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18. Sep 2014

Barbara Kotzulla

Archiv

Kraftklub sind die Rettung unserer Generation. Wenn du mitmachst.

-ARCHIV-

Warum es sich diesmal lohnt, Songtexte zu beherzigen

Wir brauchen Randale

Wie? Durch Kraftklub. Fast 450.000 Fans hat die Band auf Facebook und zudem mit "In Schwarz" Anfang September ein neues Album an den Start gebracht. Folgt man den 13 Tracks darauf, keimt schnell die Hoffnung: Wenn nur ein Bruchteil eben jener 450.000 Fans sich die Songs der Randale-Jungs genauer anhört, wenn vielleicht ein Bruchteil dem dort Besungenen folgt – ja, vielleicht tut sich dann etwas in Good Old Boring Deutschland.

Es muss sich was tun. Und zwar genau: Jetzt.

"Meine Mutter sagt: Junge geh mal schlafen.

Fahr'n alle in den Urlaub,

aber ich soll auf die Straße, sagt Farin Urlaub.

Ja ok, jetzt steh ich hier, doch bin allein vor einer Wand.

Da bin nur ich und sonst nichts,

nur dieser Stein in meiner Hand."

(Aus: "Schüsse in die Luft")

Früher gab's auch nicht mehr Demos, wurde nicht mehr protestiert. So hört man es immer wieder. Doch selbst wenn, klingt dies mehr nach Ausrede und Bequemlichkeit. Natürlich gibt jeder gerne im Netz seinen Senf ab, am liebsten anonym. Doch im Großen und Ganzen betrachtet, kann man nur feststellen: "Dagegen" ist die Generation der 20- und 30-Jährigen in Deutschland nicht. Die Zukunft? Sie wird sich schon ergeben. Persönliche Stabilität und Sicherheit sind wichtig, eine gute Work-Life-Balance auch. Und sicher: Wenn der nette Türke von nebenan verprügelt wird oder die Industrie immer mehr Dreck in die Lebensmittel spült, ist das schlimm – aber wehren kann man sich nicht. Oder?

Mehr Anti, bitte!

"Und nein: ich war nie Anti-Alles, ich war immer Anti-Ihr.

Doch hab schon lange angefangen,  mich mit Dingen zu arrangieren.

Und genau das wollte ich nicht, bin schon viel zu lange hier.

Ich muss hier weg, denn ansonsten werde ich irgendwann wie Ihr.

(Aus: "Schüsse in die Luft")

Nicht nur im zitierten Song "Schüsse in die Luft" rufen Kraftklub dazu auf, endlich etwas zu tun. Mal auf die Straße zu gehen. Mal Stellung zu beziehen. Mal "anti" zu sein. Das tun sie mal subtil, mal ironisch, aber immer klug – und immer mit Ansage. Dazu gibt's eine eingängige Musiksprache, die uns nicht nur auf die Tanzfläche bewegen sollte.

Das heißt nicht, dass man nicht einfach auf die Konzerte der Chemnitzer gehen und die Lieber mitgröhlen darf. Aber es wäre auch ein Schritt in eine neue Richtung, wenn die Vision aus dem Track "Hand in Hand" wahr würde: Stellen wir uns einmal vor, die verdammte Stadt setzt tatsächlich unser Herz in Brand.

"Aus der Monotonie in die Massenhysterie"

Gerade Studenten, also diejenigen die genug Bildung und Wissen erlangen dürfen, sollten sich aufgefordert fühlen, dieses Land zu bewegen. Ein Land, das ansonsten immer mehr gen Lethargie steuert. Irgendwann gibt es nur schwer ein Zurück: Denn Lethargie geht einher mit Langeweile. Aus Langeweile erwächst Unzufriedenheit. Unzufriedenheit schlägt über kurz oder lang in Hass um.

Wie Kraftklub es besingen stehen wir nun vor der Entscheidung: "Die Revolution oder Berlin Tag und Nacht"? Lasst uns die richtige Entscheidung treffen. Denn lieber "Hand in Hand. Ein Leben lang gemeinsam gegen die Wand" als ein Leben ohne Meinung und Verstand.

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