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24. Jun 2015

Simon Sperl

Archiv

Men & Chicken

-ARCHIV-

Die schwarze Komödie aus Dänemark gibt's jetzt fürs Heimkino

Zwei Sonderlinge suchen nach ihrer Abstammung

Elias (Mads Mikkelsen) und Gabriel (David Dencik) sind Brüder, die ungleicher nicht sein könnten und trotzdem einiges gemeinsam haben. Elias ist ein Nichtsnutz mit dem Verstand eines 5-Jährigen, der noch dazu dem zwanghaften Drang nachgehen muss, andauernd zu masturbieren. Gabriel hingegen lehrt Evolutionspsychologie und Philosophie an der Universität. Gemeinsam ist beiden eine ziemlich markante Hasenscharte. Als ihr Vater stirbt, teilt er ihnen in einer Videobotschaft mit, dass sie beide adoptiert sind und sogar zwei unterschiedliche Mütter haben. Ihr leiblicher Vater, Evilio Thanatos, soll fast 100 Jahre alt sein und auf der entlegenen Insel Ork leben.

Kurzerhand begeben sich Elias und Gabriel auf den Weg dorthin, um mehr über ihre Eltern zu erfahren. Auf Ork angekommen machen sie gleich Bekanntschaft mit dem Bürgermeister (Ole Thestrup) und seiner sonderbaren Tochter (Bodil Jørgensen). Noch skurriler wird die Situation als sie am heruntergekommenen Wohnsitz ihres Vaters ankommen. Dort werden sie wenig liebevoll von ihren Halbbrüdern Franz (Søren Mallin), Gregor (Nikolaj Lie Kaas) und Josef (Nicolas Bro) empfangen: Anstelle miteinander zu reden, schlagen sie Gabriel mit ausgestopften Tieren, riesigen Töpfen und Holzlatten nieder.

Erst mit dem rabiaten Einsatz eines Nudelholzes gelingt es Elias, dass die drei Halbbrüder ihnen zuhören. Obwohl Elias und Gabriel nun immerhin schon einmal im verfallenen, ehemaligen Sanatorium ihres Vaters sind, dürfen sie diesen nicht besuchen. Denn angeblich sei dieser krank und will deshalb keinen Besuch sehen. Dafür müssen sie sich mit zahlreichen sonderbar deformierten Hühnern, Schweinen, einem Zuchtbullen sowie den verstörten Brüdern auseinandersetzen. Erst nach und nach bringt Gabriel Licht in das Dunkel ihrer Herkunft...

Komödie, Horror und Genetik-Thriller

Zehn Jahre nach dem Überraschungserfolg "Adams Äpfel" kehrt Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen mit "Men & Chicken" auf die Kinoleinwand zurück. Dabei vertraut er nicht nur auf fast die identische schauspielerische Besetzung, sondern auch auf den gleichen bitterbösen schwarzen, anarchischen Humor.

Der Film ist voll von Sonderlingen: Mads Mikkelsen als triebgesteuerter und wenig intelligenter Elias, der hinter jeder Frau her ist. Und dann erst die verstörten Halbgeschwister, die sich in ihrem Sozialverhalten jeglicher gesellschaftlicher Konvention entziehen. Wenn sich die Brüder gegenseitig mit Töpfen oder ausgestopften Tieren verprügeln, erinnert "Men & Chicken" an Jensens Werk "Flickering Lights". Das wirkt sowohl bitterböse, erinnert aber zugleich an Humor aus Slapstick-Filmen mit Dick und Doof.

Allerdings hat der Film eine weitere verstörende Komponente auf der Inhaltsebene: Die Suche nach der Herkunft und den Müttern aller fünf (Halb-)Brüder. Hier spielt Jensen mit biblischen und evolutionstheoretischen Elementen, indem er sich auf Darwins "Survival of the fittest"-Prinzip bezieht. Die Szenerie des verwahrlosten Anwesens im brandenburgischen Beelitz und die düsteren Farben verstärken die beklemmende Atmosphäre noch um ein Vielfaches.

Mit "Men & Chicken" entstand unter deutscher Förderung eine dänische Produktion, die den Zuschauer fast schon sprachlos zurücklässt. Bis hin zur Auflösung stellt man sich fast zwangsläufig – und vor allem immer wieder – die Frage: Wie krank ist das denn?


UNICUM Filmtipp

Men & Chicken

Komödie/Drama, GER/DK 2015

Regie: Anders Thomas Jensen

Darsteller u. a.: Mads Mikkelsen, David Dencik, Ole Thestrup, Bodil Jørgensen, Søren Mallin, Nikolaj Lie Kaas, Nicolas Bro

Verleih: DCM

VÖ: 4. Dezember 2015

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