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05. Mai 2015

Alexander Lemonakis

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Die Augen des Engels

-ARCHIV-

Daniel Brühl über die Verfilmung des Falls "Amanda Knox"

"Eine Mischung aus Gossip, Medien und Hype"

UNICUM: Die Akte Amanda Knox – hast du sofort ja gesagt, als das Angebot kam?
Daniel Brühl: Als das Drehbuch kam und ich den Titel sah, war ich erst etwas irritiert. Aber dann habe ich schnell gemerkt, dass ich diesen Film machen möchte. Außerdem wollte ich sehr gerne mit dem Regisseur Michael Winterbottom arbeiten, da ich seit meiner Jugend ein großer Fan von ihm bin. Ich erinnerte mich an den Fall Amanda Knox und fand es wahnsinnig spannend zu sehen, wie ich selber den Fall wahrgenommen und verfolgt habe.

Mit welchem Vorwissen bist du an den Dreh gegangen?
Man meint schnell, ein Thema intensiv verfolgt zu haben. Tatsächlich surft man aber im Café mit dem Smartphone im Internet und liest nur Überschriften und ein paar Zeilen. Abends sitzt man dann mit ein paar Kumpels beim Bier zusammen und tauscht sein gefährliches Halbwissen aus. Ich bin an den Film mit einer vorgefertigten Meinung rangegangen und hatte mir mein eigenes Bild des Falles konstruiert. Ich war selber total verführbar und anfällig für diesen Mordfall.

Warum ist deiner Meinung nach dieser Mordfall so faszinierend und beschäftigt die Menschen so sehr, dass er sogar ins Kino kommt?
Der Fall ist eine Mischung aus Gossip, Medien und Hype. Zum einen ist da das Setting des Falls: in der wunderschönen Toskana unter Studenten, die gerade die beste Zeit ihres Lebens verbringen. Ebenso faszinierend ist, dass wir heute, trotz aller Technik und CSI-Methoden, nicht eindeutig sagen können und erfahren werden, wer nun wirklich der Mörder war. Der Fall bleibt unklar.

"Mit Cara Delevingne wird jedes Dorf zur Partymeile"

Mehr als 400 Journalisten verfolgten den Prozess. Kann der Film auch als Kritik gegen die heutzutage allgegenwärtigen Medien angesehen werden?
Ja, absolut. Interessant an dem Fall ist, dass die Geschichte des Opfers medial nicht betrachtet wurde. Es ist ebenso eine Geschichte davon, wie schnell Meinungen anhand von Medien und Hypes vorgefertigt werden können. Ein aktuelles Beispiel wäre das "Stinkefinger"-Video des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis. Das verfolge ich auch gespannt.

Ihr habt in Siena gedreht. Entspricht das der Party- und Studentenstadt, die im Film gezeigt wird?
Wenn man Cara Delevingne dabei hat, wird jedes Dorf zur Partymeile (lacht)! Wir haben bei den Dreharbeiten Siena wirklich auf den Kopf gestellt und einige Szenen sind auf Studentenpartys vor Ort gedreht worden. Siena ist eine wahnsinnig studentische Stadt und ich glaube, das kommt auch im Film atmosphärisch gut rüber.

Du hast mit Quentin Tarantino gearbeitet, Niki Lauda in "Rush" verkörpert und im Blockbuster "Inside Wikileaks" mitgewirkt – wie sehen deine nächsten Projekte aus?Einer der nächsten großen Filme ist "Ich und Kaminski" von "Good-Bye, Lenin"-Regisseur Wolfgang Becker. Ich habe "Die Frau in Gold" mit Helen Mirren und Ryan Reynolds gedreht. Eine Restaurantkomödie mit Bradley Cooper folgt und man wird mich mit Emma Watson in "Colonia" in diesem Jahr ebenfalls noch in den deutschen Kinos sehen.


UNICUM Filmtipp

"Die Augen des Engels" handelt vom realen Fall um die Studentin Amanda Knox, die beschuldigt wurde, am Mord ihrer Mitbewohnerin Meredith Kercher während eines Auslandsaufenthalts in Italien 2007 beteiligt gewesen zu sein.

Thema ist ein Film im Film – Regisseur Thomas (Daniel Brühl) reist nach Italien, um den bekannten und brisanten Mordfallzu verfilmen. Er möchte am Ort des Geschehens drehen, an dem auch der Gerichtsprozess stattfinden soll. Gemeinsam mit der Journalistin Simone (Kate Beckinsale) recherchiert er zum Fall und wird derart von ihm in den Bann gezogen, dass sein ganzes Projekt ins Wanken gerät. Als er die geheimnisvolle Studentin Melanie (Cara Delevingne) trifft, nimmt alles eine neue Wendung ...

- Concorde Video, seit dem 17. Dezember 2015 auf DVD und Blu-ray

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