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25.01.2017

Exzellenzinitiative

Exzellenzstrategie: Spitzenforschung für alle oder Elitenförderung?

Seit mehr als 10 Jahren stärkt die Exzellenzstrategie (ehemals Exzellenzinitiative) Spitzenforschung in Deutschland und zeichnet Hochschulen als sogenannte "Elite-Unis" a ... mehr »

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16. Dez 2011

Anke-Elisabeth Schoen

Archiv

Exzellenzinitiative – Auf dem Weg zur Elite

-ARCHIV-

Förderung und mehr Geld für die Hochschulen

Was ist die Exzellenzinitiative?

Bei der Exzellenzinitiative ist der Name Programm: Der lateinische Ursprung "excellentia" steht sowohl für eine herausragende Leistung und Qualität als auch für eine herausgehobene Stellung. Mit "excellence" werden in der französischen Sprache ausgezeichnete Leistungen und hohe Würdenträger in Staat und Kirche bezeichnet.

Die Exzellenzinitiative ist eine gemeinsame Kooperation des Bundes und der Länder. Sie soll Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen fördern. Sie wurde bereits 2005/06 ins Leben gerufen. Die Förderlinie "Zukunftskonzepte" soll die Gesamtuniversität, mit Exzellenclustern sollen ein bestimmter Forschungszweig und mit einer Graduiertenschule Doktoranden in einem breiten Wissenschaftsgebiet gefördert werden. Wenn es sich um eine außeruniversitäre Forschungsorganisation handelt, so wird diese durch den Pakt für Forschung und Innovation unterstützt.

Bei der Exzellenzinitiative steht die Förderung von Zukunftskonzepten im Vordergrund. Die Lehre an den Hochschulen spielt dabei kaum eine Rolle. Nur in der Förderlinie "Graduiertenschule", in der es auch um die Doktorandenausbildung geht, wird sie in untergeordneter Position berücksichtigt. Eine Universität muss außerdem nicht auf ganzer Linie "exzellent" sein, sondern lediglich in einem speziellen Gebiet brillante Forschungsergebnisse vorweisen können.

Um gefördert zu werden, müssen die Universitäten ein mehrstufiges Antrags- und Begutachtungsverfahren durchlaufen. Internationale Gutachter bewerten die Qualität der eingereichten Antragsskizzen. Ein gemeinsames Gremium, bestehend aus der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und des Wissenschaftsrats beraten sich über die Aufforderung zur Antragsstellung und schließlich über die endgültige Entscheidung. Dabei werden auch die Empfehlungen der Gutachter berücksichtigt.

Ziele

Die Exzellenzinitiative soll das Profil der Universitäten schärfen und den Grad der Internationalisierung steigern. Außerdem dient sie dazu, interdisziplinäre Forschungsvorhaben zu fördern. Weitere Ziele sind eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit und der Qualität der Forschung. Mit den Schulen und Clustern werden neue Strukturen und Organisationsformen etabliert. Des Weiteren sollen exzellente Wissenschaftler für den Hochschulbereich Deutschland gewonnen werden. Auch die Gleichstellung spielt eine zentrale Rolle innerhalb der Initiative. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird als förderungswürdig eingestuft. Ferner werden Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in der Wissenschaft ergriffen.

Zukunftskonzepte

Mit den zusätzlichen Geldern soll der Wissenschaftsstandort nachhaltig gestärkt und seine internationale Wettbewerbsförderung verbessert werden. Bei der Förderlinie "Zukunftskonzepte" werden Universitäten mit jeweils 21 Millionen pro Jahr zusätzlich gefördert.

Graduiertenschulen

Für die Graduiertenschulen stehen jährlich 1 Million Euro zur Verfügung, Exzellenzcluster werden mit 6,5 Millionen bezuschusst. Die Graduiertenschule ist an die Universität angegliedert, die ebenfalls eigene Vorlesungen und Seminare anbietet. Sie dient in erster Linie der Doktorandenförderung und somit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Die Graduiertenschulen kooperieren auch mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen, besonders mit Partnern aus Industrie und Wirtschaft. Aber auch mit Museen, Archiven, Sammlungen und Stiftungen. Für gewöhnlich gehören Forscher der außeruniversitären Einrichtungen ebenfalls zum Kreis der beteiligten Wissenschaftler. Die Partner bieten den Promovierenden darüber hinaus zusätzliche Ressourcen in Form von Praktika oder Schulungsmaßnahmen an.

Exzellenzcluster

Bei einem Exzellenzcluster steht die wissenschaftliche Forschung zu einem breiten Themenkomplex im Vordergrund. Wissenschaftler forschen zu einem gesellschaftlichen oder wirtschaftlich relevanten Thema. Dabei werden auch Kooperationen mit ausländischen Partneruniversitäten vereinbart. Der Zeitraum, in dem die Förderung bewilligt wird, soll fünf Jahre nicht überschreiten.

Was bisher geschah

In der ersten Runde (2006) wurden in der Förderlinie "Zukunftskonzept" drei Universitäten ausgewählt: Die LMU München, die TU München und die Universität Karlsruhe. In den beiden anderen Förderlinien wurden 18 weitere Universitäten mit Geldern in Millionenhöhe bedacht. Bei der zweiten Runde (2007) der Exzellenzinitiative wurde die RWTH Aachen, die FU Berlin, die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, die Universität Göttingen, die Universität Heidelberg und die Universität Konstanz für die Förderlinie ausgewählt. Auch hier werden zusätzlich Graduiertenschulen und Exzellenzcluster gefördert.

Die dritte Runde

Bund und Länder halten nach wie vor an der Exzellenzinitiative fest. Schon 2009 wurde die Fortschreibung der Exzellenzinitiative unterzeichnet. Das Fördervolumen wurde um 30% auf 2,7 Milliarden erhöht, die Initiative läuft noch bis 2017. Im März 2010 wurde das dritte Auswahlverfahren für die Exzellenzinitiative eingeläutet. Dem DFG lagen 227 Projektskizzen von 65 Hochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet vor. In die nächste Phase haben es 32 Hochschulen mit 59 Antragsskizzen geschafft. Besonders aussichtsreich sind die Anträge der Länder Berlin, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

Kritik an der Exzellenzinitiative

Wenn manche Universitäten besonders brilliant sind, werden andere Universitäten automatisch herab gestuft. Kritiker befürchten eine dauerhafte Aufspaltung in zwei Universitätstypen: Die einen fokussieren sich auf den Bereich Forschung, die anderen auf den Bereich Ausbildung und Lehre. Diese Entwicklung würde zusätzlich durch die Bologna-Reform gefördert, in dem die Masse den Bachelor macht und die Klasse einen Master. Außerdem blieben im Zuge der Exzellenzinitiative die Geisteswissenschaften auf der Strecke. Obwohl in ihnen ungefähr doppelt so viele Studierenden eingeschrieben sind, bekommen Sie im Vergleich zu den Natur- und Ingenieurwissenschaften nur die Hälfte der Gelder.

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