwohl ansonsten BONAPARTE für die Filmmusik verantwortlich waren, wirken die gespielten Proben und Konzerte durchaus authentisch.

Weitere Schwächen zeigen sich ebenfalls während des Roadtrips von Berlin nach Istanbul. Bei der B-Seite ist es wie bei mancher Musikplatte – dieser Teil des Films ist nicht schlecht, fällt aber doch ab. Ausgerechnet die Szenen, die die Antworten auf alle Sinnfragen und Lebenskrisen liefern, wirken mitunter unausgeglichen. Entweder hätte die abenteuerliche Fahrt länger und ausführlicher oder aber noch kürzer sein müssen. Denn kaum nimmt die Odyssee durch Osteuropa an Tempo auf, ist sie schon wieder vorbei.

Letzten Endes hat das Team um Frieder Wittich "Becks letzter Sommer" in einer Mischung aus emotionaler Komödie, lustigem Drama und musikalischem Roadmovie als leichte Sommerunterhaltung verpackt.


UNICUM Filmtipp

Becks letzter Sommer

Komödie/Drama/Roadmovie, GER 2015

Regie: Frieder Wittich

Darsteller u. a.: Christian Ulmen, Nahuel Pérez Biscayart, Fabian Hinrichs, Friederike Becht, Eugene Boateng

Verleih: SENATOR Film Verleih

VÖ: 29. Januar 2016

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