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04. Dez 2012

Nathalie Klüver

Archiv

Luftfahrt: Drohnen vom Campus

-ARCHIV-

Studenten hoffen, dass ihre Arbeit nicht militärisch genutzt wird

Einsatz nicht nur im Militärbereich

Die unbemannten Kleinflugzeuge sind bisher vor allem aus dem Militärbereich bekannt. Dabei können sie viel mehr: dreidimensionale Messungen von Gebäuden oder Abräummengen im Tagebau. Und das mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 20 Metern in der Sekunde, gesteuert wie ein Modellflugzeug. Damit befasst sich Professor Wolfgang Rüther-Kindel im Studiengang Luftfahrttechnik/Luftfahrtlogistik an der TH Wildau. Die nächste Aufgabe für die Drohnen sei, eine Kinokamera in die Luft bringen. "Gerade für die Filmproduktionsfirmen rund um Berlin ist das sicher interessant."

An der Uni Kassel fliegen keine Miniflugzeuge, sondern kleine Hubschrauber mit bis zu acht Rotorblättern. Unikopter nennt sich das Projekt für die Studenten der E-Technik, Informatik oder Mechatronik. Dabei ist das Basteln des Quadro- oder Oktokopters nur der Anfang, so Prof. Albert Claudi. Aber einer, der Riesenspaß mache: "Da können die Studenten ein wenig basteln und dann tatsächlich fliegen üben." Im Fokus steht dann, was man mit so einem Kopter eigentlich machen kann. Zum Beispiel Agrarflächen überwachen. Doch die zwei Kilo schweren Kopter können noch mehr: Hochhausfassaden überprüfen oder der Hochspannungsleitungen. Was heute noch Mitarbeiter mit Fernglas vom Boden aus erledigen, sollen bald Minihubschrauber übernehmen.

Drohnen sind ein Wachstumsmarkt

Quadrokopter fliegen auch an der Beuth-Hochschule, wo Prof. Michael Breuer und sein Forschungsassistent Harald Herda über drohnengestützte Luftbildfotografie forschen. Diese kommt im Fachbereich Geoinformationswissenschaft zum Einsatz, wo Geodaten erfasst und bewertet werden. Daten, die sehr genau sein müssen. Bisher wurden solche Daten mit Cessnas und Spezialkameras erfasst – teuer und aufwändig. "Das geht in die Millionen", so Breuer. Den Einsatz von Drohnen gibt’s hingegen schon ab 50.000 Euro oder sogar weniger. Drohnen und ihre Anwendungen seien auf jeden Fall ein Wachstumsmarkt, sagt Breuer. Das zeige die Messe INTERGEO, bei der auch Drohnen vorgestellt werden. "Am Anfang wurden diese Stände belächelt, nun wird das sehr ernst genommen", so Breuer.

Auch in Österreich lernen Studenten anhand von Drohnen, wie ein großes Flugzeug funktioniert. An der FH Johanneum in Graz werden im Studiengang Luftfahrt/Aviation kleine Flugzeuge mit einer Spannweite bis zu sieben Metern gebaut. "Der einzige Unterschied: Das Cockpit bleibt am Boden", so Studiengangsleiter Bruno Wiesler. Ihm gehe es darum, Drohnen für zivile Zwecke zu entwickeln, beispielsweise für Katastropheneinsätze, bei denen Drohnen helfen, Lawinenopfer zu suchen.

"Für einen Rüstungszulieferer arbeiten? Niemals!"

Militärische Technologie könne man dafür nicht benutzen – viel zu teuer. Wie man sich im Umkehrschluss davor schützen kann, dass die eigenen Daten vom Militär genutzt werden? "Überhaupt nicht", gibt Wiesler offen zu. Ob seine Forschungsergebnisse einmal militärisch genutzt werden – Bastian Bohnstengel hofft es nicht. "Natürlich setzt man sich mit dieser Frage auseinander, wenn man mit so einem Thema zu tun hat", sagt die studentische Hilfskraft an der TH Wildau, wo er gerade seinen Master macht. Später für einen Rüstungszulieferer zu arbeiten käme auf keinen Fall infrage.

Das Thema Militär treibt die Studenten jedoch um. In Baden-Württemberg kämpfen Studenten zurzeit für eine Zivilklausel, die militärische Forschung an Hochschulen verbietet – derzeit gibt es nur acht Hochschulen mit so einer Klausel. In denen aber oft nicht viel mehr als der schwammige Begriff steht, dass die Forschung zivilen Zwecken dienen soll. In Zeiten, in denen die Bundeswehr "friedenssichernde Maßnahmen" vornimmt, keine einfache Abgrenzung.

Professor Claudi von der Uni Kassel bekommt immer wieder mal Projektanfragen von Unternehmen, die in eine militärische Nutzung gehen. Diese blocke er sofort ab. Außerdem: "Die zivile Anwendung ist viel interessanter. Das sieht auch Michael Breuer so, dessen Forschungen nur auf den zivilen Bereich ausgelegt sind. An der TH Wildau hat Wolfgang Rüther-Kindel hat hingegen keine Berührungsängste mit dem Militär, aber derzeit habe die Bundeswehr dafür keinen Etat.


Kurz & knapp

  • Hochschulprojekte zu Drohnen gibt es in Deutschland an der TH Wildau, der Uni Kassel und der Beuth-Hochschule in Berlin.
  • Bisher fällt das Fliegen von Drohnen in Deutschland unter das Modellflugzeuggesetz. Das bedeutet, sie dürfen nur in Sichtweite gesteuert werden, was die Nutzung für zivile Zwecke stark einschränkt.
  • Umstritten ist der Drohnenbau vor allem, weil die unbemannten Fluggeräte auch militärisch genutzt werden.

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