Sparschwein
Wer spart, hat ein gutes Verhältnis zu seinem Sparschwein | Foto: Thinkstock/Ron Chapple Studios
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27. Feb 2012

Anika Rekers

Archiv

Kassensturz – Was das Studentenleben wirklich kostet

-ARCHIV-

Zwei Studentinnen geben Einblicke in ihre Haushaltskasse

Kassensturz Julia

Peter Zwegat empfiehlt es jedem seiner Klienten in "Raus aus den Schulden". Auch die 22-jährige Julia Fritsche aus Wilhelmshaven hat für UNICUM im Januar Haushaltsbuch geführt. Für sie war das keine neue Erfahrung. Bereits 2009 nach dem Auszug bei ihren Eltern in Baden-Württemberg checkte sie ihre Finanzen, um im Blick zu haben, was nun an Kosten anfällt, das vorher die Eltern bezahlten. Das kleine karierte Buch war nun 31 Tage lang ihr ständiger Begleiter. 

Insgesamt hat sie durch Unterstützung von Vater und Oma 500 Euro im Monat zur Verfügung. Dazu kommen 300 Euro durch ihren Studentenjob im Wilhelmshavener UCI-Kino. 800 Euro zum Studieren und Leben – das ist ziemlich genau der Durchschnitt. Schließlicher gab die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks 2009 genau 812 Euro. Ein Viertel davon geht direkt wieder für ihre Miete drauf, weitere 126 Euro fürs Studienbeiträge an der FH Wilhelmshaven. Ein Posten im Finanzplan, den viele Studis unterschätzen, wie Jens Müller-Sigl vom Studentenwerk Oldenburg weiß. Der Studienfinanzberater ergänzt: "Die Studiengebühren werden oft außer Acht gelassen. Hier in Niedersachsen müssen die ja leider noch bezahlt werden. Das ist ein nicht unerheblicher monatlicher Posten, den man im Notfall mit einem Studienbeitragskredit decken kann. Ein Gutes haben die Gelder aber doch: Ein Auto ist absolut nicht notwendig, da die Studenten alle öffentlichen Verkehrsmittel mit dem Semesterticket nutzen können."

Viele Studenten schließen unnötige Versicherungen ab

Knackpunkt bei vielen Studenten sind auch die Versicherungen, die in der Regel unnötig abgeschlossen werden. Schließlich ist man bei Kranken- und Haftpflichtversicherung über die Eltern mitversichert. Das gilt auch für Julia. Sie spart sich auch teure Zeitschriften-Abos. Lediglich die monatliche Mitgliedschaft bei McFit gönnt sich die sportliche Studentin. "Ich habe zuerst meine monatlichen regelmäßigen Kosten aufgeschrieben, woran ich dann schon gemerkt habe, dass das ein bisschen mehr ist, als ich gedacht habe", resümiert die 22-Jährige, "aber wenn man dann mit anderen darüber geredet hat, war es bei mir doch weniger als bei anderen." Das liegt daran, dass die Studentin der Tourismuswirtschaft eher beim Discounter kauft. Bei Lidl und Combi gibt's die Lebensmittel, die am Monatsende mit 187 Euro zu Buche schlagen.

Finanz-Coach Müller-Sigl ist zufrieden: "Julia gibt als größten Faktor die Lebensmittelkosten an. Dabei ist sie mit ihren monatlichen Kosten noch weit unter dem Durchschnitt von dem, was Studenten üblicherweise im Monat ausgeben." Luxusartikel sind Julia eher fremd. Kosmetika gibt's von Rossmann, auch ein Kinobesuch ist im Januar drin. Ansonsten spart die Studentin lieber ihr Geld für echte Highlights, wie etwa Karten fürs Rock-am-Ring-Festival.

"Es war erschreckend zu sehen, wie abhängig ich bin"

Insgesamt gibt's zufriedene Gesichter. "Generell ist Julia ein sehr gutes Beispiel, dass eine Studienfinanzierung auch klappt, wenn man kein Bafög bekommt und die Eltern nicht so viel bezahlen", lobt Studienfinanzberater Müller-Sigl, schränkt aber ein: "Julia hat Glück, in Wilhelmshaven zu studieren, da die Lebenshaltungskosten dort sehr niedrig sind. Würde sie zum Beispiel in Hamburg oder München studieren, sähe das Bild ganz anders aus."

Julia freut sich über ihren positiven Kassensturz, gibt aber zu: "Es war auch erschreckend zu sehen, wie abhängig ich von den Geldern von meiner Oma und meinem Vater bin."Grundsätzlich findet UNICUM aber nach einem Monat: Julia ist definitiv ein Sparfuchs mit eisernen Prinzipien. "Wenn ich shoppen gehe, denke ich auch dreimal darüber nach, ob ich wirklich das Geld dafür ausgeben will, oder ich setze mir ein Limit, wie viel Geld ich ausgeben 'darf'." Und schließlich lohnt sich das Sparen. Nach dem Abschluss ihres Studiums im Sommer steht eine Backpackingtour durch Vietnam auf dem Programm. Das Haushaltsbuch lässt sie dann aber zuhaus.

Kassensturz Sabine

"Ob mir das was bringt?" Am Anfang ist Sabine Miseré, Studentin an der Universität Duisburg-Essen, beim Gedanken an ein Haushaltsbuch noch skeptisch. "Ich wäre von selbst nie darauf gekommen, so ein Buch zuführen. Ich habe immer das Gefühl, das ist nur etwas für Hausfrauen." Die Studentin der Literatur, Medienpraxis und Germanistik hat im Monat rund 1.000 Euro zur Verfügung und kommt damit auch gut aus. Ihr Einkommen setzt sich aus dem Nebenjob in einer Essener Agentur und der Unterstützung ihrer Eltern zusammen. "Bei sorgfältiger Wirtschaftung könnte Sabine mit ihren 1.000 Euro gut auskommen und für Notfälle vielleicht auch noch 50 Euro pro Monat zurücklegen", kalkuliert Helga Otersen, Abteilungsleiterin der Ausbildungsförderung des Akademischen Förderungswerkes Bochum. Damit sei sie im Gegensatz zu anderen Studenten definitiv in einer Luxus-Situation.

"Andere müssen laut offiziellem Unterhaltssatz mit 670 Euro im Monat auskommen - da ist Sparen natürlich gar nicht möglich. "Dennoch fällt es Sabine schwer, am Ende des Monats noch etwas zurückzulegen. Und genau aus diesem Grund ist sie auch am UNICUM Experiment "Haushaltsbuch" interessiert: "Manchmal ist es schon gruselig, dass man am Anfang des Monats mit relativ viel Geld startet und am Ende nichts davon übrig bleibt. Dabei würde ich gerne auch mal etwas sparen." Gesagt, getan. Im Januar schreibt die 26-Jährige alles akribisch auf - jeder Kinobesuch, jede Pizza und jeder Einkauf bei Aldi wird in einem kleinen, weißen Buch festgehalten. Am Ende des Monats folgt der Kassensturz. 

Das Auswärts-Essen schlägt oft zu Buche 

"Es ist schon irre, mal so schwarz auf weiß zu sehen, für was man sein Geld eigentlich aus gibt. Viele Dinge werden einem ja dann erst bewusst", fällt Sabine schon im Laufe des Monats auf. Ihr Haushaltsbuch verrät, dass sie viel unterwegs ist - sie wohnt in Bochum, pendelt aber für Job und Studium jeden Tag rund 20 Kilometer mit der Bahn nach Essen. Auf dem Weg zur Arbeit oder zu Seminaren kommt sie an Bäckereien und Imbissen vorbei. "Am meisten schlägt bei mir tatsächlich das Auswärts-Essen und -Trinken zu Buche", resümiert Sabine. Mit Freunden abends ein Bier trinken gehen, ein Coffee-to-go auf dem Weg zur Uni - dass das so viel ausmachen würde, war ihr am Anfang des Monats nicht klar. Dabei verwendet sie sogar Gutscheinhefte, um in Restaurants und Bars zumindest ein wenig sparen zu können. Ausgaben, die im Einzelfall nicht wehtun, in der Summe am Ende des Monats aber doch den Großteil ausmachen. Vor allem, weil Sabine sonst sehr darauf achtet, günstig beim Lebensmitteldiscounter einzukaufen.

Ein Haushaltsbuch kann Augen öffnen

Kosmetik und Klamotten sind ein weiterer Kostenpunkt in Sabines Büchlein. "Ich bestelle öfter online, aber wenn man die Summen dann so vor sich sieht, überlegt man doch zweimal, ob man noch etwas bei Amazon in den Einkaufswagen legt", erklärt Sabine lachend. Diesen Monat waren es ganz klassisch Taschen, Schminke und Schuhe, denen sie nicht widerstehen konnte. Gleichzeitig ist sie ein sehr bewusster Schnäppchenjäger - alle gekauften Artikel waren im Angebot. "Im Monat muss man sich schon einen festen Betrag für Kleidung zurücklegen - vielleicht so um die 100 Euro. Wobei es im Sommer natürlich günstiger ist, als jetzt im Winter, wo auch mal feste Stiefel und eine Winterjacke gebraucht werden", rät Finanzexpertin Otersen vom Studentenwerk.

Auch wenn das Führen des Haushaltsbuches ein paar Lücken in Sabines Finanzkonzept offenbart hat, ist sie am Ende des Monats mit dem Ausgang des Experiments zufrieden: "Das Buch hat mir in vielen Fällen die Augen geöffnet", stellt die Studentin fest. Sie hat längst beschlossen, die neu gewonnene Gewohnheit weiterzuführen und dann hoffentlich demnächst auch mal wieder ein paar Euro ins Sparschwein werfen zu können.


Lebenskosten

Am billigsten leben lässt es sich in Wernigerode im Harz, Friedrichshafen am Bodensee zählt zu den teuersten Flecken in Deutschland. Mit Bochum liegt Sabine auf Platz 62 im Mittelfeld im Städteranking. Ihr könnt eure Kosten selbst checken mit dem Lebenskostenrechner!

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