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02. Jun 2015

Christina Scholten

Archiv

Der Wert der Luftmatratze: Airbnb und die Shareconomy

-ARCHIV-

Das dicke Geschäft mit der Untervermietung

Geschäftsmodell Untervermietung

In Ronaldinhos Haus gibt es ein Kino, eine Show-Bühne und einen Pool. So versprechen es die Bilder beim Online-Übernachtungsdienst Airbnb, wo der Fußballstar seine Residenz während der WM in Brasilien als Unterkunft anbot. 11.200 Euro pro Nacht kostete das ganze Anwesen inklusive Personal. Seine eigenen vier Wände zu vermieten und damit etwas Geld dazuzuverdienen, ist in den letzten Jahren salonfähig geworden, in Brasilien wie in Deutschland.

Auf Online-Portalen wie Airbnb, 9flats oder wimdu können Gastgeber kostenlos eine Anzeige inklusive Fotos aufgeben. Bei erfolgreicher Buchung geht ein Teil des Vermietungspreises an das Unternehmen, hinzu können noch Steuern kommen. Bei Airbnb sind es zum Beispiel drei Prozent. Dieser Anbieter ist weltweit in 190 Ländern und 34.000 Städten vertreten. Von der Studenten-WG in Göttingen bis zur Bambushütte auf Hawaii findet sich dort so gut wie alles unter dem Gedanken der "Shareconomy".

So viel geteilte Freude ist manchen deutschen Städten nun zu viel des Guten. Das Problem: Vermehrt werden Wohnungen angekauft, um sie als Ferienwohnungen weiterzuvermieten. "Der ohnehin schon knappe Wohnraum wird dadurch weiter belastet", erklärt Uwe Amend von der Bauaufsicht Frankfurt am Main.

Auch für diejenigen, die ihr Zimmer nur selten oder zwischenzeitlich vermieten, könnte es schwieriger werden. Der Bundesgerichtshof entschied in letzter Instanz in einem Miet-Prozess in Berlin, dass die allgemeine Untervermietung keine Überlassung des Wohnraums an Touristen miteinschließt. In Hamburg sieht es wiederum anders aus: Dort ist die Zwischenmiete in einem gewissen Rahmen legal. Es herrschen also verschiedene Gesetzgebungen.

Feind der Hotelbranche

Julian Trautwein, Pressesprecher der deutschen Zweigstelle von Airbnb, ist trotz der rechtlichen Entwicklungen positiv gestimmt: "Wir denken, dass die Städte die Vorteile erkennen und Regelwerke entwerfen, die es Privatpersonen einfacher machen, ihren Wohnraum mit Gästen zuteilen." Und diejenigen, die Wohnungen anmieten, um sie als Ferienwohnungen anzubieten?

"Der Großteil unserer Anbieter sind Privatpersonen. Natürlich gibt es auch Ferienwohnungs-Anbieter, die Airbnb sozusagen als Vertriebskanal nutzen. Was für uns auch legitim ist, solange sie sich an die Spielregeln halten, Steuern zahlen und ein Gewerbe anmelden." Genau hierin besteht das Problem für die Hotellerie-Branche, die zum Großteil über die neuen Tendenzen auf dem Übernachtungsmarkt verärgert ist.

So klagte Dehoga-Präsident Ernst Fischerauf dem Branchentag 2014: "Bei 'Airbnb' und Co. entstehen hinter tausenden privaten Wohnungstüren Pseudo-Hotel-Märkte zu Lasten von Anwohnern, Mietern und Steuerzahlern. "Dabei sieht Airbnb sich selbst als soziales Unternehmen, das auch die Gastfreundschaft fördert.

Rasantes Wachstum

Die Idee zur – nach eigenen Aussagen – erfolgreichsten Plattform in diesem Bereich ist aus der Not heraus entstanden: Die Gründer, Brian Chesky und Joe Gebbia, boten ein Zimmer mit drei Luftmatratzen als "Air Bed and Breakfast" an, um schnell an Geld zu kommen. Das war 2007, beide waren gerade erst mit dem Studium fertig. 

Seitdem ist das Unternehmen rasant gewachsen, der Hauptsitz befindet sich im Silicon Valley. Daten zu ihren Gewinnen geben sie nicht heraus. Schätzungen zufolge liegt der Wert des Unternehmens bei 13 Milliarden Dollar. Damit stehen sie in einer Reihe mit den Internet-Riesen Google, Facebook und Uber – auch in puncto Unternehmenskultur, die langsam auch in der deutschen Zweigstelle ankommt.

"Bei uns ist es nicht ganz so wie im Silicon Valley Headquarter, wir haben keine eigenen Restaurants oder Ähnliches. Trotzdem wird sich sehr um das Wohl der Mitarbeiter gekümmert", erzählt Julian Trautwein. Jeder Mitarbeiter kann beispielsweise mit seinem Firmen-Laptop flexibel arbeiten. Knapp 30 Leute arbeiten in der GmbH in Berlin, die auch für die Märkte in Mittel- und Osteuropa zuständig ist.

Das Team ist sehr jung: Der älteste Mitarbeiter sei Mitte 30, erzählt der Pressesprecher."Genau wie die Gründer." Vielleicht schläft Brian Chesky deshalb noch ab und zu gern auf der Luftmatratze, wie er im Focus erzählte. Um jung zu bleiben. Das passiert natürlich nur dann, wenn Besuch da ist. Geld nimmt er wahrscheinlich nicht mehr - ansonsten taucht es hoffentlich in seiner Steuererklärung auf.

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