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05. Nov 2014

Denise Haberger

Archiv

Doppelstudium – internationale Studiengänge

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Zwei Hochschulen, zwei Abschlüsse

Parallelstudium in Frankreich und Deutschland

Emilia von Mettenheim hat zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die 24-Jährige entschied sich für einen so genannten integrierten internationalen Studiengang mit Doppelabschluss an der Deutsch-Französischen Hochschule (DFH). An der Uni Potsdam und der Université de Nanterre Paris studierte sie Jura mit Schwerpunkt Völkerrecht. Gerade bereitet sich Emilia auf das deutsche Staatsexamen vor, den Bachelor aus Frankreich hat sie schon in der Tasche.Mit der "Grande Nation" verbindet Emilia viel. Als Kind lebte die bereits für einige Jahre in Paris, zurück in Berlin machte sie ihr Abitur an einem französischen Gymnasium. "Danach war es die logische Weiterführung, aus dem doppelten Schulabschluss ein zweisprachiges Studium werden zu lassen", begründet Emilia ihre Entscheidung für die DFH.

Sie informierte sich bei einem Berufsberater, sprach mit dem leitenden Professor in Potsdam und schrieb sich danach direkt an der deutschen Uni ein. "Dieser Studiengang hat mir die Möglichkeit gegeben, innerhalb des Studiums auch mal im Ausland und mit französischen Studenten gemeinsam zu studieren. Das ist in einem deutschen Jurastudium nicht unbedingt an der Tagesordnung. So habe ich die Zeit gut genutzt."

Doppelstudium mehr Aufwand, aber auch mehr Nutzen

Für die Studenten sind binationale Studiengänge natürlich aufwendiger als ein einzelnes Studium. "Wir haben doppelt so viel wie die deutschen Freunde an der Uni lernen müssen. Es ist eben ein Parallelstudium", erzählt Emilia. Sie studierte sowohl das deutsche als auch das französische Rechtssystem. Neben den regulären Seminaren fanden in Deutschland Kurse auf Französisch, in Frankreich auf Deutsch statt. Auch die Prüfungen gab es in doppelter Ausführung. "Für mich hat es sich aber gelohnt", sagt Emilia. Die sprachliche Hürde war für sie kein Problem, viele ihrer Kommilitonen mussten allerdings französische Rechtssprachkurse besuchen.

Die erste Etappe hat sie mittlerweile erfolgreich beendet. 2008 ging sie für ein Jahr nach Paris und traf dort ihre französischen Kommilitonen wieder, die zuvor in Deutschland studierten. Finanziell unterstützt wurde sie von der DFH, durch ein Erasmus-Stipendium und Wohngeldzuschuss vom französischen Staat. "Das entlastet natürlich sehr. Denn Paris ist sehr teuer", sagt Emilia. Auch ein Job wäre nebenbei nicht möglich gewesen, die Arbeitsbelastung war extrem hoch.

Mehrere mögliche Arbeitsorte

An das französische Lehrsystem musste sie sich erst gewöhnen. "Man muss erst mal die Wichtigkeit einer Vorlesung schätzen lernen. Denn die Professoren diktieren ihren Unterricht. Den schreibt man mit und lernt ihn auswendig. Man sucht sich keine Bücher zu dem Thema heraus und liest das nach, dazu hat man keine Zeit", erklärt Emilia. Für den Bachelor musste sie insgesamt 22 Prüfungen schriftlich oder mündlich abgelegen. "Ich hatte in Paris das Gefühl, an mein Limit zu stoßen. Aber weil es den anderen ebenso geht, erscheint diese Zeit einem am Ende als ganz normal", erinnert sich Emilia.Vor dem deutschen Staatsexamen, der angeblich schwersten Prüfung der Welt, hat sie nun nicht mehr so viel Angst: "Jetzt habe ich immerhin das Gefühl, das schon mal durchgemacht zu haben. In Paris habe ich gelernt, die Aufregung unter Kontrolle zu halten und vor allem ruhig an die Sachen heranzugehen." Zudem nimmt ihr der schon erworbene Abschluss ein bisschen den Druck: "Falls es mit dem Examen nicht klappen sollte, kann ich mit dem Bachelor aus Frankreich ja auch hier in Deutschland einen Master machen."

Wie es nach ihrer Prüfung weitergehen soll, weiß Emilia noch nicht: „Nach dem Examen möchte ich erst einmal drei Monate richtig Pause machen und um die Welt reisen. Danach muss ich mich endlich entscheiden: 2. Staatsexamen, Master oder vielleicht doch etwas ganz anderes.“ Mit ihrem Abschluss könnte sie auch in Frankreich als Anwältin arbeiten, müsste vorher aber noch eine Zusatzqualifikation erlangen. "Vor allem auf dem Gebiet des Handelsrechts gibt es viele französische Kanzleien, die gerade deutsche Juristen einstellen, genauso geht es auf der deutschen Seite", erklärt sie. Dennoch wird Frankreich wohl nicht das nächste Ziel. "Wahrscheinlich eher hier oder ganz woanders. Ich würde gerne noch mal ganz weit weg. Wie ich mich kenne, komme ich dann doch immer wieder nach Deutschland zurück."


Fakten zum Doppelabschluss

So funktioniert’s

Praktischerweise gibt es zur Erfahrung in der Ferne auch gleich zwei Abschlüsse dazu: den der heimischen Uni und den der Partneruni. Das ist möglich, weil die deutsche Hochschule mit der Hochschule im Ausland einen gemeinsamen Studiengang entwickelt. Dabei ist genau geregelt, welcher Teil des Studiums an welcher Hochschule absolviert wird. Bei vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Bachelor-Studiengängen sind mindestens zwei Auslandssemester, in Masterstudiengängen mindestens ein Semester Pflicht. Die Abschlussprüfungen werden in den jeweiligen Ländern abgelegt.

Internationale Kooperation

Ein klassisches Beispiel für Doppelabschlussprogramme ist die Deutsch-Französische Hochschule. Dort sind derzeit rund 6 000 Studenten eingeschrieben. Der Verbund aus Hochschulen in Deutschland und Frankreich fördert gemeinschaftliche Studiengänge, um so die Hochschulbeziehungen der beiden Länder zu stärken. Darüber hinaus gibt es aber auch zahlreiche Kooperationen mit anderen Ländern. Der DAAD fördert derzeit 131 Studiengänge: 38 Bachelor- und 93 Masterstudiengänge.

Vorteile

Bei einem Studiengang mit Doppelabschluss gibt es keine Probleme mit der Anerkennung von Studienleistungen. „Außerdem ist ein effizienter Auslandsaufenthalt ohne Studienzeitverlängerung integriert“, erklärt Claudia Wolf, Leiterin des Referats „Internationalisierung von Studium und Lehre“ beim DAAD.Gut für die KarriereMit so einem Studium erhöhen Studenten ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. „Die Absolvierenden haben bewiesen, dass sie den Anforderungen zweier Hochschulen entsprochen und praktische Erfahrungen in zwei Sprach- und Kulturräumen gewonnen haben“, so Wolf. „Auslandserfahrung wird generell von Arbeitgebern geschätzt, eine echte Doppelqualifikation ist ein zusätzliches Plus.“ Wer eine internationale Karriere anstrebt, sollte sich diesen Schritt überlegen.

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