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24. Okt 2014

Simon Sperl

Archiv

Lasst die eBooks links liegen und greift zum Buch

-ARCHIV-

Ein Plädoyer für das analoge Lesen

Unbestritten: eBook-Reader haben ihre Vorteile! Wenn das eine eBook zu Ende gelesen ist, hat man aufgrund der großen Speicherkapazität direkt das nächste zur Hand. Je nach Umfang des Buches freut sich der Rücken über weniger Gewicht im Rucksack. Doch der Vorteil der massenhaften Speicherung von Büchern stellt gleichzeitig einen Nachteil dar. Denn wer kann schon behaupten, bei etwa 1.400 Büchern den Überblick zu behalten. In etwa so viele Bücher finden nämlich auf einem Gerät mit 2 GB Speicherkapazität Platz. Das ist nichts für Menschen, die sich nicht entscheiden können.

Überhaupt 1.400 Bücher: Welcher Mensch liest in seinem Leben eine solche Anzahl von Büchern? Wahrscheinlich die Wenigsten. Laut einer Studie der "Stiftung Lesen" aus dem Jahr 2009, lasen die deutschen Studienteilnehmer durchschnittlich 8,9 Bücher. Nimmt man für Deutschland eine ungefähre Lebenserwartung von 80 Jahren und einen richtigen Lesestart im Alter von 10 Jahren an, käme man auf 20 Bücher pro Mensch und Jahr.

Im Gegensatz zu Büchern muss ich bei eBook-Readern außerdem daran denken, diesen rechtzeitig wieder aufzuladen. Ansonsten sitzt man mit einem schwarzen Display da und erfährt nicht wie die Handlung weitergeht. Vor allem bei den so beliebten Krimis und Thrillern kann das ganz schön ärgerlich sein. Ganz abgesehen davon, dass ich jedes Mal an das Ladekabel denken muss, wenn ich weiter und für eine längere Zeit wegfahre.

Rettet die Bibliotheken und das Bücherregal

Und dann denke ich an mein Bücherregal oder die der Bibliotheken: leer. Da wäre nichts, nicht Buch an Buch wie es noch der Fall ist. Dabei ist es ein wundervolles Gefühl, vor dem Regal zu stehen und zu stöbern. Einfach eines der Bücher heraus zu ziehen, darin zu lesen und bei Nichtgefallen wieder zurückzustellen. Stellt euch das bei einem eBook-Reader vor: Datei, denn von Buch mag ich gar nicht reden, suchen, öffnen und wieder schließen. Das klingt mir zu sehr nach Schließen einer beliebigen Anwendung und nicht nach Lesen. Noch dazu fehlt der Geruch von Büchern und auch das Blättern von Papier fällt vollkommen weg. Der Akt des Lesens verlöre jedwede Emotion.

Bibliotheken und Buchhandlungen werden bei zunehmender Verwendung von eBooks ihre Daseinsberechtigung verlieren. Schließlich lassen sich eBooks bequem am Computer daheim oder sogar am Reader selber herunterladen. Vorbei wären dann die Zeiten in denen mir der Bibliothekar oder der Buchhändler Titel empfiehlt. Natürlich denke ich bei diesem Kritikpunkt in erster Linie an amazons eBook-Reader und deren Konzernpolitik, ausschließlich das eigene Format nutzen zu können. All das passiert beim Kauf eines herkömmlichen Buches nicht. Es liegt in meiner Hand, ob ich direkt das teurere Hardcover-Exemplar kaufe oder auf das günstigere Taschenbuch warte.

Aus all diesen Gründen rufe ich dazu auf, wenigstens beim Lesen ganz klassisch zum gedruckten Buch zu greifen. Schließlich ist unser Alltag bereits technisiert genug.


Simon Sperl ist PR-Volontär bei UNICUM.de, liest noch ganz klassisch Bücher aus Papier, kauft diese beim Buchhändler seines Vertrauens oder leiht sie in der Bibliothek aus.

Kontakt: onlineredaktion@unicum.com oder Twitter

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