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29. Mär 2013

Luise Sammann

Archiv

Ein Kamel namens Audi

-ARCHIV-

Gibt's wirklich: Kamel-Wrestling

Sein "Audi TT" ist für Haldun unverkäuflich

Ein Blick auf türkische Straßen sagt alles: Ob Mercedes, BMW oder Volkswagen – die Türken mögen deutsche Autos! Haldun Cirit, Verwaltungsstudent aus Burhaniye, macht da keine Ausnahme. Neun Jahre alt ist sein Audi TT. Gehegt und gepflegt mit viel Liebe und Fleiß. 50.000 Euro wollte ein Liebhaber letztens dafür auf den Tisch legen. Ein Vermögen, nicht nur für türkische Studenten. Aber der 22-Jährige schüttelte nur mit dem Kopf: "Unverkäuflich!" Halduns Audi TT – das muss man wissen – ist kein Auto, sondern ein Kamel. Ein Dromedar, um genau zu sein. Ein Kamel mit einem Höcker also.

Genau wie Haldun lebt es im Westen der Türkei. Da, wo endlose Olivenhaine die Straßen säumen, wo der türkische Raki am besten schmeckt und die türkischen Mädchen die schönsten sind. In Burhaniye, einem kleinen Ort keine vier Kilometer vom Meer entfernt, hat Halduns Familie einen ganzen Stall voller Kamele. Nicht etwa zum Arbeiten. Nein, die Kamele sind ihr Hobby. Es sind Kampf-Kamele.

Zwischen Dezember und März ist die Zeit der Kamel-Wrestling-Liga

Wenn sie im Winter brunftig werden – in der Paarungszeit also – beginnen männliche Kamele zu wrestlen. Der Hengst, der es zuerst schafft, den Kopf des Gegners auf den Boden zu drücken oder ihn gar ganz umzuschmeißen, der hat bei der Damenwahl die Nase vorn. Im Westen der Türkei ist daraus im Laufe der Jahrhunderte eine ganze Kamel-Wrestling-Liga entstanden. Jedes Jahr zwischen Dezember und März treffen sich Hunderte türkische Kamelbesitzer und lassen ihre besten Tiere im Ringen, Schubsen und Brüllen gegeneinander antreten. Audi TT hat es dabei längst zu landesweitem Ruhm gebracht.Das hat er wohl vor allem der fürsorglichen Pflege von Haldun zu verdanken. Der bewegt sich zwischen den Kamelen seines Vaters wie Mogli im Dschungel. Er kennt die Tiere, ihre Macken und ihren muffigen Geruch, der in seiner Lederjacke hängt, wie bei seinen Kommilitonen das Parfüm.

Damit das auch so bleibt, studiert Haldun seit letztem Jahr an der Fernuni. Während des Semesters getrennt von seinen Kamelen zu sein, eine Fernbeziehung mit Audi TT zu führen – undenkbar! Geld verdient er damit nicht, den Uniabschluss in Verwaltungswesen will er deswegen unbedingt schaffen. Die Preisgelder, die Audi TT beim Kamel-Wrestling bisher eingebracht hat, decken gerade mal Transport und Pflege. Aber was soll’s: "Manche Leute fahren luxuriöse Autos und geben ihr ganzes Geld für einen schönen Wagen aus. Wir hier haben vielleicht kein schönes Auto – aber dafür ein gutes Kamel."

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