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28. Sep 2012

Barbara Kotzulla

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"Boxenstopp"-Kalender: Studenten-Projekt mit Micaela Schäfer – und Niveau!

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Das Rennsport-Team der Hochschule Mittweida startet durch!

"Nackt ist sie überall, nur bei uns nicht!"

UNICUM: Wie kam zu dem Projekt "Boxenstopp"?

Anna Fischer: Wir von TMM, dem Technikum Mittweida Motorsport, sind ein Rennsport-Team, welches in der Formula Student tätig ist. Da ist es immer wieder ein Problem, genügend Etat aufzubringen, um uns für die nächste Saison zu qualifizieren: es kostet einfach unglaublich viel Geld mitzufahren und ein Auto zu bauen. Wir sind immer auf Sponsoren und den guten Willen der Wirtschaft angewiesen. Ein anderes deutsches Team, das aus Stralsund, hat vor ein paar Jahren einen Rennsportkalender rausgebracht, in dem sie eigentlich nur ihre Autos und ein paar leicht bekleidete Damen abgebildet haben. Der Kalender war nicht unbedingt professionell umgesetzt, ist aber dennoch unglaublich eingeschlagen. Wir fanden die Idee ganz toll, aber wir hatten an der Uni immer schon einen anderen Aktkalender. Für uns hat es die ganze Zeit lang keinen Sinn gemacht, einen zweiten Kalender zu produzieren, wir hätten uns dann einfach gegenseitig einen Teil des Marktes geklaut. Doch als die letzte studentische Kalenderproduktion auslief und sich noch kein neues Team dafür gemeldet hatte, haben wir unsere Chance genutzt. Wir haben das dann im Rahmen unseres Motorsportprojekts angemeldet.

Moment: An eurer Uni gab es schon immer einen jährlichen Aktkalender?

Das ist schon sehr ungewöhnlich. Ich kann aber leider nicht sagen, woher diese Idee stammt. Der erste Kalender kam vor meinen Studienbeginn heraus, dann hat es sich zur Tradition entwickelt, dieses ganz spezielle Projekt mit – und jetzt kommt der Knaller – Studentinnen als Models zu machen. So nach dem Motto: "So schön ist Mittweida". An unserer Uni wollen viele Kommilitonen später im Bereich Fotografie arbeiten. Und die Aktfotografie stellt einen sehr großen Anspruch dar. Für uns von TMM war aber klar, dass wir keine reinen Aktbilder machen wollen. Wir wollten einfach nicht das Banale abbilden, wir hatten da einen anderen Anspruch. Das steht vielleicht ein wenig in Kontrast mit unserem Titelmodel Micaela Schäfer. Wir lassen das deutsche Luder und Erotikmodel schlechthin angezogen. Es ist ganz witzig, wie die Leute darauf reagieren. Denn nackt ist sie überall, nur bei uns nicht.

"Motorsport ist nicht geschmacklos"

Ihr wollt eine "ästhetische Antwort auf das Klischee von Model und Motorsport" liefern – wie unterscheidet sich euer Kalender von anderen dieser Art?

Wenn man heute eine Erotikmesse besucht, sieht man eine nackte Frau, Sex auf der Bühne, kurze Dessous und solche Dinge. Wenn man eine Automesse besucht sieht man ebenfalls Sex, nackte Frauen und billige Posen auf der Motorhaube. Ob ich auf eine "Venus" nach Berlin gehe oder auf eine "Essen Motor Show" ist egal, nur kommen auf die Venus ausschließlich Leute ab 18 rein und auf eine Motorshow jeder 6-Jährige. Motorsport verbindet der Otto-Normalverbraucher mit schnellen Fahrzeugen, Tuning und natürlich heißen Boxenludern. Doch wir wollen zeigen, dass Motorsport nicht geschmacklos ist, nicht immer ins Extreme knallt. Motorsport kann etwas Besonderes sein, die Autos sind etwas Einmaliges. Für uns geht es um das Schöne im Detail. Und dafür brauchen wir zwar ein Model, das die Aufmerksamkeit auf sich zieht, aber sich nicht total entblößt. Der Betrachter ist sich bei unseren Fotos nie ganz sicher, ob er nicht gerade einen intimen Moment stört. In vielen Bildern kommuniziert das Model mit dem Auto, ohne sich dabei auf die Motorhaube zu werfen. Wir wollen schöne Momente zeigen, ohne billig zu sein. Das gibt es nicht oft.

"Micaela ein unglaublich intelligenter Charakter"

Wie passt da Micaela Schäfer als Titelmodel hinein?

Micaela kennt man als das Luder, die Nackte. Sie zeigt immer zu viel und ist furchtbar provokant. Aber in Wahrheit ist Micaela ein unglaublich intelligenter Charakter. Sie hat ein aufgeschlossenes Wesen und weiß ganz genau, was sie will und was sie nicht will. Was ich an ihr erlebt habe: Sie hat ganz klare Ziele, ganz klare Vorlieben und auch Dinge, die sie total toll findet. Sobald ihr so etwas begegnet, möchte sie es unterstützen, so sehr sie es kann. Und das ist ihr mit uns passiert. Micaela hat den Mehrwert gesehen, denn auch sie sieht das Problem in Deutschland: Es fehlt an Nachwuchskräften, an Qualität im Studium. Es wird viel diskutiert, aber es fehlen Gelder. Die Hochschule ist vielleicht nicht Micaelas Umgebung, aber auch sie konsumiert Medien und ist Teil von Ihnen. Ihr war wichtig, dass sie mit ihrem Engagement ein Projekt am Leben erhalten kann, durch das Studenten viel mehr lernen, als in der rein akademischen Ausbildung möglich ist. Micaela steht hinter dieser Bildung, ihr liegt das am Herzen. Wäre ich zu ihr gegangen und hätte gesagt: "Wir machen hier so einen x-beliebigen Kalender" –  dann hätte sie 100-prozentig nicht mitgemacht.

Wird es das Projekt "Boxenstopp" im nächsten Jahr wiedergeben?

Es läuft sehr gut und wir sind mit allem, was passiert ist, super zufrieden. Ich kann mir vorstellen, dass es auch 2013 klappt, weil es sich für uns einfach gelohnt hat. Was kann es besseres geben, als die Hälfte der Druckauflage nach drei Tagen verkauft zu haben? Das ist für mich auf alle Fälle ein Erfolg. Ich persönlich werde das Motorsportteam nicht verlassen, aber auch nicht ganz so nah am Kalender mitarbeiten wie dieses Mal. In diesem Jahr habe ich das Projekt ein Stück weit geleitet, nächstes Jahr werde ich nur eine unterstützende Kraft sein. Der Kalender soll dann ganz in das Rennsportteam integriert werden.

 

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