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12. Jul 2013

Heike Kruse

Archiv

Mehr Schutz für Whistleblower an Hochschulen

-ARCHIV-

Ein Kommentar

Denn Whistleblower müssen geschützt werden. Sie bringen Missstände in der Wissenschaft ans Licht, die sonst hinter verschlossener Tür geblieben wären. Sie dienen unserer Gesellschaft als demokratisches Korrektiv. Doch wer Strafen fürchten muss, der sagt nichts, selbst wenn es der Wahrheit entspricht. Wer riskiert heutzutage schon seinen Job aus reinem wissenschaftlichem Ehrgefühl? Gerade die Jagd nach Edward Snowden wird in vielen Köpfen die Angst vor einer Verfolgung oder auch vor Mobbing entfachen. Doch nur durch ihn wissen wir, in welchem Maße wir von den Geheimdiensten beobachtet werden. Ein Schutz für Whistleblower muss her. Den liefert die DFG mit ihrer Empfehlung 17* zumindest an den Universitäten.

Nicht nur die strafrechtliche Verfolgung müssen Whistleblower fürchten, sondern sogar um ihren Job bangen. Ein aktueller Prozess an der Arbeitsgerichtskammer Senftenberg (Cottbus): Weil er die Benachteiligung von Studenten mit Behinderungen öffentlich machte, wurde dem Hochschulmitarbeiter Ingo Karras im November 2012 fristlos gekündigt. Immatrikulationsstopp für Sehbehinderte im Studiengang Physiotherapie, ein fehlender Behindertenbeauftragter und die Untersuchung durch den Amtsarzt bemängelte der Diplom-Ingenieur gegenüber der Tageszeitung „Lausitzer Rundschau“. Die Hochschulleitung hat inzwischen nachgebessert, die Kündigung bleibt bestehen und vorsorglich folgten drei weitere. Dagegen klagt Ingo Karras. Die Herausgabe von internen Informationen kann dich als Hochschulmitarbeiter den Job kosten, auch wenn es der gerechten Sache dient.

Andersrum verdient jeder Beschuldigte ein gerechtes Verfahren, ohne Vorverurteilung. Denn jeder ist solange unschuldig, bis seine Schuld bewiesen ist. Wie ein Schutzwall stellt sich die DFG vor die Welle der immer obskureren Anklagen und verlegt das Verfahren. Raus aus der Öffentlichkeit hinein in die abgeschottete Kammer der Unis. Eine dringend notwendige Maßnahme, die Vertrauen voraussetzt. Vertrauen in die Integrität des Verfahrens, aber dies muss in einer Demokratie stets vorhanden sein. Die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf hat bei Annette Schavan bewiesen, wie fatal es ist, wenn zu viele Informationen über einen Plagiatsfall veröffentlicht werden. Der Rücktritt aus dem Amt war damit vorprogrammiert.

Ja, Transparenz sieht anders aus. Aber ist dies Grund genug, unberechtigten Vorwürfen Raum zu geben? Die Empfehlung betrifft lediglich das Verfahren. Es kann also weiterhin heftig diskutiert, gestritten und debattiert werden. Nur müssen die Vorwürfe Hand und Fuß haben, dann muss der Ankläger auch keine Strafe fürchten. Er muss sich nur wie jeder andere Wissenschaftler auch an einen Grundsatz der Wissenschaft halten: Sorgfältig sein. Denn ist der Ruf erst einmal ruiniert, …

Die Vertraulichkeit schützt somit nicht nur den Whistleblower selbst, sondern auch denjenigen, den der Vorwurf betrifft. Deshalb müssen die Hochschulen der Empfehlung nur noch folgen.

* Quelle: Ergänzung der Empfehlungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis, Juli 2013

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