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19. Mär 2015

Barbara Kotzulla

Archiv

Interstellar

-ARCHIV-

Christopher Nolans ("Inception") Weltraum-Vision fürs Heimkino

Aufbruch in eine ferne Galaxie

In nicht allzu ferner Zukunft: Die Menschheit steht vor dem Ende. Der Anbau von Nahrungsmitteln ist durch den starken Klimawandel fast unmöglich geworden. Heftige Sandstürme fegen über die USA. Die Bevölkerung stirbt.

Der Ingenieur und ehemalige Pilot Cooper (Matthew McConaughey) bewirtschaftet mit seinem Schwiegervater (John Lithgow) eine der letzten Maisfarmen der Region und versucht alles, um seinen Kindern Tom (Timothée Chalamet) und Murphy (Mackenzie Foy) ein Leben zu ermöglichen. Letztere glaubt allerdings, dass ihr ein Geist geheime Botschaften sendet. 

Nach anfänglichem Zögern fängt Cooper an, seiner zehnjährigen Tochter zu glauben: Scheinbar willkürliche Zeichen im Staub ergeben auf einmal einen Binärcode, der entschlüsselt Koordinaten aufzeigt. Verwirrt und neugierig folgen die beiden der Route – und gelangen zum Stützpunkt der NASA. Die US-amerikanische Raumfahrtbehörde wurde zwar offiziell aufgelöst, operiert aber seitdem im Geheimen weiter. Als ehemaliger Mitarbeiter ist Cooper dort bekannt und wird zum NASA-Leiter Professor Brand (Michael Caine) geführt, der das Auftauchen des Vater-Tochter-Duos als Wink des Schicksals sieht.

Brand arbeitet schon lange an einer Formel, die es ermöglichen soll, die Gravitation zu beeinflussen. Mit diesem Wissen könnte die Menschheit auf einer Raumsstation durch ein Wurmloch geführt werden, dass sich vor 43 Jahren in der Nähe des Saturns aufgetan hat. Diese sogenannte Einstein-Rosen-Brücke führt in eine Galaxie in einem fernen Sonnensystem nahe des Schwarzen Loches "Gargantua". 

Schon vor zehn Jahren reisten zwölf Wissenschaftler durch den intergalaktischen Tunnel, um bewohnbare Planeten dahinter ausfindig zu machen. Nur von drei Astronauten des "Lazarus"-Projektes konnten später Signale empfangen werden – doch diese lassen hoffen. Die NASA bittet Cooper gemeinsam mit Brands Tochter Amelia (Anne Hathaway), zwei weiteren Wissenschaftlern und zwei Robotern diesen Spuren auf den Grund zu gehen und ebenfalls in das fremde Sonnensystem zu reisen.

Interstellar: Keine leichte Kost im All

Interstellar ist ein Meisterwerk! Das wird zumindest die eine Hälfte der Zuschauer nach dem 169-minütigen Weltraum-Epos frohlocken. Die andere Hälfte dürfte mit anderen Gefühlen kämpfen: Unverständnis, Verwirrung, vielleicht sogar Verärgerung. Und das sogar verständlicherweise.

Interstellar hat genau zwei Probleme. Nummer Eins: Nach grandiosen Werken wie "Memento", "Inception" oder der "The Dark Knight"-Trilogie liegt enorm viel Erfolgsdruck auf Regisseur Christopher Nolan. Was er anfasst, muss die Massen begeistern. Und dann kommt mit Interstellar ein Herzensprojekt, dass in sich sich ausufernd und gleichzeitig sperrig ist, dass es einfach nicht für alle Filmfans gedacht sein kann.

Problem Nummer Zwei: Interstellar setzt viel voraus. Eine Begeisterung für die Thematik Weltall, die über den romatischen Blick gen Sternenhimmel hinaus geht. Ein rudimentäres (astro-)physikalisches Basiswissen. Und das dann gepaart mit einem offenen Geist für große Emotionen und unvorhergesehene Wendungen. Ist das alles zu viel verlangt? Das muss jeder Filmgucker für sich selbst entscheiden.

Lässt man sich jedoch auf das Weltraum-Abenteuer Interstellar ein, wird man belohnt: Mit unfassbaren Bilder, grandiosen Settings, einer mitreißenden Story, guten Darstellern und einer gänzlich unerwarteten Story, die weit über die anfängliche Zusammenfassung und die Trailer hinausgeht. Interstellar ist einer dieser Filme, die einem noch lange im Gedächtnis bleiben und zum Nachdenken anregen. Das liegt nicht nur an der durchaus realistischen Zukunftprognose (Stichwort: Umweltverschmutzung, Klimawandel), sondern auch an den Dingen, die auf der Gefühlsebene angesprochen werden.

Da verzeiht man Nolan dann auch, dass er trotz des hohen Anspruchs nicht bei jeder physikalischen Erklärung einen Punkttreffer landet und es durchaus Logiklöcher gibt. Dennoch: ein seltener Filmgenuss und von dieser Seite aus das Prädikat "Meisterwerk".


UNICUM Filmtipp

Interstellar

Sci-Fi/Drama, USA 2014

Regie: Christopher Nolan

Darsteller u. a.: Matthew McConaughey, Anne Hathaway, Jessica Chastain, Michael Caine, Casey Affleck

Verleih: Warner Home Video Germany

Veröffentlichung: 31. März 2015

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Artikel-Bewertung:

3.04 von 5 Sternen bei 147 Bewertungen.

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