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09. Apr 2015

Barbara Kotzulla

Archiv

Houdini

-ARCHIV-

Mini-Serie über den großen Entfesselungskünstler

Faszinierende Geschichtsstunde

Es ist Winter: Harry Houdini (Adrien Brody) steht geknebelt auf einer Brücke, unter ihm ein Fluss, in dessen Eisdecke ein Loch geschlagen wurde. Er tritt auf ein Podest, die Menschenmenge hinter ihm raunt. Es folgen kurze Gedanken, schnelle Rückblicke auf das eigene Leben – dann springt der Entfesselungskünstler in die Tiefe. 

Mit dieser Szene beginnt die Miniserie "Houdini", die sich eng an die Biografie des Mannes hält, der um die Jahrhundertwende 1900 Weltberühmtheit erlangte. Aus Ungarn wanderte die Familie von Erik Weisz – so Harry Houdinis richtiger Name – in die USA aus. Dort begann der Junge sich schon früh für das Varieté und Zauberkünste zu interessieren. Als er erkennt, dass hinter der kühnsten Magie erlernbare Tricks stecken, gibt es für ihn kein Halten mehr. Houdini will die Welt erobern – koste es, was es wolle. Und so werden die Illusionen immer waghalsiger, die Attraktionen immer todesmutiger. Seine große Liebe gehört der Bühne und dem Applaus – sehr zum Leidwesen seiner Frau Bess (Kristen Connolly).

Schnelle Schnitte, Zeitsprünge, Off-Kommentare, Röntgenblicke in das Innere von Safes: Filmemacher Uli Edel greift für seine Umsetzung der Houdini-Biografie tief in die Trickkiste. In opulenten Bildern führt er den Zuschauer durch alle Etappen von der frühen Kindheit bis zum gewaltsamen Tod. Doch die fast schon atemlose Regie lässt den Zweiteiler bisweilen etwas konfus und kühl wirken. Statt auf tiefergehende Emotionen setzt Edel mehr auf eine reine (Nach-)Erzählung.

Die Darstellerriege um Adrien Brody ("The Grand Budapest Hotel") kann diese, auch dem Format geschuldete Schnelligkeit weitestgehend kompensieren und liefert eine solide bis großartige Leistung ab. In Kombination mit dem an sich schon faszinierenden Lebenslauf von Harry Houdini entsteht ein unterhaltsames wie spannendes Porträt. Nicht-Kenner dürfte es etwa überraschen, dass der Zauberkünstler zeitlebens ein Gegner des Spiritismus war und erbittert gegen Geisterbeschwörer und Scharlatane kämpfte.

"Houdini" bietet so eine lehrreiche wie kurzweilige Geschichtsstunde, deren Produktion sich nicht vor "großen" US-Shows verstecken muss.


UNICUM Serientipp

Houdini

TV-Serie/History, USA/CAN 2014

2 Folgen, insgesamt 166 Min.

Regie: Uli Edel

Darsteller u.a.: Adrien Brody, Kristen Connolly

Verleih: Studiocanal

VÖ: 16. April 2015

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3.23 von 5 Sternen bei 93 Bewertungen.

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