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02. Mär 2012

Andreas Andreas Monning

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E-Learning-Plattform iversity: gut vernetzt

-ARCHIV-

Start-up revolutioniert E-Learning an Hochschulen

Modernes Netzwerk

Wenn Christina von Obstfelder ihren Studierenden neue Unterlagen zukommen lassen will, kann die Tutorin dies in Sekundenschnelle tun – und das, obwohl sie den rund 600 Kommilitonen des Studiengangs Erziehungswissenschaften nie persönlich gegenübertritt. "Ich habe für das Tutorium eine Seite bei iversity eingerichtet. Jetzt gehe ich kurz online, setze im Online-Tutorium einen Link oder lade ein Dokument hoch, fertig", freut sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Jena.

Das hochschuleigene Netzwerk der Uni Jena erwies sich zuvor als zu veraltet und unpraktisch, andere Angebote als zu teuer. Die 24-Jährige hält das neue Netzwerk für geradezu ideal: "Iversity ist gratis und genügt trotzdem allen Ansprüchen an das Web2.0." Man könne sich spielend leicht selbstregistrieren und seine Identität mit einem Bild versehen. So entstünde trotz virtueller Kommunikation eine persönliche Note.

Über aktuell hochgeladenes Material auf der Seite werden die Teilnehmer per E-Mail informiert.Und PDFs lassen sich online von allen registrierten Teilnehmern gemeinsam bearbeiten und mit Kommentaren oder Fragen versehen. "Vorher musste ich mit jedem Kommilitonen einzeln kommunizieren. Jetzt postet einer die Frage direkt ins Dokument, ich poste die Antwort, und alle sind versorgt", freut sichdie junge Tutorin. Lediglich die Möglichkeit, einen zweiten Administrator anzumelden,vermisst Christina von Obstfelder.

Ziel: 100.000 Nutzer an 1.000 Hochschulen

Mit ihrem Wunsch hat die Jenaer Studentin bei Jonas Liepmann, dem Gründer des Hochschulnetzwerkes iversity, offene Türen eingerannt. "Wir sind dankbar für jede Rückmeldung, die wir von den Nutzern bekommen",versichert der 29-jährige Berliner, der mittlerweile einer der Geschäftsführer ist. Mit aktuell über 30.000 Registrierungen werde iversity sehr gut angenommen, befinde sich aber nach wie vorim Aufbau und lebe davon, dass User ihre Verbesserungsvorschläge mitteilen. 

Ein Team aus 17 Personen und eine siebenstellige Finanzierung aus Mitteln der Europäischen Union sowie des Landes Brandenburg ermöglichen die stetige Weiterentwicklung. Auf häufigen Wunsch habe man beispielsweise die Einbindung von Videos ermöglicht. Gegenüber anderen Plattformen hat iversity entscheidende Vorteile, ist Jonas Liepmann überzeugt: "Unser Netzwerk steht jedem Wissenschaftler und Studierenden kostenlos zur Verfügung, außerdem ist es das einzig hochschulübergreifend eNetzwerk."

Lebenslanges Lernen möglich

Bei einem Hochschulwechsel behält man Zugriff auf sein Material, was der Idee des lebenslangen Lernens Rechnung trägt. "Social Reading" beispielsweise, also das gleichzeitige Bearbeiten von Texten und Bildern, ermögliche zudem die Zusammenarbeit von Teams. Von Letzterem hat auch Rolf von Lüde, Wirtschafts-und Sozialwissenschaftler an der Uni Hamburg, schon profitiert. In einem Seminar ließ der Professor vier Gruppen die Wirtschaftsstruktur Mecklenburg-Vorpommerns analysieren, der kontinuierliche Austausch lief über iversity.

"Das hat wunderbar geklappt, mit einem anderen Netzwerk wäre das nicht zu bewerkstelligen gewesen", ist von Lüde überzeugt. Der Dozent weiß, wovon er spricht, darf er sich, was wissenschaftliches Arbeiten mit Netzwerken betrifft, doch zu den Pionieren zählen. Über das interne System der Uni Hamburg kündige er lediglich noch Veranstaltungen an, mehr nicht: "Veraltet, unpraktisch, auf die eigene Hochschule beschränkt, dazu immer wieder Abstürze – das kann iversity besser."

 Doch auch bei iversity hat von Lüde noch Wünsche anzumelden. "Ich würde gerne herausfinden, welche Kollegen themengleiche Seminare anbieten, um mich mit ihnen auszutauschen." Die erweiterte Suche, Verknüpfungen mit Facebook und mit bestehenden Systemen der Unis, persönlichere Profile. "All das steht auf unserer To-do-Liste", versichert Jonas Liepmann. Bei so viel Lernbereitschaft stehen die Chancen gut, dass iversity das Ziel von 100.000 Nutzern an 1.000 Hochschulen dieses Jahr tatsächlich erreicht.


Über Iversity

  • Seit dem Wintersemester 2011 gibt es neben Angeboten wie Moodle oder Opal unter www.iversity.org eine neue Mischung aus sozialem Netzwerk und Lernplattform.
  • Hinter dem Gratis-Angebot steht ein Start-up aus Neuenhagen bei Berlin.
  • Zum Team gehören Entwickler und Programmierer aus Deutschland, Litauen, Indien und Ungarn.

 

 

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