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31. Aug 2015

Simon Sperl

Archiv

Heute bin ich Samba

-ARCHIV-

Die französische Komödie erscheint ab 11. September auf DVD, Blu-ray und VoD

Vom Tellerwäscher zum flüchtigen Flüchtling

Bereits seit zehn Jahren lebt der Senegalese Samba (Omar Sy) in Paris. Allerdings als illegaler Einwanderer. Sein Leben finanziert er mit seinem Job als Tellerwäscher in einem großen Nobelrestaurant. Als sich die Möglichkeit auf eine Anstellung als Restaurantkoch bietet, versucht er eine Aufenthaltsgenehmigung  zu bekommen. Prompt landet er in Abschiebehaft. In dieser Situation bleibt Samba nichts anderes übrig, als auf die Hilfe von Manu (Izïa Higelin) und Alice (Charlotte Gainsbourg) zu setzen. Diese engagieren sich ehrenamtlich in einer sozialen Einrichtung für Flüchtlinge und illegale Einwanderer. Alice – Karrierefrau mit Burnout – soll Samba betreuen, hält sich jedoch nicht an Manus Warnung, Distanz zu wahren. So entwickelt sich Nähe zwischen den beiden, wo keine entstehen sollte.

Aller Hilfe zum Trotz wird Samba die Aufenthaltsgenehmigung verweigert, so dass er Frankreich innerhalb von 72 Stunden verlassen muss. Samba taucht unter und lebt von diesem Zeitpunkt an noch anonymer als zuvor. Nur mit gefälschten Ausweisen und schlecht bezahlten Tagerlöhnerjobs kann er sich noch über Wasser halten. Stets von der Sorge begleitet, erneut aufgegriffen und endgültig abgeschoben zu werden. Unterstützung erhält er allein vom „Braslilianer“ Wilson (Tahir Rahim), der mit ihm als Illegaler auf Arbeitsuche geht. Beide drohen in der Anonymität der gefälschten Ausweise und Identitäten letztendlich ihre wahre, eigene Identität zu verlieren.

Als wären seine Probleme nicht groß genug, hintergeht Samba Jonas (Issaka Sawadogo), mit dem er sich in der Abschiebehaft anfreundete. Als Jonas ihn damit konfrontiert, eskaliert der Streit in einer blutigen Schlägerei mit Auswirkungen auf Sambas gesamtes Leben…

Ein ziemlich gutes Paar mit kleinen Schwächen

Toledano und Nakache greifen in ihrem neuen Film auf das Mittel zurück, das bereits "Ziemlich beste Freunde" auszeichnete – die Mischung komischer und tragischer Elemente. So zum Beispiel als Samba, gerade aus der Abschiebehaft entlassen, neben einem startenden Flugzeug entlang rennt und ruft, dass er mitgenommen werden möchte. Es ist diese Art des Humors, die die bitteren Momente und die Realität erträglicher macht. 

Allerdings hat der Film auch so seine Schwächen: einige Szenen sind zu rührselig und die Handlung ist zu vorhersehbar. Letztendlich sind es einfach auch zu viele Themen, die behandelt und in Einklang gebracht werden wollen: die Integration und das Leben illegaler Einwanderer in der Anonymität mitten in der französischen Gesellschaft, Identitätskrisen sowie Liebe und Verrat.

Insgesamt ist "Heute bin ich Samba" dennoch sehenswert. Das liegt vor allem an den überzeugenden Leistungen der Hauptdarsteller. Omar Sy brilliert als Samba: er verleiht seiner Rolle Charme und Charisma, zeigt aber gleichzeitig auch Widersprüche und Schwächen. Auf der anderen Seiten Charlotte Gainsbourg: die dünnhäutige und unsichere Alice, der man die Karrierefrau mit psychischen Problemen abnimmt. Großartig ist die Anspielung auf ihre letzte Rolle in Lars von Triers "Nymphoniac" als sie die Nebenwirkung ihres Burnouts nennt: das Verlangen nach Sex. Die beiden Regisseure führen zwei extreme Charaktere zusammen, die dann am Ende doch zu schnell aus der Handlung entlassen werden. Und das obwohl der Film zwei Enden besitzt.


UNICUM Filmtipp

Heute bin ich Samba

Komödie, Frankreich 2014

Regie: Éric Toledano und Olivier Nakache

Darsteller u. a.: Omar Sy, Charlotte Gainsbourg, Tahar Rahim, Issaka Sawadogo

Verleih: Senator Film Verleih GmbH

VÖ: 11. September 2015

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3.11 von 5 Sternen bei 196 Bewertungen.

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