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28. Feb 2014

Michael Klitzsch

Archiv

Kurzzeitversicherungen: Wie gut ist der Schutz per App?

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UNICUM prüft die Spontan-Police für das Smartphone

Was kann ich versichern?

Was auch immer man in den nächsten 24 Stunden vorhat – für fast alles gibt es per Spontan-Police über das Smartphone einen passenden Schutz: So ist man nach wenigen Minuten wahlweise für einen Tag gegen Unfälle auf der Skipiste oder der Rennstrecke sowie beim Besuch im Stadion oder dem Bungee-Abenteuer abgesichert. Auch für Diebstahl auf dem Hotelzimmer oder die Selbstbeteiligung beim Mietwagenschaden sind passende Schutzverträge erhältlich.

Zu den Angeboten gehört aber auch die Absicherung von erfreulichen Ereignissen: Wer zum Beispiel den Golferschutz bucht, bekommt für einen "Hole-in-one" – also das Einlochen mit einem einzigen Schlag – 150 Euro für die Bewirtungskosten im Klubhaus ausgezahlt.

Praktisch: Die Kosten für die Absicherung werden in der Regel über die Handyrechnung abgebucht, die Versicherungen laufen automatisch aus, eine Kündigung ist nicht nötig.

Für wen eignet sich das?

Mit den Apps kann man sich mal eben unkompliziert gegen jede Lebenslage absichern – so der erste Eindruck. Allerdings sind viele Risiken über grundlegende Versicherungen bereits abgedeckt. Solche, die jeder haben sollte, wie Peter Grieble, Versicherungsexperte beim Verbraucherschutz Baden Württemberg, deutlich macht. Er warnt vor einer trügerischen Sicherheit, in der man sich mit dem Fokus auf die zeitlich stark begrenzten Schutzangebote wiegen könnte: "Für viele Menschen sind solche Kurzzeitversicherungen nicht geeignet, weil sie vom Wesentlichen ablenken. Man steckt Geld in kurzfristigen Schutz und hat dann nichts mehr übrig für die Absicherung der wirklich großen Risiken. Versicherungen sind aber keine Kirmes."

Wichtiger sei es, unerwartete Schäden und Unfälle im Alltag langfristig und umfassend abzusichern – etwa über eine private Haftpflicht- oder eine Berufsunfähigkeitsversicherung.

Nichtsdestotrotz: Wer einen umfassenden Versicherungsschutz bisher versäumt hat und sich für ein konkretes Ereignis kurzfristig und auch nureinmalig versichern möchte, kann einen Blick auf die App-Versicherungen riskieren – sollte sich dann aber auch die Zeit nehmen, die Versicherungsbedingungen genau durchzulesen.

Passt der Preis?

Den 24-Stunden-Schutz gibt es schon für vermeintlich kleine Eurobeträge. Eine Tages-Radtour-Versicherung, die Unfall und Fahrrad-Diebstahl abdeckt, kostet beispielsweise 3,99 Euro, den Stadionbesuch kann man sich schon für 1,59 Euro absichern.

Günstig ist das allerdings nicht, rechnet Versicherungsexperte Grieble vor: "Die Radtour-Versicherung kostet auf 100 Touren hochgerechnet 399 Euro. Wenn man bedenkt, dass man für 70 bis 100 Euro pro Jahr eine umfassende Unfallversicherung bekommt, sind die App-Angebote alles andere als ein Schnäppchen."

Wie gut ist der Schutz?

Alles in allem nicht überragend. Experten wie Grieble entdecken immer wieder Lücken oder unzureichende Beträge in den Bedingungen der App-Policen. So ist manche Reiseversicherung etwa auf Trips innerhalb der EU beschränkt.

Und im Gegensatz zu gängigen Unfallversicherungen, bei denen Geschädigte, die nach einem schweren Unfall nicht mehr arbeiten können, in der Regel eine lebenslange Rente bekommen, bietet mancher Unfall-App-Schutz im gleichen Fall nur eine maximale Summe von 50.000 Euro an. "Viel zu wenig bei einer Vollinvalidität", urteilt Grieble: "Davon kann ich mir meine Wohnung nicht umbauen, wenn ich mit dem Rollstuhl nicht mehr durch die Tür komme - geschweige denn davon leben." Die klassischen Versicherungen böten da in der Regel mehr Schutz - für weniger Geld.

Unser Experte: Peter Grieble (47) ist Versicherungsexperte beim Verbraucherschutz Baden-Württemberg in Stuttgart.

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