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02. Mär 2015

Simon Sperl

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Lehrerstreik: Aufstand im Schlaraffenland?

-ARCHIV-

GEW fordert Ende der Ungleichbehandlung von Beamten und Angestellten

Beamte vs. Angestellte

Lehrer leben doch wie wie Gott in Frankreich! Ja, die verbeamteten vielleicht, aber eben nicht die angestellten Lehrer. Deswegen werden etwa 200.000 Lehrer ihre Arbeit niederlegen und für eine faire(re) Behandlung protestieren. Stell dir vor, du machst zusammen mit einem Kommilitonen ein Referat, bekommst aber eine schlechtere Note. Würde dir das gefallen? Nein! Genauso ist es bei den Lehrern. Im Vergleich zu verbeamteten Lehrern bekommen Angestellte netto etwa 400 Euro weniger Gehalt im Monat. Von wegen gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Deswegen fordert die "Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft" nun 5,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 175 Euro pro Monat. Also noch nicht einmal genauso viel wie die Beamten im Lehrerkollegium bekommen. Da ist die schlechte Stimmung im Lehrerzimmer vorprogrammiert. Es geht der Gewerkschaft aber auch darum, dass die Lehrergehälter bundesweit angepasst werden. Denn bislang werden sie nach den Richtlinien der Länder bezahlt. So kommt es bei der Einstufung der Lehrkräfte zu zum Teil erheblichen Gehaltsunterschieden.

Keine Einschnitte bei der Altersvorsorge

Doch es geht den streikenden Lehrern auch darum, dass sie Einschnitte bei der betrieblichen Altersvorsorge fürchten müssen. Der GEW-Verhandlungsführer Andreas Gehrke betont, dass die Länder-Arbeitgeber "das Risiko bei der Altersversorgung allein auf den Schultern der Beschäftigten abladen" würden. Das hätte zur Folge, dass Lehrer im Ruhestand eine etwa 20 Prozent niedrigere Zusatzversorgung bekommen würden. Auch da sind Beamte klar im Vorteil, diese müssen sich um eine private Altersvorsorge keinerlei Gedanken machen. So wird unter den Pädagogen eine Zwei-Klassengesellschaft geschaffen, wo keine sein müsste.

Das bedeutet nicht, dass alle Lehrer verbeamtet werden sollten. Aber bei der Bezahlung und der Altersvorsorge Unterschiede zu machen, ist schlichtweg nicht in Ordnung. Schließlich ist nicht nur die Ausbildung für alle Lehrer gleich, sondern auch der Arbeitsaufwand. Zumal Gehalt eben nicht nur eine Entlohnung, sondern auch eine Belohnung für die geleistete Arbeit darstellt.

Fakten

In Deutschland gibt es ca. 750.000 Lehrer, von denen etwa 200.000 als Angestellte beschäftigt sind. Besonders betroffen sein werden die Schulen in NRW (33.000 Angestellte von 177.000 Lehrern) und die Bundesländer Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Kaum Auswirkungen werden die Schüler in Bayern spüren, dort sind immer noch 95 Prozent der Lehrer verbeamtet.


Simon Sperl ist Volontär bei UNICUM.de und hatte nie die Absicht, Lehrer zu werden. Da hätte das Gehalt noch so hoch sein können, Schüler fand er nämlich schon immer anstrengend.

 

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