Anke Eißmann
"Escaping from the Black Riders" von Anke Eißmann | Foto: Privat
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20. Dez 2012

Barbara Kotzulla

Archiv

Hobbits als Hobby: Tolkien-Illustratorin Anke Eißmann im Interview

-ARCHIV-

Zum Kinostart von "Der Hobbit" im Dezember sprach UNICUM mit der Künstlerin

"Man ist nicht alleine mit seiner Begeisterung"

UNICUM: Zum Kinostart des "Hobbit"-Films sind Tolkiens Werke populär wie nie. Warum üben sie eine solche Faszination aus?
Anke Eißmann: Es hat sicherlich damit zu tun, dass diese Welt, die Tolkien erschaffen hat, so detailliert und vielschichtig ist, dass sie die Leser auf unterschiedliche Art und Weise anspricht. Jeder findet seine Nische. Es wird den Werken ja immer wieder Eskapismus vorgeworfen, die Fans flüchten alle nur vor der Realität – aber es ist ganz gut, wenn man so einen Ausgleich hat. Ich habe festgestellt, dass viele Leute, die sich sehr intensiv mit Tolkien beschäftigen, die Realität – was auch immer das ist – reflektierter betrachten.

Letztendlich geht es um universelle Dinge, wie zum Beispiel den ewigen Kampf "Gut gegen Böse" …
Genau, und heutzutage werden auch die ökologischen Aspekte wichtiger. Ich will jetzt nicht sagen, dass man Tolkien als Öko bezeichnen kann, aber er hatte da schon ein gewisses Denken, was zum Beispiel die Industrialisierung anbetrifft, oder eben eine ablehnende Einstellung zum Krieg, weil er das einfach alles miterlebt hat. Es ist gut, sich mit so etwas zu beschäftigen – auch auf eine derart gefilterte Art. So etwas inspiriert ungemein.

Du bist durch den Zeichtrickfilm von Bakshi zum ersten Mal auf "Herr der Ringe" aufmerksam geworden. Was hat dich damals daran gereizt?
Die Tatsache, dass der Bakshi-Film die Geschichte nicht zu Ende erzählt, hat mich zu den Büchern gebracht, weil ich einfach wissen wollte, wie es ausgeht. Ich habe den ersten Teil fast direkt im Anschluss gelesen und vieles aus anderen Büchern wiedererkannt. Als Kind habe ich zum Beispieldie Werke von Astrid Lindgren oder Ottfried Preußler geliebt, und viele Sachen, die mich daran fasziniert hatten, kamen auch im "Herr der Ringe" vor, aber im Gesamtpaket – das fand ich toll. Außerdem habe ich herausgefunden, dass ich darin eine künstlerische Inspiration finde. Damals als Teenager habe ich sehr viele Pferde gezeichnet – wunderbar, die gab es auch im "Herr der Ringe". Dann kamen irgendwann die Menschen, die Landschaft und die Architektur dazu. Und man kam auch mit anderen Fans ins Gespräch: das war schön, weil man zum einen Feedback bekam und zum anderen merkte, dass man nicht alleine mit seiner Begeisterung ist.

"Ehrlich gesagt bin ich kein Fan der Filme"

Und heute?
"Der Herr der Ringe" hat zwar ein Happy End, aber es ist doch ein relativ düsteres Ende. Nach den letzten Seiten setzt dann immer ein Blues ein, gegen den es nur ein Heilmittel gibt: Entweder von vorne anfangen oder alles andere lesen, was es noch von Tolkien gibt, wie zum Beispielden "Hobbit" oder das "Silmarilion". Das hat sich dann bei mir festgesetzt.

Apropos "Festsetzen": Ist es heutzutage nicht schwer, eigene Tolkienbilder zu gestalten, wo wir doch die Szenen aus dem Film so deutlich vor Augen haben?
Ich hatte das Glück, dass ich zehn Jahre vor den Filmen sowohl die Bücher von Tolkien gelesen, als auch während des Studiums mit dem Illustrieren angefangen habe. Meine eigene Version war gefestigt. Und, ich gebe es offen zu: Ich bin kein Fan dieser Verfilmungen. Es gibt viele Aspekte, die ich daran schätze, zum  künstlerische Arbeit. Die Making-ofs kann ich mir Nonstop angucken – die Filme nicht. Die Macher haben es sich zu einfach gemacht, was die Adaption der Geschichte anbetrifft, die haben sich zu sehr vor irgendwelchen Hollywoodklischees verbeugt. Da hätte ich mir etwas anderes gewünscht.

Bekommst du denn von Fans Feedback wie: "Das sieht aber anders aus als im Film"?
Da ich nicht nur Sachen zum "Herr der Ringe" mache, sondern auch zum Beispiel zum "Silmarilion" eigentlich relativ wenig. Was ich am häufigsten zu hören bekomme ist: "Ach, das gab’s da ja auch". Die Tolkienwelt ist ein sehr kreatives Fandom, da gibt es viele Illustrationen – und natürlich auch veröffentlichte Illustratoren, die teilweise bei den Filmen mitgewirkt haben. Da versuche ich schon Szenen und Charaktere auszuwählen, die nicht so häufig dargestellt werden.

"Das Wichtigste beim Zeichnen ist: Üben, üben, üben!"

Welche Figur zeichnest du am liebsten aus den Tolkien-Werken?
Mein Lieblingscharakter ist Faramir – wer die Filme kennt, kann verstehen, dass mir diese auch deswegen nicht besonders gut gefallen. Und ich mag die Hobbits sehr gerne, weil ich finde, dass die sehr nah an uns dran sind.

Wenn ich als Kunst-Null einen Hobbit malen will: Worauf muss ich achten?
Es kommt natürlich ein wenig auf den Anspruch an, sprich: ob es eher ein Comic- oder ein naturalistischer Hobbit werden soll. Dann hat Tolkien zu den Hobbits einiges gesagt, das sollte man sich noch einmal gründlich durchlesen. Ich arbeite ja als Kunstlehrerin und sage meinen Schülern immer wieder: Sucht euch Vorlagen. Bei Hobbits fällt mir auf, dass sie – selbst, wenn sie naturalistisch sein sollen – immer ein wenig ins Comichafte gehen. Die Füße sind immer etwas zu groß, die Proportionen stimmen nie ganz. Ich stelle sie mir dabei eigentlich wie kleine Leute vor. Das Wichtigste beim Zeichnen ist aber: Üben, üben, üben!

Deine Illustrationen sind meist Aquarell-Zeichnungen, warum?
Zum einen geht relativ schnell und man muss nicht die ganze Zeit Terpentine einatmen. Ich mag auch die Tatsache, das Aquarell ein wenig unberechenbar ist. Es macht oft, was es will. Gerade, wenn man mit mehr Wasser arbeitet, verläuft die Farbe viel. Man kann das zwar ein wenig beeinflussen, aber man sieht am Ende immer noch, dass das Bild gemalt ist. Das finde ich für Illustrationen sehr wichtig, weil dann der Leser, der die Bilder sieht, diese akzeptieren kann, aber daneben noch die eigene Vorstellung hat. Extrem fotorealistische Kunst nimmt viel mehr Einfluss auf unser eigenes Bild. Und wenn dann da die Details nicht stimmen, ist das unangenehm. Je abstrahierter eine Illustration ist, umso mehr kann man das als Alternative zu seiner eigenen Fantasie ansehen.

Also sind deine Illustrationen mehr als eine Anregung zu verstehen?
Genau. Natürlich habe ich schon den Anspruch, alles authentisch darzustellen und so, wie es im Buch beschrieben ist. Da müssen dann auch die die Kostüme sowie die Waffen und Rüstungen stimmen. Es gibt viel Tolkien-Kunst, die dieses "Heroic Fantasy“-Klischee erfüllt. Da sieht man einige Herren, die leichtbekleidet ohne Polsterung unter dem Kettenhemd da stehen. Aber wenn man das selber einmal anhatte, dann weiß man, dass ein Kettenhemd auf nackter Haut nicht geht (lacht).

Du begeisterst dich neben Kostümen auch für Rollenspiele. Haben sich diese Hobbies aus deiner Tolkien-Begeisterung heraus entwickelt?
Das mit den historischen Kostümen wäre sicherlich so gekommen. Und ins Rollenspiel bin ich eigentlich über "Star Wars"gekommen (lacht). Aber natürlich gibt es auch Mittelerde-Rollenspiele, also konnte man da gleich weitermachen. Das hätte sich wahrscheinlich auch alles ohne "Herr der Ringe"so entwickelt.

Gibt es ein Ziel, das du mit deinen Tolkien-Illustrationen erreichen willst?
Also, wenn der Verlag Harper Collins mich um die Illustration eines Buches bitten würde, dann würde ich mehr als dankend annehmen (lacht). Einige meiner Werke sind natürlich publiziert, zum Beispielvon Walking Tree Publishers, die wissenschaftliche Sekundärliteratur zu Tolkien vertreiben. Es wäre dennoch schön, wenn es eine offiziell von mir illustrierte Ausgabe geben würde. Leider ist es extrem schwer, da einen Fuß in die Tür zu bekommen.

Weil es so viele andere Illustratoren gibt?
Ja, und weil die Verlage vorsichtig geworden sind. Und gerade Harper Collins, die die Haupt-Copyright-Inhaber sind, haben natürlich berühmte Illustratoren wie Alan Lee oder John Howe an der Hand. Solange die arbeiten, ist es ganz schwer, da etwas zu kriegen. Der deutsche Verlag Klett-Cotta macht so gut wie nichts eigenes, sondern nutzt die Darstellungen aus den englischen Ausgaben.

Aber du bist eine von Deutschlands bekanntesten Tolkien-Illustratoren ...
Man ist halt übers Internet sehr bekannt, aber weniger, weil man viel publiziert. Es gibt auch nicht viele, die das in einem professionellen Stil betreiben. Natürlich gibt es in der Deutschen Tolkiengesellschaft gute Künstler, oder Leute wie Jenny Dolfen, die eben viel im Web machen. Das ist aber auch schön so: Man steht auf diese Weise Kontakt mit den Fans, und darum geht’s eigentlich – zumindest mir.

Eine Frage zwischendurch: Du total nett und bodenständig – ist es nicht merkwürdig einen Wikipedia-Eintrag zu haben?
Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wer den Eintrag gemacht hat. Das hat mich auch etwas überrascht. Aber ich find‘s nett (lacht).

 "Ich wollte mich nicht irgendwie einer Hierarchie unterordnen müssen."

Gehen wir zurück in deine Vergangenheit: Du hattest in der Schule mit deinen Lehrern das Abkommen, dass du im Unterricht zeichnen durftest, aber wenigstens aufpassen musstest. Wäre dein Leben anders verlaufen, wenn deine Lehrer weniger tolerant gewesen wären?
Ich hatte es wahrscheinlich trotzdem gemacht! Die größte Unterstützung waren aber meine Eltern, die mich immer gefördert haben und auch nicht schockiert waren, als ich etwas Künstlerisches studieren wollte. Außerdem hatte ich das Glück, dass ich in der Schule einen guten Kunst-LK hatte. Da wurde nicht gesagt: "Fantasy geht gar nicht." Das war an der Uni anders, aber da habe ich dann teilweise einfach komplett andere Sachen gemacht.

War damals Fantasy an der Uni verpönt?
Das hat sich mittlerweile wahrscheinlich geändert, aber als ich vor 15 Jahre mein Studium in Weimar begonnen habe, galt im ganzen akademischen Bereich Fantasy als trivialer Abklatsch. Das war nichts, womit man sich wissenschaftlich oder künstlerisch beschäftigte – oder sein Geld verdiente, obwohl es damals schon viele bekannte Illustratoren in diesem Genre gab. Aber auch Illustrationen an sich galten damals nicht als Kunst, höchstens als Gebrauchskunst – dieser Makel heftet der Kunstform auch noch heute an. Auf der einen Seite hat man die freie Kunst, die Fine Arts. Auf der anderen Seite die Illustration. Das ist ein Unterschied, den ich und viele andere nicht sehen. Ich habe meine Illustrationen schon in Galerien ausgestellt, und man kann auch Kunstwerke zum Illustrieren verwenden.

Sind Illustrationen im Zeitalter des Comicbooms nicht mittlerweile besser angesehen?
Da hat sich schon etwas getan. Aber es hängt natürlich davon ab, mit wem man redet. Auch im Bereich Fantasy gibt es ja mittlerweile ganze Lehrstühle, die sich zum Beispielmit Tolkien beschäftigen. Von der Deutschen Tolkiengesellschaft treffen wir uns ebenfalls einmal im Jahr für ein internationales wissenschaftliches Seminar. Das alles wäre vor 20 Jahren nicht möglich gewesen oder nur als kleine Nischenveranstaltung.

Du hast ja zuerst Visuelle Kommunikation in Weimar studiert, dann warst du für ein Grafikdesignstudium in England …
Nach England bin ich durch ein Auslandssemester gekommen. Ich wollte eigentlich von Anfang an in Richtung Illustration gehen, aber das gab es an meiner Uni in Deutschland nicht. Hier habe ich fast nur Video und Trickfilme gemacht. Nach meinem Abschluss in Weimar habe ich dann noch ein Jahr in England drangehängt und Grafikdesign studiert. Danach habe ich überlegt: "Was machst du jetzt? Schön während meines Studiums habe ich freiberuflich gearbeitet. Aber wenn man kein Vitamin B hat, ist es sehr schwer, davon zu leben. Ich habe dann an der Volkshochschule Kurse gegeben. Da habe ich gemerkt, dass mir das Lehren an sich Spaß macht, weil man da in Kontakt mit anderen steht. Als freiberufliche Illustratorin ist man relativ für sich, hat zwischendurch höchstens mal ein Gespräch mit einem Verlag. Man macht dann das, wofür man bezahlt wird, aber irgendwie hat mir das nicht gereicht.

Du hast dich dann für eine Lehrerlaufbahn entschieden.
Bei den Kursen an der Volkshochschule musste ich auf Zack sein und mich da ständig selber weiterbilden, das hat mir gefallen. Dann wurden an meiner alten Schule Kunstlehrer gesucht. Ich hatte zwar keine pädagogische Ausbildung, das hat aber niemanden interessiert. Es gibt ja die Möglichkeit Vertretungsverträge zu vergeben. Ich bin ich dann mit einer relativ geringen Stundenzahl eingestiegen und hatte direkt die Hardcore-Klassen 7 und 9. Ich weiß gar nicht, ob heute noch so ins kalte Wasser geschmissen wird. Mir wurde einfach gesagt: "Das ist der Lehrplan, das muss irgendwie gemacht werden. Sie schaffen das schon."Ich habe dann  mehrere Jahre mit diesen Vertretungsverträgen fast voll gearbeitet und mir immer mehr angeeignet. Solche Verträge gingen aber immer nur für ein Schuljahr, in den Sommerferien war man dann arbeitslos. Ich habe mich irgendwann dann in Frankfurt an der Uni für ein Lehramtsstudium eingeschrieben, mit Englisch als Zweitfach und hatte auch eigentlich vorgehabt das durchzuziehen. Das Kunststudium haben sie mir anerkannt, dank meines Englandaufenthaltes auch einen Großteil des Englischstudiums. Ich hätte die Grundausbildung, Pädagogik, Didaktik usw. machen müssen.

Du hast also noch einmal von vorne studiert?
Nein, denn während meines ersten Semesters bin ich auf die Möglichkeit gestoßen, als Quereinsteiger mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium die berufsbegleitende Ausbildung zum Lehrer zu machen. Ich habe dann diese eine Art des verkürzten Referendariats gemacht, bestimmte Module belegt und abschließend das 2. Staatsexamen regulär nachgemacht. Und dann war noch die Frage, ob wir Quereinsteiger noch verbeamtet werden können, das musste juristisch geklärt werden, aber das ist jetzt auch möglich.  Von daher bin ich jetzt richtig Lehrer und über einen Umweg reingekommen.

Wolltest du denn nicht zum Beispiel als Grafikdesignerin in einer Agentur arbeiten?
Ich finde es gut, wenn meine Schüler aus dem Leistungskurs in Richtung Design oder Mediendesign gehen wollen. Wenn sich jemand dafür interessiert, sollen er oder sie das auch machen. Da viele Möglichkeiten, auch für eine Festanstellung bestehen. Ich wollte das aber nicht. Ich wollte schon immer meine eigene Arbeit machen. Natürlich im Auftrag, aber ich wollte mich nicht irgendwie einer Hierarchie unterordnen müssen.

Wie wichtig war der bereits erwähnte England-Aufenthalt für dich?
Super wichtig! Ich mochte England vorher schon, deshalb wollte ich gerne dahin. Das hat mich nicht nur von der Sprache-, sondern auch von der Persönlichkeitsentwicklung weitergebracht. Man lernt viel über sich selbst, man ist viel eigenständiger. Das ist schon etwas anderes, wenn man komplett auf sich gestellt ist. Für mich war es auch eine Umstellung vom Studieren her. Das Diplom-Studium in Weimar war ziemlich frei, wir haben hauptsächlich Projektarbeit gemacht und uns passende Seminare und Fachkurse ausgesucht. In England war im Bachelor-Studium dagegen richtig der Daumen drauf, da war alles vorgeschrieben, da hatte man ganz harte Deadlines. Das Studium war für drei Jahren angelegt, und wegen der wirklich hohen Studiengebühren, musste man das auch in dieser Zeit schaffen. Zum Glück wurde mein Auslandssemester von Erasmus übernommen und für das drangehängte Jahr habe ich ein Stipendium bekommen, sonst wäre das richtig fett teuer geworden. Aber die Aufenthalte waren für mich total wichtig, so habe ich zum Beispielgelernt, wie man auch kreativ ist, wenn es mal nicht so läuft.

Haben dich deine Erfahrungen in England als Tolkien-Künstlerin beeinflusst?
Wahrscheinlich schon irgendwie. Ich habe natürlich nochmal genauer geguckt, was wohl Tolkien inspiriert hat. Ich war zum Beispielein paar Mal in der Gegend, in der auch er aufgewachsen ist und gelebt hat, also die Umgebung von Oxford oder die Westmidland Area. Wenn man einmal da war, dann weiß man genau, woher alles aus Tolkiens Werken kommt. Ich habe so ein bisschen Quellenforschung betrieben, das war wichtig. Ich kann jetzt nicht sagen, das mich etwas konkret inspiriert hat, es war einfach diese ganze Atmosphäre. Ich bin immer noch extrem anglophil und so oft es geht da.

Du zeichnest ja neben Tolkien vorwiegend altertümliche oder mythologische Themen – wie wäre es aber mal mit etwas Modernen wie zum BeispielHarry Potter. Reizt dich so etwas gar nicht?
Harry Potter vielleicht nicht, aber seit zwei Jahren gucke ich eine gewisse britische Fernsehserie und seitdem bin ich extrem "sherlocked" (Gemeint ist die BBC-Serie "Sherlock Holmes"). Momentan mache ich viel Fan-Art, obwohl ich das beim Tolkien-Fandom anfangs immer so von oben herab betrachtet habe. Aber jetzt bin ich selbst völlig dabei.

Interessieren dich auch Conventions?
Ich war natürlich auf einigen Ring*Cons. Was mich weniger interessiert sind die ganzen Schauspieler. Was ich ganz gerne habe, sind diese ganzen  Blicke hinter die Kulissen. Gerade Maskendesign oder Kostümbild finde ich sehr interessant. Und es ist natürlich toll die ganzen Fans zu sehen: da steckt so viel Kreativität in verschiedenen Bereichen:  Sei es Fan-Art, Kostüme beziehungsweise Cos-Play, Fanfiction Musik, einfach alles Mögliche. Das inspiriert einen selbst ganz viel. Fan-Sein ist heutzutage auch akzeptierter. Früher wurde man immer ein bisschen belächelt. Es gibt da zwar immer noch Klischees und Menschen, die damit überhaupt nichts anfangen können. Wobei ich ehrlich sein muss: Mir sind die, die sich für überhaupt nichts  begeistern können, und sei es ein Fußballverein oder sonstiges, mir echt suspekt. Denn ich glaube, das sind die, die echt gefährlich sind, weil die gar kein Ventil haben.

Kannst du dir vorstellen, jemals ohne die Beschäftigung mit Tolkien zu leben?
Eigentlich nicht. Das ist schon so tief drin. Was mich im Moment zum Beispiel sehr beschäftigt ist Tolkiens eigene Biografie. Gerade die Zeit, die er im ersten Weltkrieg verbracht hat, diese ganze Atmosphäre, das ist eine sehr spannende Epoche. Dazu gibt es einige gute Publikationen. Wenn bei Tolkien die Begeisterung für einen Aspekt nachlässt, findet man einfach sofort immer wieder was anderes. Da gibt es so viel, dass man ein Leben lang dabei bleiben kann (lacht).


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