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21. Jun 2016

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Höherer Praxisbezug im Studium? Unsinn!

Der UNICUM Kommentar zum im September 2014 erschienenen "Studienqualitätsmonitor 2013"

Gibt es (k)eine Lösung?

Natürlich gäbe es Möglichkeiten, etwas an der Struktur des Studiums zu ändern. Aber an den folgenden Lösungsvorschlägen wird deutlich, dass es aus unterschiedlichen Gründen keinen Sinn macht.

Die Universitäten könnten hergehen und Studiengänge feiner unterteilen. Viele Studiengänge sind überhaupt nicht auf eine konkrete Berufstätigkeit ausgelegt. Doch das würde neue Probleme schaffen. Erstens entstünden "Tausende" neue Studiengänge und zweitens würde eine Spezialisierung bewirken, dass Universitäten reine Fachidioten ausbilden. So wie es jetzt ist, erhalten Studierende ein vielfältigeres, theoretisches Wissen, lernen Zusammenhänge erkennen und kritisch beurteilen. Herzlich Willkommen praxiserfahrene, aber unkritische Absolventen? Nein danke!

Wenn schon keine spezifischeren Studiengänge, dann könnte man doch beim Lehrpersonal ansetzen. Schließlich haben die meisten Professoren an Universitäten nie irgendetwas anderes von der Arbeitswelt gesehen als den Arbeitsplatz Universität. Wie also sollen sie praktisches Wissen vermitteln, wenn sie es überhaupt nicht besitzen? Die Unis könnten mehr Lehrende aus der Wirtschaft einstellen, die ihre Erfahrungen mit den Studenten teilen. Ist komplizierter als es klingt. Dozenten aus Unternehmen sind in ihrer Weltanschauung von ihrer Arbeit und ihrem Arbeitgeber geprägt, eine kritische Haltung und Lehre mitunter vielleicht gar nicht vorhanden. Ob Studierende das bemerken und die Inhalte hinterfragen, ist fraglich. Außerdem muss das Wissen auch vermittelt werden, zumal didaktische Naturtalente schon unter Professoren eher selten anzutreffen sind. Die nächste Lösung, die keine ist.

Wie wäre es damit, Pflichtpraktika in den Studiengängen einzubauen? Schon jetzt beklagen Studierende den Zeitdruck während des Studiums. Vor, während und nach der vorlesungsfreien Zeit stehen Prüfungen oder deren Vorbereitung an. Ein Praktikum ließe sich nur bewerkstelligen, wenn es ein reguläres Semester ersetzt und mit Credit-Points belohnt würde. Aber da war doch noch ein Grund, der dagegenspricht – genau: dieses System verfolgen bereits die Fachhochschulen und auch dort fehlt den Studierenden der Praxisbezug. Wäre zu schön gewesen, wenn das ein Mittel gewesen wäre.

Jahrzehntelang haben deutsche Universitäten zahlreiche hochqualifizierte Akademiker entlassen, die sowohl in Forschung und Wissenschaft als auch in der Wirtschaft gute Arbeit leisteten. So wird es auch bleiben. Wenn dann noch Studierende einsehen, dass nicht alles im Studium berufsbezogen sein muss und Unternehmen erkennen, dass Uniabsolventen erst im jeweiligen Job eingearbeitet werden müssen, nimmt das der Forderung nach einer höheren berufspraktischen Studienausrichtung die Dringlichkeit.

Simon Sperl ist PR-Volontär bei UNICUM.de und kann theoretisch alles. In der Praxis sieht das manchmal anders aus. Das liegt aber nicht am Uni-Studium, sondern an der (noch) fehlenden Erfahrung.

Kontakt: onlineredaktion@unicum.com oder Twitter

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